Montag, 23. September 2013

Kapitel 12- Clockwork to the end

Dezember

Weisser, unangetasteter Schnee lag auf den Ländereien von Hogwarts. Imogene Malfoy lehnte ihre Stirn gegen die kühle Fensterscheibe und starrte nach draußen. Vor wenigen Minuten hatte sie noch eine hitzige Diskussion mit Nate geführt. Seit er hier war, ging es in ihrem Kopf nur noch drunter und drüber. Denn sie hatte nicht erwartet, dass er so nett wäre. Als sie ihm das letzte Mal begegnet war, vor seiner Versetzung nach Amerika, war er ein ungehobelter, unfreundlicher Unruhestifter gewesen, von dem sie sich schon aus Prinzip ferngehalten hatte. Und jetzt? Er war charmant, höflich, nett und sah verdammt gut aus. Innerhalb kürzester Zeit hatte er sich sehr beliebt unter den Mädchen gemacht. Er war ernsthafte Konkurrenz für Albus.
Und ironischerweise passte es Imogene nicht. Denn es gab eine Verbindung zwischen ihr und dem Potter, die niemand verstehen könnte. Selbst sie wusste nicht, wie das passiert war.
Araneas aufgeregte Stimme riss sie aus ihren Gedanken, als sie ins Zimmer gestürmt kam: “Imogene, du bist ja noch immer nicht angezogen! Willst du etwa im Bademantel zum Ball gehen?” Gene musterte ihre Schwester, die in einem kurzen schwarzen Kleid vor ihr stand und sich die Haare kunstvoll gelockt und zur Seite gesteckt hatte. Aranea sah wirklich fantastisch aus.
“Nein, das hatte ich nicht vor”, gab Gene lächelnd zurück und stand auf, “du siehst wirklich gut aus.” Araneas Lächeln zeigte den typischen Stolz, den sie sich nie bemühte zu verbergen. Sie drehte sich einmal um die eigene Achse: “Ich weiß. Hoffentlich denkt Adrian an den weissen Blumenstrauß. Andernfalls muss ich ihn wohl an der Unterwäsche aufhängen.” Sie lachte und griff nach ihren silbernen Schuhen, in die sie sogleich schlüpfte.
Imogene zog ihren Bademantel aus und präsentierte sich in einem nachtblauen Kleid, das auf Kniehöhe endete. Dazu trug sie eine silberne Kette mit Saphir Anhänger, die sie von ihrer Großmutter bekommen hatte. Zum ersten Mal fühlte sie sich nicht mehr als kleines Mädchen sondern als junge Frau.
“Das steht dir sehr gut”, meinte Aranea anerkennend und fast glaubte ihre Schwester, so etwas wie Neid aus ihrer Stimme zu hören. Doch das war absurd. Aranea war nie neidisch auf sie, das war eher umgekehrt so.
“Wieso gehst du mit Adrian hin? Du hättest doch Fred fragen können”, wollte Imogene wissen und bemerkte mit Genugtuung, dass ihre Zwillingsschwester verlegen wurde. Selten kam sie in diesen Genuss.
“Du denkst doch nicht ernsthaft, ich würde mich  mit einem Wiesel blicken lassen?”, fragte Aranea mit angewiderter Miene und konnte dennoch ihre Verlegenheit nicht verbergen. Imogene lachte nur und griff sich ihre kleine Handtasche, dann zog sie ihre Schwester mit sich.
Zum letzten Mal waren sie eine Einheit.

*~*~*

Mit dem Rücken zur großen Doppeltür, die in die festlich geschmückte Halle führte, betrachtete Narcissa Malfoy die kleine Schülergruppe, die sich noch ein letztes Mal über die Regelungen unterhielten. Mit Stolz blickte sie auf ihren Enkel Scorpius, der ohne Probleme den Ton angab. Nur Rose Weasley fuhr ihm manchmal über den Mund, was der Malfoy anscheinend aber locker nahm und ihr sehr locker die Stirn bot. Narcissas Blick wanderte auf die kleine kristallene Uhr an ihrem Handgelenk. In weniger als einer halben Stunde würde der Saal voller Schüler sein, die tanzten, sich amüsierten und einen Abend lang die allumfassende Strenge der Schule von sich fallen ließen.
Cissy selbst gehörte schon fast zu ihnen, mit einem Lächeln auf den Lippen und fast schon glücklich. Das Treffen mit Andromeda vor einer Woche war ausgesprochen gut gelaufen, auch wenn die Gründe weniger erfreulich waren.

Andromeda stand am Tor zu ihrem Garten und hatte sie in nervöser, freudiger Erwartung angesehen. Das graumelierte Haar zu einem straffen Knoten gebunden und die Klamotten sehr sorgfältig gewählt, machte sie den Eindruck einer strengen Lehrerin und Narcissa war unsicher, wie sie aufeinander reagieren würden.
Als würden keine vierzig Jahre zwischen ihnen liegen, fielen sie sich in die Arme und noch nie im Leben hatte Cissy sich so willkommen gefühlt wie in den Armen ihrer Schwester. Es war die richtige Entscheidung gewesen. Definitiv.
Beinahe den ganzen Tag saßen sie beisammen, erzählten sich alles, was ihnen in den Sinn kam. Andromeda fluchte über Lucius und Narcissa sprach ihr Mitleid wegen Nymphadora aus. Sehr gerne hätte sie ihre Nichte kennengelernt. Als es Abend wurde, mussten sie sich langsam aber sicher den unangenehmen Themen widmen.
“Ich habe dir geschrieben, weil ich dich warnen wollte”, kam Andromeda zum Punkt, “ich habe das Gefühl, etwas braut sich zusammen und deine Familie ist darin sehr involviert. Deine Familie und Bella.”
Ungläubig sah Narcissa ihre Schwester an, als sie sprach war ihre Stimme nur ein rauhes Flüstern: “Andra..Bella ist seit zwanzig Jahren tot.” Sie wusste nicht, was ihr Gegenüber sich da zusammenreimte und glauben wollte sie es erst recht nicht.
“Das ist mir durchaus bewusst, Cissy. Aber Bella war schon immer gut darin, Grenzen zu umgehen und überschreiten. Wer sagt, dass sie es diesmal nicht wieder getan hat?” Das hatte Narcissa nachdenklich gestimmt und schließlich musste sie ihr nickend zustimmen. Ja. Grenzen überschreiten konnte Bellatrix schon immer gut. Doch sie selbst war auch nicht besser. Seit fünfzehn Jahren trug sie ein Geheimnis mit sich herum, eine Überschreitung der Grenzen…

Und damit kehrte Cissy wieder ins Hier und Jetzt zurück. Sie hatte ihrer Schwester nichts von dem Geheimnis erzählt. Es war eine Sache zwischen Lucius, Astoria, Draco und ihr. Jede Person, die es sonst erfuhr, wusste damit eindeutig zuviel. Und es war gut so, wie es jetzt war. Die breite Flügeltür hinter ihr schwang auf und die ersten Paare kamen hereingeschwebt. Unter ihnen Aranea und Imogene mit ihren Begleitern. Die Mädchen sahen wirklich hinreißend aus und ein weiteres Mal wurde Narcissa von Stolz erfüllt. Die Beiden hatten sich zu wunderschönen, starken jungen Frauen entwickelt, mit einem angemessenen Anteil von Stolz, aber auch Toleranz. Selbst wenn Aranea das nicht so offen zeigte, war sie ein sehr toleranter Mensch geworden, der nur von seinem Stolz geblendet war.
Und auch die Begleiter ihrer Enkelinnen konnten sich durchaus sehen lassen. Narcissa war nicht sonderlich glücklich damit gewesen, dass Draco Imogene einen Verlobten aufgebürdet hatte, nur um sie vor etwaigen Fehltritten abzuhalten, doch so unglücklich schien die Kleine gar nicht mehr zu sein mit der Wahl. Das war sehr beruhigend, sie sah Gene nicht gerne leiden. Ehe sie sich versah, stand diese vor Cissy.
“Grandma!”, grinste Imogene und umarmte sie, “du siehst toll aus!” Cissy lächelte und strich ihrer Enkelin eine Haarsträhne aus dem Gesicht, die sich verirrt hatte.
“Das kann ich nur zurückgeben. Ihr beide seht absolut bezaubernd aus”, merkte sie an und lächelte auch Aranea zu, deren Miene vor Stolz fast platzte. Mit nichts mehr konnte man ihr eine größere Freude machen, als mit einem Kompliment. Es sei denn, man hieß Fred Weasley und sprach mit ihr.
Nathaneal begrüßte Narcissa höflich und entführte Imogene dann gleich auf die Tanzfläche, Adrian tat es ihm gleich und verschwand mit Aranea. Als Cissy ihren Enkeltöchtern nachsah, mischte sich Wehmut in ihre Gefühle. Sie wurden so schnell erwachsen.

*~*~*

Albus sah sich unzufrieden im Spiegel an. Seine Haare sahen seltsam aus, seit seine Schwester versucht hatte, sie mit einem Zauber zu kürzen. Hätte er sie nur nicht rangelassen. Zwar hatte er es mit viel Mühe hinbekommen, dass sie wieder glatt waren und nicht so katastrophal aussahen wie zuvor, aber es reichte ihm nicht.
Sein Festumhang war schlicht gehalten, ähnelte einem Smoking sehr und nur die blauen Seidensäume an Kragen und Ärmeln hoben ihn von der Menge ab.
Er warf einen kurzen Blick auf seine Armbanduhr. Ups, es wurde langsam Zeit, Miranda abzuholen. Er zog seine Fliege gerade und verließ dann den Schlafsaal. Mit zielstrebiger Sicherheit ging er nach unten in die Kerker, um vor dem Gemeinschaftsraum auf seine Begleitung zu warten. Sein Gefühl sagte ihm, dass es nicht nur der Weihnachtsball war, sondern der Auftakt für etwas Großes. Es erfüllte ihn mit Spannung und einer leichten Unruhe, die jedoch ganz angenehm war.
Als die Steinwand sich öffenete, hob er den Kopf und der Atem stockte ihm für einen Moment lang. Miranda Fletcher trat hervor und sie sah umwerfend aus. Absolut umwerfend. Ihr bodenlanges, smaragdgrünes Kleid schmeichelte ihrer Figur, das dunkle Haar war kunstvoll hochgesteckt. Eine Kette aus Weissgold lag um ihren Hals und ein silbernes Armband schmückte ihr Handgelenk.
Al räusperte sich und bot ihr den Arm an: “Du siehst umwerfend aus, Miranda.” Die Slytherin lächelte und ihre Augen funkelten verdächtig: “Ein bisschen Ablenkung kann ja nicht schaden. Außerdem kann Scorpius ruhig sehen, was ihm entgeht.”
Der Potter grinste amüsiert. Ja, Scorpius war echt ein Idiot, wenn er Miranda abwies und genau das hatte er auch getan. Irgendwie tat ihm die Fletcher deswegen leid, doch natürlich zeigte diese keine Schwäche, sie legte es nur darauf an, sich zu rächen. Dass Al dabei Mittel zum Zweck war, störte ihn nicht besonders.
Sie erreichten die Große Halle ziemlich schnell und mit Genugtuung nahm Miranda den Blick von Scorpius wahr. Mit hoch erhobenem Kopf stolzierte sie an ihm vorbei und zog Albus hinter sich her. Dieser hielt kurz Ausschau nach Imogene, die sich mit Nate unterhielt. Al musste zugeben, dass die Malfoy sehr gut aussah und fühlte sich fast ein wenig schlecht dabei, sie so ausgelassen mit Nathaneal zu sehen. Aber das war kein besonders großes Problem. Der Greengrass war nur ein Nebendarsteller in einem Theaterstück, das heute Abend sein Finale erleben würde.
Er wandte den Blick von Imogene ab forderte Miranda zum Tanz auf, wohlwissend, dass sie alle beide nur ein Ziel hatten. Auf den richtigen Moment zu warten.

*~*~*

Sie wurde schwächer. Mittlerweile so sehr, dass sie sich kaum noch auf den Beinen halten konnte. Doch das war gut so, denn ihr Körper war nur eine nutzlose Hülle, jetzt mehr denn je. Was hatte sie alles aushalten müssen? Sie war ins Jenseits eingetreten, wurde jedoch von jemandem ins Leben zurückgeholt, dem sie bisher nicht begegnet war. Kämpfe. Rückschläge und immer wieder knapp dem Tode entronnen. Doch es hatte sich gelohnt. Sie hatte jemanden gefunden, mit dem sie zu neuem Leben erblühen konnte. Und ihr Geist wechselte langsam und beständig den Körper, bald würde sie wieder jung und kräftig sein. Sie konnte es kaum erwarten.
Die Uhr näherte sich den letzten Stunden ihres erbärmlichen Daseins und ein Grinsen verzog ihr Gesicht zu einer abartigen Grimasse. Die fahle Haut spannte sich um die Knochen und die Narben hinterließen ein Muster. Das einst schwarze Haar hing grau und kraftlos herab, war dünn geworden. Doch all das spielte keine Rolle mehr. Bald würde sie ihr Spiegelbild wieder mögen. Zumindest mehr, als das was sie im Moment war. Und er ebenfalls.
Die Uhr schlug acht Uhr Abends. Nur noch vier Stunden. In Anbetracht ihrer Wartezeit von gut zwanzig Jahren, war das nur ein kleiner Katzensprung, den sie mit Geduld abwarten konnte.
“Genießt die letzten Stunden eures Lebens..solange ihr noch könnt”, murmelte sie mit rauher Stimme gegen die eisige Kälte, die ihren Körper erklomm, ein Lachen kroch ihre Kehle empor, ehe sie sich disapparierte um am vorgesehenen Ort zu warten..darauf, dass ihr Leben wieder lebenswert wurde.

*~*~*

Imogene drehte sich um ihre eigene Achse, ehe Nate sie wieder an sich zog. Ein warmes Gefühl machte sich in ihrem Inneren breit, das vermutlich vom Butterbier kam, doch es wäre gelogen zu behaupten, dass sie seine Gesellschaft nicht genoss. Er war sehr zuvorkommend zu ihr und erkundigte sich immer wieder, ob sie etwas trinken wollte, eine Pause brauchte oder sonstiges. Es war schon beinahe etwas nervig und doch ziemlich süß.
Auch jetzt lehnte er sich zu ihr rüber, so nah, dass seine Lippen fast ihr Ohr berührten: “Kann ich dir etwas bringen, Prinzessin?” Seine Stimme war samtig weich und doch ein wenig rauh und sein Atem, der über ihren Hals strich, weckte ein sonderbares Kribbeln in ihr. Er war das, was sie sich von Albus immer gewünscht hatte und es war fast ein wenig bitter, dass sie sich bei ihrem aufgezwugenen Verlobten so fühlte, wie sie es nunmal tat.
Als Albus mit Miranda aufgetaucht war, hatte sie unwillkürlich einen Stich aus Eifersucht verspürt, abgesehen davon sah die ältere Slytherin auch noch so verdammt gut aus, dass sie keine Chance hätte, wenn sie neben ihr stünde. Doch als Al sie angesehen hatte, war dieses Gefühl wieder verschwunden und es war in Ordnung. Denn die Verbindung war noch da.
“Würdest du mir ein Glas Wasser holen? Das wäre sehr nett”, antwortete sie Nate endlich mit einem Lächeln auf den Lippen. Wenn er sich schon so anbot, warum sollte sie es auch nicht nutzen?
Nate hauchte ihr einen Kuss auf den Handrücken und blickte grinsend zu ihr hoch: “Ich bin gleich wieder da.” Dann machte er sich auf den Weg. Kopfschüttelnd, aber amüsiert blickte Imogene ihm hinterher, ehe sie sich auf einen Stuhl setzte. Langsam taten ihr die Füße weh in den hohen Schuhen. Kaum hatte sie sich gesetzt, landete Aranea direkt neben ihr, mit erhitztem Gesicht und suchendem Blick.
“Was ist denn mit dir los?”, fragte Imogene ihre Schwester schmunzelnd. Aranea strich sich die Haare glatt und schwieg zunächst, doch dann platzte sie doch noch mit der Sprache raus: “Ich bin auf der Flucht vor Adrian. Und in gewisser Weise auch vor Fred.” Ihre Gesichtsfarbe wurde noch eine Spur dunkler. Imogene war verwirrt und das sah man ihr offenbar auch an, denn ohne nachfragen zu müssen, fing ihre Schwester an zu erklären: “Adrian wollte unbedingt rumknutschen, aber ich wollte nicht. Ich bin nur mit ihm zum Ball gegangen, damit ich nicht alleine muss. Eigentlich finde ich ihn ziemlich schrecklich. Und ich wollte Scorpius ärgern, weil er doch sein bester Freund ist.” Kurz zuckten ihre Mundwinkel verräterisch, die Andeutung eines triumphierendes Lächelns, denn als Scorpius sie gesehen hatte, war er wirklich kurz an die Decke gegangen. Imogene nickte nur und deutete ihr an, dass sie weiter erzählen sollte.
“Also, ich bin vor Adrian geflüchtet und gegen Fred gerannt. Und als Zabini mir auf den Fersen war, hab ich Fred einfach geküsst, damit er abzieht. Und dann bin ich vor Fred geflohen”, erklärte sie weiter und ihre Stimme überschlug sich dabei fast, ehe sie wieder durch den Raum blickte, “oh nein, da kommt Fred. Ich bin weg.”
Aranea sprang auf und verließ die Halle fluchtartig. Imogene blickte ihr belustigt hinterher. Es war nett, ihre Zwillingsschwester auch mal von dieser Seite zu sehen und nicht immer nur gelassen und schlagfertig.
Mit einem Mal wurde ihr schwummrig zumute. Imogene kniff die Augen zusammen, in der Hoffnung ihren Blick wieder zu klären, doch er blieb gleich verschwommen. Vorsichtig stand sie auf und schwankte zum Ausgang. Die Schüler, die sie dabei anrempelte, schüttelte sie mit einer gemurmelten Entschuldigung ab.
Ihre Füße versanken knöcheltief im Schnee und die eiskalte Nachtluft bahnte sich schon fast schmerzhaft einen Weg in ihre Lunge. Dennoch bekam sie keine Luft und ihr Herz wurde zu einem kalten Klumpen, zumindest fühlte es sich so an. Krampfhaft versuchte sie zu atmen, doch ihr wurde nur schwarz vor Augen.

“Imogene?”, wie durch tiefes Gewässer drang eine Stimme an ihr Ohr. Seine Stimme. Die Stimme des jungen Mannes, den sie seit Jahren begeherte.
“Albus”, flüsterte sie rauh und zwang ihre Augen sich zu öffnen, auch wenn es äußerst schwierig war, sich dem gemütlichen Treiben in der Wärme nicht mehr hinzugeben. Der Schwerelosigkeit und der Seligkeit, an nichts denken zu müssen und einfach vor sich hin zu träumen.
Doch seine Anwesenheit war Grund genug, sich freizukämpfen. Albus Gesicht war ihrem gefährlich nahe, er sah besorgt auf sie hinab und zum ersten Mal fiel ihr auf, dass seine Augen das Blau verloren hatten und gräulich geworden waren. Ein Fakt, der ihr unglaublich wichtig erschien.
“Was ist passiert?”, fragte die Malfoy und richtete sich langsam auf, wurde etwas rot, als sie merkte, dass ihr Kopf wohl auf seinem Schoß gelegen hatte. Etwas durcheinander sah sie sich um und stellte fest, dass sie fernab der Großen Halle waren. Oder gar nicht mehr in Hogwarts? Der Raum kam ihr zumindest nicht bekannt vor.
“Das wüsste ich gerne von dir. Als du die Halle so überstürzt verlassen hast, bin ich dir gefolg, aber als ich dich erreicht habe, lagst du schon bewusstlos im Schnee”, antwortete Albus mit ernster Miene und hielt weiterhin ihren Arm fest. Ob sie zu stützen oder an der Flucht zu hindern, sei dahingestellt.
Die Malfoy versuchte sich zu erinnern: “Mir war aufeinmal richtig schwindelig und ich habe keine Luft mehr bekommen…” Mehr wusste sie nicht mehr. Nur noch der Schmerz in ihrer Brust und dann war schon alles schwarz geworden.
Albus schwieg, doch seine Augen lagen weiterhin auf ihr mit einer Intensität, die ihr einen heißkalten Schauer über den Rücken jagte. So, wie sie sich das immer gewünscht hatte, dass er sie auch nur einmal so ansehen würde. Sofort raste ihr Herz wie ein Kolibri, doch statt sich daran zu erfreuen, versuchte sie lieber auf die Beine zu kommen. Zögerlich ließ Al ihren Arm los und etwas wackelig kam sie hoch. Dabei fiel ihr auf, dass sie keine Schuhe mehr trug. Ah. Sie standen unweit von ihr entfernt. Aber ihr war auch überhaupt nicht kalt, also waren sie vielleicht überflüssig.
Zaghaft sah sie sich im Zimmer um. Der Boden bestand aus Holzdielen und auch der Raum selbst schien aus Holz zu sein. Wäre er nicht so gut erhalten, hätte sie auf die Heulende Hütte getippt. Doch die Bilder an der Wand und das karge Mobiliar sah zu neu dafür aus.
“Wo sind wir hier, Albus?”, fragte sie und wandte sich wieder zu ihm um, ihr Blick war dabei so klar, als hätte sie diesen Zusammenbruch nie gehabt. Sie verschränkte die Arme vor der Brust und sah auf den immer noch sitzenden Potter herab.
Dieser schmunzelte ein wenig und stand in einer einzigen geschmeidigen Bewegung auf, ehe er mit ein paar Schritten den Raum durchquerte: “Erkennst du es denn nicht? Ich dachte, es würde dir eher auffallen.”
Skeptisch blickte die junge Malfoy ihn an, ehe sie sich genauer umsah und langsam dämmerte es ihr, was dazu führte, dass sie fassungslos den Kopf schüttelte: “Das ist die Hütte in der Nähe von Großmutters Anwesen.”
Albus applaudierte, ein spöttisches Geräusch in ihren Augen, auch seine Miene zeigte eine Spur von Spott: “Hundert Punkte für die kleine Malfoy.” Sie sah ihm mitten ins Gesicht, musterte seine Züge und blieb bei seinen Augen hängen: “Wir sind nicht mehr die, die wir einmal waren. Wir sind Menschen, die wir nie sein wollten...hab ich recht?”

*~*~*

Narcissa blickte über die Tanzfläche, ein beunruhigendes Gefühl hatte Besitz von ihr ergriffen. Auch wenn alles friedlich und ruhig schien, abgesehen von den lauten Kapriolen der Jugend, die sich hier versammelt hatte, so wusste sie, dass etwas nicht stimmte.Doch sie konnte nicht sagen, was es war. Ruhelos schwebte sie zwischen den Schülern hindurch und blickte sich nach ihren Enkeln um, doch keinen davon konnte sie finden.
“Mrs. Malfoy, haben sie Imogene irgendwo gesehen?”, wurde sie von der Seite angsprochen und sie hielt kurz inne. Ihr Blick lag auf Lily Potter, die besorgt zu ihr hochsah.
“Ich hatte gehofft, sie würden mir das sagen können, Miss Potter”, gab sie zu und blickte wieder über die Schülermenge. Lily folgte ihrem Blick und verschränkte die Arme vor der Brust: “Sowas aber auch. Dabei wollte sie sich mit mir treffen. Ich suche dann mal weiter, danke.” Und schon war ihr roter Haarschopf zwischen den Schülern verschwunden. Cissy runzelte die Stirn. Es sah Imogene nicht ähnlich, ihre beste Freundin zu versetzen. Oder überhaupt jemanden zu versetzen.
Als sie den Blick von Miranda Fletcher kreuzte und ihr die Worte von Andromeda wieder in den Sinn kamen, traf sie die bittere Erkenntnis wie ein Schlag und ein Anflug von Panik überkam sie: “Nein. Nicht Imogene.”

Sonntag, 22. September 2013

Kapitel 11 - Words on Signs

Kapitel 11 - Words on Signs

Es verging eine ganze Weile, bis jemand an Lily und Imogene vorbeikam, die regungslos auf dem gefrorenen Boden lagen. Letztendlich war es sogar Scorpius selbst, der die beiden Mädchen von ihrem Leid erlöste.
Das süffisante Grinsen lag dabei immer noch auf seinem Gesicht, als wäre nichts gewesen, während Imogene ihre steifen und gefrorenen Glieder bewegte, um sie schmerzhaft wieder zum Auftauen zu bringen. Und Lily ging es dabei nicht viel anders. Doch während diese ausschließlich damit beschäftigt war, starrte Imogene ihren Bruder sehr finster an: “Das ist alles deine verdammte Schuld, Scorpius! Miranda hat uns angegriffen, weil du sie im Team aufgenommen hast und du sie flachgelegt hast und-”
Scorp brachte sie zum Schweigen, indem er ihr einen eisigen Blick zuwarf: “Und du warst doch diejenige, die sie provoziert hat, nicht wahr?” Lily ließ ein kleines Glucksen hören, womit sie zeigte, wie amüsiert sie war. Schön, dachte Imogene, dass zumindest eine ihren Spaß hat!
Bei Merlin, manchmal würde es sie wirklich interessieren, was im Kopf ihrer besten Freundin vor sich ging, doch jetzt war ganz definitiv  nicht der richtige Zeitpunkt, um dies in Erfahrung zu bringen.
Als sie ihre Gliedmaßen wieder annähernd spürte, machte sie sich wutschnaubend auf den Weg ins Schloss, ohne ihren Bruder noch einmal mit einem Blick zu bedenken. Lily murmelte diesem jedoch einen kleinen Dank zu, ehe sie Imogene folgte.
“Es war doch wirklich nett von ihm, uns zu helfen”, meinte sie in dem Versuch, die Geschwister zu versöhnen, doch die Malfoy rang sich ein schmales Lächeln dazu ab: “Er hat uns doch nur geholfen, weil er sonst für den Schuldigen gehalten worden wäre.” Die Potter schüttelte fassungslos den Kopf. Früher hätte ihre beste Freundin sowas nicht vom Hocker gelassen, sondern ihr zugestimmt. Ihrer Meinung nach war das eine ziemlich beunruhigende Entwicklung, da Imogene eigentlich sogar dann nett war, wenn sie schlecht drauf war.
“Was ist nur mit dir los?”, fragte die Rothaarige leise und doch laut genug, dass Imogene sie hören konnte. Diese schwieg zunächst eisern und zog die Augenbrauen hoch, ehe sie wieder eins dieser Lächeln sehen ließ, die einem zeigten, dass man nie die Wahrheit erfahren würde: “Ich weiß gar nicht, was du meinst.”
Lily verschränkte die Arme und bedachte sie mit dem typischen Molly Weasley-Blick, doch an Gene prallte er wirkungslos ab. Stattdessen strich sie sich nur unbeeindruckt eine Haarsträhne hinters Ohr und schenkte Lily ein strahlendes Lächeln: “Er hat dich einen Moment lang nicht aus den Augen gelassen.”
Lily lief rot an und stolperte, sagte aber nichts mehr dazu und die Malfoy lächelte zufrieden. Sie wusste doch, wie man eine Lily Potter zum Schweigen brachte.
*~*~*
Narcissa Malfoy stand am Fenster ihres Büros und blickte nachdenklich aus dem Fenster. Ihre Enkelin vereint mit einer Potter zu sehen, war für sie immer noch ein sehr eigenartiger Anblick, den sie aber guthieß. Im Gegensatz zu ihrem Mann hatte sie nichts gegen die Weasleys und Potters. Nicht mehr. Doch sie hatte nicht besonders viel zu sage und dass sie diesen Posten angetreten hatte, sorgte für große Missbilligung ihres Mannes und ihre ohnehin schon kalte Beziehung war noch weiter abgekühlt. Cissy hatte sich schon längst damit abgefunden, dass sich in dieser Hinsicht nichts mehr bessern würde. Sie war alt und ihre Zeit lief langsam ab. Einzig und allein ein schlechtes Gefühl, man konnte es auch Vorahnung nennen, hatte sie zu ihrem Handeln getrieben. Sie wollte ein Auge auf ihre Enkelkinder haben, ganz besonders auf die naive Imogene. Bereits jetzt überkam sie immer öfter das Gefühl, irgendetweas Wichtiges übersehen zu haben.
“Professor Malfoy? Ein Brief für sie”, riss sie eine Stimme aus den Gedanken und in der Tür stand eine Sechstklässlerin aus Gryffindor. Rose Weasley. Narcissa nahm den Brief dankend entgegen und die Rothaarige verließ das Büro so schnell wie möglich. Scheinbar war diese nicht so begeistert davon, noch eine Malfoy mehr im Schloss zu haben.
Sie lenkte ihren Blick auf den Umschlag, kein Absender. Umso neugieriger öffnete sie den Umschlag und entfaltete den Brief.
Er war von ihrer Schwester Andromeda. Ihr Herzschlag setzte einen Moment lang aus und sie gab sich einem Gefühl von Wehmut hin. Seit fast vierzig Jahren hatte sie nichts mehr von ihrer älteren Schwester gehört. Ihre Gedanken reisten zurück an jenen Tag…
Es war ein kalter Dezembermorgen, es hatte gerade frischen Schnee gegeben. Andromeda und ihr Verlobter Ted standen in der Eingangshalle, ihnen gegenüber ihr Vater. Bellatrix und Narcissa versteckten sich oben auf der Treppe, Bella mit einem argwöhnischen und herablassenden Lächeln und Narcissa sorgenvoll, mit schmerzenden Fingern, weil sie das Geländer so stark umklammerte.
“Ich werde ihn heiraten, ob es euch gefällt oder nicht”, hallte die Stimme Andromedas klar und deutlich von den Wänden wieder. Ihr Blick war entschlossen ebenso ihre Miene. Narcissa sah, wie fest sich ihre Hände mit denen Ted Tonks’ verschränkt hatten, auch er war entschlossen ihren Eltern die Stirn zu bieten, sollte es nötig sein.
Eisige Stille legte sich über die Anwesenden, ehe Druella hysterisch lachte, doch selbst dieser peinliche Versuch die Situation zu entspannen konnte nicht verhindern, was danach geschah. Cygnus Black sah seine Tochter nicht länger als solche an und seine Stimme war bedrohlich leise: “Raus aus meinem Haus.”
Cissy traten Tränen in die Augen und sie sprang auf, doch ihre Schwester Bellatrix hielt sie zurück: “Lass.” Beide wandten sich wieder dem Schauspiel vor ihnen zu. Andromeda sah ihre Eltern mit hoch erhobenem Kopf an: “Ihr werdet eure spießige Haltung nie verlieren, was?”
Die Stimme ihres Vaters hallte von den Wänden wieder, als er das nächste Mal sprach, laut und voller Hass: “Raus aus meinem Haus! Und wage es ja nicht, dich jemals wieder hier blicken zu lassen!”
Andromeda zuckte kurz zusammen und Cissy hörte Ted irgendetwas murmeln, doch ihre Schwester schüttelte den Kopf und richtete sich an ihren Vater: “Ganz wie du wünscht, Vater. Oder sollte ich sagen, Mr. Black? Denn nun scheint es ja so, als wäre ich einst deine Tochter gewesen.” Druella Blacks Miene war kraftlos geworden, doch Cygnus sah mit Abscheu auf das Paar vor sich hinab, ohne noch ein Wort zu sagen. Es war besiegelt. Ein kurzer Blick Andromedas wanderte hoch zur Treppe, als wüsste sie, dass ihre Schwestern dort oben waren und sie beobachteten. Ihre großen braunen Augen wirkten traurig, doch dann wandte sie sich ab und verließ das Haus zusammen mit dem Mann, den sie ein halbes Jahr später heiratete. Sie kam nie wieder zurück.
In den darauffolgenden Jahren hatte Cissy sich immer wieder gewünscht, Andromeda wiederzusehen, doch die Angst vor ihrem Vater war ebenso allgegenwärtig gewesen. Irgendwann war es zur Gewohnheit geworden, immer ein schwaches Gefühl von Vermissen zu verspüren. Und jetzt war es wieder so stark wie nie. Ihre Schwester schrieb etwas von einer Gefahr und dass sie sich dringend treffen sollten. Also hatte nicht nur Andromeda es gespürt.
Cissys Blick glitt wieder zum Fenster. Das Wetter hatte sich noch mehr verdüstert, als würde es ihre Gedanken lesen.
*~*~*
Albus lief ungeduldig auf und ab. In seiner Hand hielt er den Zauberstab fest umklammernd, während sein Blick sich immer wieder auf die Tür bohrte, an der er vorbeikam. Er konnte selbst nicht glauben, dass er auf Scorpius Malfoy und Miranda Fletcher wartete. Er konnte es sich nicht erklären. Doch sein Gefühl sagte ihm, dass es wichtig war, mit ihnen zu sprechen.
Die Tür des Gemeinschaftsraumes von Slytherin schwang auf und ein recht genervt blickender Scorpius trat heraus. Seine Miene wurde noch eine Spur finsterer, als er den Potter erblickte: “Was willst du?”
Al sah den Blonden einen Augenblick lang an und fragte sich selbst, was er eigentlich wollte. Denn er hatte keinen blassen Schimmer. Hinter Scorpius erschien schließlich Miranda Fletcher mit einem Grinsen auf den Lippen, als hätte sie kein Wässerchen zu trüben.
“Ich glaube, es ist soweit und wir müssen die Vereinigung gründen”, kam es über Albus Lippen, bevor er überhaupt auch nur einen Gedanken darüber verschwendet hatte, was er jetzt sagen sollte. Doch seine Worte kamen mit einer solchen Gewissheit über seine Lippen, dass er keinen Zweifel dran hatte, dass sie stimmten.
Scorpius sah den Potter äußerst skeptisch an, doch Miranda weitete die Augen in überraschter Manier: “Du?”
Ein kühles Lächeln lag auf den Lippen des Ravenclaws, der jetzt viel sicherer wirkte, als eben noch und ebenso erwachsener. Scorpius beäugte ihn kritisch, weil er das für seltsam und unmöglich hielt. Möglicherweise spielte ihm sein Gehirn aber auch einen Streich.
Seine Worte waren viel interessanter und Argwohn mischte sich in seine Stimme: “Wovon sprichst du, Potter?” Albus wechselte einen kurzen Blick mit Miranda, welche nur ein süßliches Grinsen zeigte.
“Das wirst du schon noch früh genug erfahren, Scorpius. Ich würde dir nur raten, dass du in Mirandas Nähe bleibst, wenn du nichts verpassen willst”, bemerkte Al ebenso argwöhnisch und mit leichter Arroganz in der Stimme, die man von ihm so gut wie nie zu spüren bekam. Aber es gefiel ihm sichtlich, dass der Malfoy einmal nicht wusste wroum es ging.
Der Blonde verschränkte die Arme vor der Brust, seine ganze Körperhaltung war pure Ablehnung und doch verrieten seine Augen so etwas wie Interesse.
Die Augen eines Malfoys verrieten viel mehr als Gestik und Mimik es jemals könnten, pflegte seine Tante Hermine zu sagen. Es war Al ein Rätsel, wie sie auf so eine Aussage gekommen war, doch er musste ihr insgeheim auch Recht geben. Dann sah der Potter zu Miranda, Wissen blitzte in seinen Augen auf: “Wieso hast du Imogene und Lily verflucht?” Das schallende Lachen der Slytherin hallte von den Wänden wieder, gänzlich triefend vor Spott, ehe sie sich zu einer Antwort durchrang: “Ist das dein Ernst? Nur weil wir mit ihr zusammenarbeiten, heißt das doch nicht, dass ich sie nicht ein bisschen quälen darf.”
Nun schaltete sich Scorpius wieder ein und mit wütender Miene sah er die Fletcher an: “Du hast meiner Schwester das angetan? Ich sollte dich-”
Bevor er dazu kam auszureden, lachte sie nur wieder: “Sie ist längst nicht mehr deine Schwester. Nun..zumindest nicht mehr ganz. Sie wird immer weniger die Imogene Malfoy sein, die du kennst und liebst, mein lieber Scorpius.”
“Miranda!”, zischte Albus harsch, “das ist nicht der richtige Zeitpunkt! Ich denke nur, ihr solltet wissen, dass es von Vorteil für euch wäre, am Samstag um Mitternacht im Uhrenturm aufzutauchen. Wenn ihr zumindest auf der richtigen Seite stehen wollt.”
“Sind wir hier fertig? Ich habe noch weitaus wichtigeres zu tun”, fragte Miranda in übertriebener Ungeduld, ohne dabei die theatralische Geste auszulassen, auf ihre Uhr zu sehen.
“Ich weiß ja nicht, was du als wichtig verstehst, aber sich die Nägel feilen und Jungs anzubaggern würde ich nicht dazu zählen”, spottete der Malfoy um zu verbergen, wie irritiert er war und auch, was Al damit zu tun hatte.
Wie eine Schlange zischte Miranda daraufhin, aber Al fuhr ein weiteres Mal dazwischen, bevor ein Streit ausbrach: “Ich verlasse mich darauf, dass du Scorpius alles weitere erklärst. Ich habe nämlich wirklich Wichtigeres zu tun.” Er nickte den Beiden kurz zu, dann wandte er sich ab und verließ den Gang wieder. Der erste Schritt war getan und er wusste, dass es richtig war.
*~*~*
Die Nacht senkte sich langsam über Hogwarts und mit ihr die Ungewissheit. Imogene saß im Gemeinschaftsraum der Slytherins und hatte ein Buch auf ihrem Schoß liegen. Doch statt es zu lesen, starrte sie in die knisternden Flammen des Kamins, ohne diese wirklich wahrzunehmen. Ihre Gedanken waren weit, weit weg. Immer wieder tauchte sie an Orten auf, von denen sie nicht wusste, wie sie dorthin gekommen war und das machte ihr langsam große Sorgen. In ihrer Kindheit war sie öfter mal schlafgewandelt, aber das hier war etwas Anderes. Es fühlte sich ganz anders an. Es fühlte sich unrein an, als würde Blut auf ihren Händen kleben.
Blut. Ihr eigenes fing an, in ihren Ohren zu rauschen und Panik überkam sie aus heiterem Himmel und ohne ersichtlichen Grund. Ihr Körper wurde von einem Zittern gepackt und sie bekam nur schwer Luft. Adrenalin pulsierte in ihren Adern und trieb sie an, während ihr Blick hektisch den Raum durchquerte. Doch hier war nichts, was ihre Panik erklärte.
“Imogene? Imogene! Ist alles in Ordnung?”, drang die Stimme ihrer Schwester wie aus weiter Ferne an ihr Ohr. Gene blickte auf und sah Aranea mit verschränkten Armen vor sich stehen, einen skeptischen Blick aufgelegt.
Imogene sah ihre Schwester einen Moment lang ausdruckslos an, ehe sie langsam nickte: “Ich war nur...in Gedanken.” Im ersten Augenblick schien Aranea nicht sonderlich überzeugt zu sein, dann aber nickte sie und ließ sich in den Stuhl gegenüber fallen. Imogene wappnete sich für einen Vortrag, der sie überhaupt nicht interessieren würde, denn diesen Blick kannte sie an ihrer Zwillingsschwester sehr gut.
“Wir müssen über den Weihnachtsball reden. Bis dahin ist es nur noch einen Monat und wir müssen absprechen, wen wir als Begleiter mitnehmen”, fing Aranea auch schon an und schien wirklich Feuer und Flamme dafür zu sein. Und Imogene könnte nicht desinteressierter sein. Früher hatte sie diese Veranstaltungen sehr geliebt, aber jetzt hatte sie einfach keinen Kopf dafür.
“Geh doch hin, mit wem du willst”, sagte sie also kühl zu ihrer Schwester und wandte ihren Blick ab, um ihr Desinteresse  nur noch mehr zu signalisieren. Doch so leicht ließ Aranea sich nicht abschütteln. Leider.
“Ich bin sicher, Nathaneal wird sich freuen, dich auf den Ball begleiten zu dürfen”, frohlockte Nea also mit spitzem Unterton und starrte ihre jüngere Schwester unentwegt an. Sie wusste genau, wie sie ihre Aufmerksamkeit bekam, denn prompt wandte Imogene sich zu ihr um.
“Bitte, was?”
“Hat er dir denn nicht geschrieben? Vater hat im letzten Brief vermerkt, dass Nate die Schule wechselt und Anfang Dezember nach Hogwarts kommen wird”, gab Nea ihr zur Antwort und Genugtuung breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Imogene wurde blass. Nein. Das durfte einfach nicht wahr sein! Wenn Albus das rausfand...aber halt, Moment. War doch sowieso egal, denn ihr Verhältnis war eh nicht grade das Beste.
“Was hat er hier zu suchen? Ich will ihn nicht hier haben!”, stieß Imogene zornig hervor und ballte ihre zarten Hände zu Fäusten, Tränen der Wut sammelten sich in ihren Augenwinkel und sie war aufgesprungen. Mit einem lauten Krachen fiel das Buch zu Boden. Die Blicke anderer Slytherinschüler wandten sich zu ihnen um und Imogene errötete etwas und setzte sich kraftlos wieder hin.
“Er ist dein Verlobter, Schwesterherz. Er möchte eben bei dir sein”, kicherte Aranea belustigt und strich sich das blonde Haar aus dem Gesicht, in einer so eleganten Geste, wie es nur eine Malfoy vermochte. Imogene war alles andere als erfreut darüber. Nein, um genau zu sein, war sie regelrecht entsetzt.
“Heirate du ihn doch. Du nimmst dir doch sonst auch alles, was mir gehört”, gab Imogene zurück und sah Aranea mit einem kalten Blick aus ihren blauen Augen an, hinter denen ein Sturm tobte, wie sich niemand es vorstellen konnte. Sie hob das Buch auf und machte sich auf den Weg in ihren Schlafsaal.
“Albus geht übrigens mit Miranda dorthin!”, rief Aranea ihr nach und Imogene schluckte. Ganz große Klasse. Der Ball war schon gelaufen, bevor er überhaupt angefangen hatte.

Kapitel 10 - Bulletproof Skin

Kapitel 10 - Bulletproof Skin


 
November
Sie stand auf einem Hügel, der Wind blies ihr das lange schwarze Haar ins Gesicht. Ihr kalter, ausdrucksloser Blick war auf das Schloss unter sich gerichtet, lediglich eine verzerrte Grimasse zeugte von einer Art erfreutem Grinsen. Alles lief nach Plan und ihre kleine Helferin machte sich ausgezeichnet, trotz ihrer anfänglich widerstrebenden Art. Hochwohl geboren, zweifelsohne, doch ebenso leicht zu beeinflussen. Und durch und durch das selbe Blut.
Es war schon beinahe eine Schande, ihre Fähigkeiten nur dafür zu nutzen, doch fürs erste musste es reichen. Sie hatte sich schon zuviel gewagt und wenn jemand sie erkannte, würden ihren Pläne wie ein Kartenhaus zusammenfallen.
Ein Kichern lenkte die Aufmerksamkeit der Frau nach oben und sie erkannte Peeves, den Poltergeist aus Hogwarts. In diesem Moment war es wohl gut, dass ihr Gesicht so entstellt war, denn trotz ihrer tief ins Gesicht gezogenen Kapuze konnte man dieses ab und an hervorblitzen sehen. Der Geist schien sie nicht zu bemerken und bewarf ein paar Erstklässler mit Wasserbomben, die sich kreischend versuchten davor zu schützen. Es war Zeit, aufzubrechen, erstmal.
*~*~*
Imogene saß auf der Tribüne des Quidditchplatzes und starrte auf das Feld hinab. Die Hände hat sie tief in den Jackentaschen vergraben. Aus irgendeinem Grund wollte sie unbedingt die Auswahlspiele für die anderen Häuser sehen. Wobei es für Ravenclaw einen ganz offensichtlichen Grund gab- Albus Potter. Seit ihrer seltsamen Traumerfahrung hatte sich ihr aufblühendes Verhältnis ganz rasch wieder abgekühlt und jetzt waren sie sich ferner als je zuvor. Dennoch hatte die Malfoy nicht das Interesse an ihm verloren, es war gewachsen. Sie war doch wirklich töricht genug, jemanden zu lieben, der sie ignorierte. Dabei hatte sie in den letzten Wochen das Interesse von so manchem Jungen auf sich gezogen.
Seufzend strich sie sich ihr blondes Haar aus dem Gesicht und verfluchte das windige Wetter. Da kamen sie, die Mannschaft von Ravenclaw und die Menschen, die sich ins Team spielen wollten. Wie magnetisch fiel Imogenes Blick sofort auf Albus, obwohl es in dieser Höhe nicht leicht war, die Spieler auseinander zu halten. Doch Al zog sie mit einer Intensität an, die sie nicht erklären konnte. Auch wenn es dieses Mal vielleicht daran lag, dass er als Mannschaftskapitän die Truppe anführte. Als er kurz zur Tribüne hochsah, errötete sie sofort, obwohl er sie gar nicht direkt ansah. Schließlich war sie nicht die einzige Neugierige, sondern überall hatten sich Leute verstreut.
Und dann stand sie plötzlich im Slytherin Gemeinschaftsraum. Verwirrt blinzelte sie und sah sich um. Sie hatte keine Ahnung, wann und wie sie dorthin gekommen war und was sie dazwischen getan hatte. Als sie sich die Haare aus dem Gesicht strich, fiel ihr auf, dass sie keine Jacke mehr trug und auf ihrem Unterarm sich ein blauer Fleck, oder besser gesagt, mehrere blaue Flecken abzeichneten. Wie Fingerabdrücke. Irritiert runzelte sie die Stirn: “Was in Merlins Namen..?”
“Imogene!”, die Stimme ihres Bruders Scorpius riss sie aus ihren Gedanken und sie richtete ihre Aufmerksamkeit auf diesen, “Wo zum Henker bist du plötzlich abgeblieben? Ich dachte, du willst ins Quidditchteam!”
Oh. Verdammt. Deshalb war sie ja eigentlich so früh auf dem Platz gewesen. Um das anschließende Auswahltraining ihres Hauses nicht zu verpassen. Zu spät, ganz eindeutig. Das sonst so ebenmäßige Gesicht ihres Bruders war von Wut verzerrt, blanke kalte Wut. Die Geschwister waren sich einander nie sonderlich nah, doch dass sie das Versprechen gebrochen hatte, dem Team beizutreten, ließ selbst Scorpius aus der Haut fahren. Immerhin war sie eine der besten Jägerinnen der letzten Jahre.
“Es tut mir leid”, gab die Jüngere kleinlaut von sich, wie aus weiter Ferne hörte sie ihre eigene Stimme. Es war, als würde sie unter Wasser sein, doch sie wusste nicht, woher dieses Gefühl rührte. Tat es ihr wirklich leid? Oder war sie sogar froh darüber? Oh, ihr Kopf tat so weh.
“Es tut dir leid?!”, echote Scorpius und rückte so nahe an sie heran, dass ihre Nasenspitzen sich fast berührten, während sein Blick sie bedrohlich fixierte, “du bist verdammt nochmal die beste Jägerin, die unser Haus im Moment zu bieten hat und du hast das Auswahltraining saußen lassen! Wir mussten Miranda Fletcher für den Posten einsetzen!”
Einen Augenblick lang entgleisten der Malfoy die Gesichtszüge vor Fassungslosigkeit, ehe sie ein spöttisches Lächeln zeigte: “Oh ich bitte dich, Scorpius. Als ob das so schrecklich wäre. Ihr sabbert ihr doch alle hinterher wie verdurstende Hunde.”
Scorpius’ Augen verengten sich zu Schlitzen und sein Blick wurde so eisig, dass selbst Imogene ein Schauer durchfuhr: “Es sind nicht alle so unterbelichtet wie du denkst, kleines Mädchen. Du bist doch diejenige, die dem jüngeren Potter hinterher sabbert wie sonst etwas, nicht wahr? Und das, wo du doch schon längst verlobt bist.”
Mit einem süffisanten Grinsen richtete sich der Ältere wieder auf und schob die Hände in seine Hosentaschen, mit einem Anflug von Genugtuung registrierte er die verlegen und gleichzeitig erschütterte Miene seiner jüngeren Schwester. Genauso war es ihm vorhin ergangen, als man gefragt hatte, wo seine Schwester abgeblieben war. Geschah ihr recht.
Imogene blinzelte sich Tränen aus dem Augenwinkel und rang um Fassung. Das war nicht fair! Sie konnte schließlich nichts für den Mist mit der Verlobung! Nach einem tiefen Atemzug hatte sie sich wieder beruhigt und war in der Lage, ihm zu antworten: “Wenigstens hüpfe ich nicht von einem Bett zum nächsten.” Damit wandte sie sich von ihm ab und war plötzlich ziemlich froh darüber, nicht mehr dem Quidditchteam anzugehören.
*~*~*
Albus verließ die Dusche und trocknete sich ab, ehe er in bequeme Sportklamotten schlüpfte. Das Auswahlspiel war zu seiner vollen Zufriedenheit abgelaufen und das Team war wirklich gut gewählt. Zumindest eine Sache lief nach Plan. Seit der gehetzten Suche nach Imogene und ihrem plötzlichen Wiederauftauchen, war er ein wenig durcheinander. Nicht nur von der Sache selbst, sondern auch, weil sie sich so verändert hatte. Sie wirkte um einiges reservierter und kühler, erwachsener. Und das machte irgendwie keinen Sinn. Deshalb hatte er sich von ihr distanziert, um sie aus er Ferne zu beobachten und sich irgendwann einen Reim darauf machen zu können. Bisher ohne Erfolg. Stattdessen erwischte der dunkelhaarige Potter sich öfter dabei, sich mit Scorpius zu unterhalten, was schon ein ziemlich seltsamer Umstand war.
Er machte einen kurzen Abstecher in sein Zimmer, um den Besen abzustellen, als ihm ein Gegenstand auf seinem Bett ins Auge fiel. Mit einem Stirnrunzeln trat der Potter näher und erkannte eine kleine silberne Box. Wie kam die denn hier hin? Ein ungutes Gefühl beschlich ihn, doch gleichzeitig wuchs auch die Neugier. Argwöhnisch hob er den Zauberstab und richtete ihn auf die Box, während er sich daneben nieder ließ. Vorausschauend zog er sich Handschuhe über, er hatte noch sehr gut im Gedächtnis, was sein Vater von der verfluchten Halskette erzählt hatte. Vorsichtig schob er den Deckel ab und war fast schon enttäuscht, dass die Box außer einer roten Samtpolsterung leer war. Dann drang eine Melodie an sein Ohr, die anscheinend von der Box ausging, sich aber anhörte, als hätte sie keinen Ursprung. Ehe Al sich versah, hatte die Melodie Besitz von ihm genommen. Sie ergoss sich in schweren, dunklen Wellen über ihn und obwohl es ihm widerstrebte, fühlte er sich außer Stande sich aus ihrem Griff zu entreißen. Er spürte, wie sein Wille immer kleiner wurde und schließlich in den Tiefen seiner selbst versank. Die Musik hörte so abrupt auf, wie sie angefangen hatte und der Potter fühlte sich, als würde er aus einem Traum erwachen. Verwirrt starrte er auf die Box hinab und klappte den Deckel zu. Ein mulmiges Gefühl lag schwer wie Blei in seinem Magen und er musste das Fenster aufreißen, um etwas frische Luft ins Zimmer zu lassen. Langsam erwachte er aus dem tranceähnlichen Zustand. Was hatte er noch gleich wollen? Er sah sich in seinem Zimmer um und zuckte die Schultern. Konnte nicht so wichtig gewesen sein. Sorgsam griff er nach der Box und schob sie unter sein Bett, irgendetwas sagte ihm, dass nur er sie haben sollte und niemand sonst. Es war sein Eigentum.
Wie ferngesteuert verließ er das Zimmer und streifte durch die Flure, auf die Suche nach dieser einen Person. Er wusste nicht, wer es war, doch er wusste, dass er sie erkennen würde, wenn er vor ihr stand.
*~*~*
“Das kann doch nicht dein Ernst sein!”, hallte es von den Wänden wieder und Lily Potter starrte ihrer Freundin Imogene fassungslos ins Gesicht. Die Malfoy zuckte nur die Schultern. Gerade hatte sie der Rothaarigen offenbart, dass sie deses Jahr wohl nicht im Quidditchteam sein würde und auch noch froh darüber war. Für Lily war das etwas absolut Unverständliches, was sie mit ihrer Miene auch noch unterstrich.
“Ich glaube, die Schwärmerei für meinen Bruder hat dir das Hirn weggeschmolzen”, fügte die Potter kopfschüttelnd hinzu, woraufhin die Blondine ein Lachen erklingen ließ.
“Sagt gerade die, die meinem Bruder hinterherläuft. Ernsthaft, Lily. Was findest du an Scorpius? Er ist widerlich und ein Idiot”, fragte Gene ernsthaft interessiert und blätterte die Seite in ihrem Buch um. Einen Moment lang blickte ihre Freundin sie nachdenklich an und fragte sich, seit wann Imogene so anders geworden war. Bis vor wenigen Wochen hatte sie nur gut über andere Menschen geredet und auch in jedem etwas Gutes gefunden.
“Vielleicht stehe ich ja auf widerliche Idioten”, gab die Rothaarige schließlich zur Antwort und sah sich kurz um. Ihr war nicht gerade warm hier draußen und da half ihr auch nicht ihr Umhang drüber hinweg. Aber ihre beste Freundin hatte ja unbedingt hier rausgemusst.
“Dann kannst du mir nur leid tun”, kam es von eben dieser, “außerdem, ein Malfoy und eine Potter? Ich bitte dich, das ist vollkommen unwahrscheinlich.” Damit stach sie nicht nur ihren Bruder und Lils aus, sondern auch Albus und sich selbst. Das waren Dinge, die niemals in Erfüllung gehen würden, ganz unabhängig davon, ob die Beteiligten es wollten oder nicht. Es war wie ein ungeschriebenes Gesetz in der Zaubererwelt und ein Bruch dieses Gesetzes würde zu einem Familienkrieg großem Ausmaßes führen. Da machte selbst die junge Malfoy sich nichts mehr vor. Aber scheinbar war es ja Gang und Gebe sich in den Feind zu verlieben. So wie sie auch von ihrer Schwester wusste, dass sie für einen Weasley Jungen schwärmte.
“Seit wann bist du so pessimistisch?”, fragte Lily argwöhnisch, doch bevor Imogene etwas erwidern konnte, flog direkt neben ihnen ein Felsen in die Luft. Erschrocken wandten sich die Mädchen um und sprangen auf die Beine, als Miranda Fletcher sich ihnen näherte. Das süffisante Grinsen auf ihrem Gesicht wurde nur von dem Spott überdeckt, der aus ihren Augen strahlte: “Da ist ja die kleine Versagerin Malfoy in Begleitung der widerwärtigen Potterbrut. Warst dir wohl zu gut, um beim Auswahltraining anzutreten, was?”
Imogene ballte die Hände zu Fäusten und funkelte Miranda an: “Ist doch gut für dich! So hat sich dein Rumgebumse in der Weltgeschichte ja mal bezahlt gemacht!”
Sowohl Lily als auch Miranda warfen der Blonden einen überraschten Blick zu, doch während Lily anfing zu lachen, zeichnete sich auf dem Gesicht der Fletcher ein Ausdruck von Ärger ab, gepaart mit Hohn: “Ich spiele so gut, da war das nur eine kleine Nebenbeschäftigung. Und Scorpius macht sich übrigens ausgezeichnet im Bett.” Der Seitenhieb traf Lily mehr als Imogene und nun wurde auch sie ziemlich wütend, verbiss sich aber jegliches Kommentar.
“Schön, dass du dich so weit herablassen musst, eine männliche Hure zu vögeln, Fletcher”, gab Gene spöttisch von sich. Die Malfoy fühlte sich irgendwie gut, endlich mal das zurück zu geben, was sie sonst wortlos über sich ergehen ließ. Obwohl es sie gleichzeitig auch wütender machte. Doch, was solte das schon? War doch egal, sie durfte sich auch einmal gehen lassen.
Miranda blieb der Atem weg und Fassungslosigkeit lag in ihrem Blick. Lily und Imogene grinsten triumphierend, was sie aber gleich bereuten. Die ältere Slytherin wurde sich ihrer Machtlosigkeit bewusst, was das Wortgefecht anging und sie zog so schnell ihren Zauberstab, dass die jüngeren Mädchen das gar nicht realisierten. Das spöttische Grinsen kehrte auf Mirandas Gesicht zurück: “Petrificus Totalus!” Unwillkürlich klappten Lily und Imogene zusammen und lagen regungslos auf dem Boden. Rot und Blond vermischten sich mit dem Braun des Bodens und Miranda wandte sich boshaft lachend von ihnen ab: “Das nächste Mal solltet ihr eure Mäuler nicht so weit aufreißen, Kinder.”

Kapitel 9 - You're not here

Kapitel 9 - You're not here

Imogene trat in den Raum ein. Die flackernden Kerzen hüllten alles in eine gruselige Atmosphäre. Gene blickte zurück, da fiel die Tür schon ins Schloss und sie hatte das Gefühl, dass sie hier nicht wieder rauskam. Was es nicht besser machte, aber sie ließ es gleich bleiben.
Die Schatten an der Wand machten der jungen Malfoy Gänsehaut, erinnerten sie an die Monster, vor denen sie eben noch geflohen war.
“Warum bin ich hier? Und wie bin ich hergekommen?”, fragte sie mit zitternder Stimme und blickte starr nach vorne, doch erkennen konnte sie kaum etwas, nur Umrisse. Umrisse, die sehr beunruhigend waren.
“Du musst keine Angst haben, Liebes. Ich will dir nichts Böses”, meinte die Stimme wieder in lockendem Tonfall. Imogene blieb misstrauisch. Aber andererseits, eine andere Wahl hatte sie ohnehin nicht. Raus konnte sie nicht und wenn sie nur rumstand, würde sich auch nichts ändern. Oh hätte sie nur ihren Zauberstab bei sich.
Obwohl sie definitiv Angst hatte, versuchte sie sich davon nichts anmerken zu lassen, kratzte ihren Mut zusammen und schritt nach vorne.
Mit jedem Schritt wurde ihr mulmiger zumute. Das war gar nicht gut, wirklich nicht. Je weiter sie nach vorne lief, desto heißer war es in dem Raum, fast so, als würde sie sich einem Vulkan nähern, die Luft war ebenso erdrückend wie heiß.
Das Herz schlug ihr bis zum Hals und sie hatte erneut das Gefühl, dass ihr Magen sich umdrehte. Durch den Kerzenschein konnte sie nun etwas deutlicher die Gestsalt vor sich sehen, aber das war eindeutig nichts Gutes. Es war eine Frau, das war klar, doch sie war sehr verunstaltet. Ihre linke Gesichtshälfte sah aus, als wäre sie vor einigen Jahren verbrannt. Es wirkte fast so, als würden noch Hautfetzen von ihrer Wange hängen.
Ihr linkes Auge schien aus Glas zu sein, milchig, doch fast durchsichtig. Ihre rechte Gesichtshälfte war von Narben übersät, die von Flüchen stammen könnten. Langes, schwarzes Haar hing in wirren Strähnen über ihre Schultern hinab. Imogene schauderte, war jedoch gleichzeitig wie gebannt von dem Anblick, der sich ihr bot. Es war wie bei einem Autounfall- man wollte nicht hinsehen, aber wegsehen konnte man auch nicht. Unauffällig musterte die Blondine die Gesichtszüge eingehender und kam nicht umhin eine gewisse Ähnlichkeit zu einer Frau festzustellen, die sie auf einem Foto ihrer Großmutter gesehen hatte. Aber das war vollkommen unmöglich. Die Frau war tot.
Mit immer noch schnell schlagendem Herzen erhob Gene nun ihre Stimme wieder: “Wer sind sie? Und..wie bin ich hergekommen?” Obwohl die dunkelhaarige Frau ein Lächeln auf den Lippen trug - zumindest nahm die Malfoy an, dass es ein Lächeln sein sollte- wirkte ihre ganze Miene durch und durch bösartig. Eine ebenso vernarbte Hand klopfte auf den Stuhl neben sich: “Setz dich doch, dann will ich dir erzählen, was du wissen möchtest.” Imogene sah sie kritisch an, schüttelte dann aber entschieden den Kopf.
“Nein, ich bleibe lieber stehen. Danke”, fügte sie höflich hinzu, obgleich sie sich nicht sicher war, ob Höflichkeit überhaupt angebracht war. Aber ihre Erziehung blieb eben selbst in solchen Momenten vorhanden. Das Gesicht der Frau verzog sich zu einer spöttischen Grimasse, doch sie beharrte nicht weiter darauf: “Nun..sei es wie es wolle. Wer ich bin hat dich nicht zu kümmern, Kleine. Auch wie du hergekommen bist, ist unwichtig. Du bist hier, weil ich deine Hilfe benötige.” Imogene löste ihre verschränkten Arme und musterte ihr Gegenüber mit einer Mischung aus Verwirrung und Fassungslosigkeit, doch sie bekam kein Wort über ihre Lippen. Wieso sollte ausgerechnet sie ihr helfen, bei was auch immer? Sie kannte diese Frau nicht und bezweifelte, dass es umgekehrt anders war. Sie wollte hier raus und zurück nach Hogwarts, oder besser noch, aus diesem Alptraum aufwachen. Die Hitze machte ihr zu schaffen, ihr war schwindelig und sie fühlte sich, als würde sie leicht schweben. Vielleicht Nachwirkungen der Medikamente?
“Du zweifelst? Du kennst mich vielleicht nicht, aber ich weiß alles über dich, Kindchen”, unterbrach die rauhe Stimme Imogenes Gedanken, ehe es zu einem irre klingenden Lachen wurde. Die Malfoy wich zurück und stolperte, landete auf dem Boden. Dieser war ebenso heiß und hinterließ gleich Verbrennungen auf ihren Handflächen. Zischend sprang Imogene auf und besah sich ihre Hände. Dunkle Striemen des vergitterten Bodens zeichneten sich auf ihre Haut ab und schmerzten. Ihre stahlblauen Augen wandten sich wieder der Frau vor sich zu: “Ich wüsste nicht, warum ich etwas tun sollte, das ihnen zugute kommt. Sie führen sicherlich nichts Gutes im Schilde!” Es war ganz sicher keine gute Idee, sich so zu verhalten, aber sich dieser Irren gefügig zu machen noch weniger! Trotz der ansteigenden Hitze lief ihr ein eiskalter Schauer über den Rücken, als sich ein Ausdruck auf dem Gesicht der Frau zeigte, der definitiv nichts Gutes verhieß, wenn nicht sogar etwas maßlos Bösartiges.
“Du hast doch gar keine Wahl!”, rief sie aus und streckte ihre Hand aus, eine nicht vernarbte, jedoch sehr knochige Hand. In ihr lag ein Zauberstab, der einem Skelettfinger glich. Voller Furcht weiteten sich Imogenes Augen und sie machte einen Schritt rückwärts.
*~*~*
Atemlos kam Albus wieder am See an. Er hatte sich im Wald umgesehen und musste letztendlich vor einer aufgewühlten Horde Acromantulas fliehen, die ihm glücklicherweise nicht gefolgt waren. Nach Atem ringen ließ er sich auf den Boden fallen und strich sich unruhig durchs Haar. Er hatte keine Spur von Imogene gefunden und hoffte, deren Geschwister hatten mehr Erfolg zu vermelden.Was machte er sich überhaupt solche Sorgen um das Mädchen, das er kaum kannte? Es war immerhin gut möglich, dass es sich hier einfach um einen Streich von Aranea und Scorpius handelte. Andererseits hatte auch deren Sorge echt gewirkt. Im Grunde traute er nichtmal ihnen zu, sich sowas auszudenken.
Das näher kommende Knirschen von Schritten holte ihn aus seinen Überlegungen. Aranea kam auf ihn zu, doch ihre Miene sprach auch nicht grade von einem Erfolg.
“Also hast du auch nichts gefunden”, stellte er fest, ohne dass sie etwas sagen musste. Die Malfoy schüttelte den Kopf: “Sie kann doch nicht vom Erdboden verschluckt worden sein! Und einfach zu verschwinden sieht ihr überhaupt nicht ähnlich.”
Al nickte kurz und starrte schweigend auf die Wasseroberfläche, wo sich ihre Gesichter spiegelten. Wo konnten sie noch nachsehen? Im selben Moment kam ein Memo von Scorpius mit der Frage, ob sie schon was gefunden hatten.
“Wir sollten zu deinem Bruder gehen und uns zusammen überlegen, was wir noch tun sollen”, schlug der Potter vor und erhob sich. Den Zettel schob er in seine Hosentasche und ohne auf eine Antwort der Malfoy zu warten, setzte er sich in Bewegung. Aranea folgte ihm schweigend.
Sie drängten sich vorbei an lärmenden Fünftklässlern, zwei streitenden Slytherins, einem mit sich selbst diskutierendem Mädchen und am Hausmeister, der versuchte das Chaos irgendwie zu regeln. Albus überkam der Wunsch ihm zu helfen und so schickte er Aranea voraus, um dem armen überforderten Hausmeister unter die Arme zu greifen. Dabei griff er ein paar Aussagen auf, die ihn ziemlich verwirrten. Was faselten die da von einem Verschwindekabinett? Das war doch beim Brand vor dreiundzwanzig Jahren verbrannt. Er behielt das erstmal im Hinterkopf und entschied sich, später nochmal genauer nachzuforschen. Jetzt gab es weitaus wichtigere Dinge als irgendwelche Spekulationen.
Der Hausmeister bedankte sich überschwänglich, doch Albus winkte nur ab und sah zu, dass er weiterkam. Bei den Geschwistern angekommen, fand er diese schon in ein Gespräch verwickelt vor, das er dann einfach mal unterbrach: “Ich muss euch etwas erzählen. Eben habe ich gehört, dass das Verschwindekabinett wieder aufgetaucht sein soll. Vielleicht hängt das mit Imogenes Verschwinden zusammen?”
Die beiden Malfoys starrten ihn an wie Autos, ehe Scorpius schon in Gelächter ausbrach. Dann klopfte er Albus auf die Schulter: “Ich weiß ja nicht, was du geraucht hast, aber das Verschwindekabinett gibts schon lange nicht mehr!” Al sah ihn finster an und murmelte etwas von wegen, dass er das auch wüsste.
“Sollen wir nicht noch mal im Krankenflügel nachsehen? Vielleicht war sie ja auch nur kurz draußen und ist wieder zurück gekommen”, unterbrach Aranea das Gespräch, bevor es zu einem Streit eskalierte. Gegen einen solchen hätte sie eigentlich nichts, aber zuerst wollte sie ihre Schwester finden.
Schweigend stimmten ihr die Jungs zu und so gingen sie wieder runter. Dabei hielten sie alle drei Ausschau nach irgendwelchen Anzeichen, aber sinnlos. Als sie den Krankenflügel betraten, erstarrten sie zu Salzsäulen. Da lag Imogene auf dem Bett, doch sie wirkte anders. Ihre Haut hatte einen wächsernen Glanz, ihr Gesicht war auf kranke Weise blass. Aranea stürzte sofort zu ihrer Zwillingsschwester: “Imogene! Bist du okay? Wo warst du?”
Wie in Zeitlupe wandte sich das Gesicht der jüngsten Malfoy ihrer Schwester zu und Nea erschrak über die Ausdruckslosigkeit ihrer Augen. Ein puppenhaftes Lächeln legte sich auf Imogenes Lippen: “Alles okay. War nur müde.”
Scorpius und Albus wechselten einen verwunderten Blick. Irgendetwas musste passiert sein. Irgendetwas stimmte definitiv nicht.

Montag, 18. Februar 2013

Kapitel 8- Lost

Gleich mal zwei Dinge vorweg: Das Kapitel ist sehr kurz, ich hoffe, ihr nehmt mir das nicht übel >.< vielleicht überarbeite ich es irgendwann noch...und das zweite, es geht in eine gänzlich andere Richtung als bisher. Der ein oder andere wird erkennen, wovon ich gerade sehr beeinflusst werde. Es passiert leider auch nicht viel im Kapitel..aber im nächsten dann hoffentlich mehr ;)

________

Dunkelheit. Stille. Kälte. Diese Worte waren wohl die ersten, die einem einfielen, wenn man diesen Raum sah. Ein kleiner, zarter Körper regte sich in der Mitte des Raumes, am Fußboden um genau zu sein.
Imogene zwang ihre Augen sich zu öffnen, doch pochende Kopfschmerzen erschwerten ihr dieses Unterfangen ziemlich. Sie konnte sich nur noch erinnern, dass sie auf die Toilette hatten wollen und plötzlich wurde ihr schwarz vor Augen.
Selbst jetzt, wo sie sich langsam aufrichtete, konnte sie kaum etwas erkennen. Es war fast stockdunkel hier, der Boden unter ihrem Körper war kalt. Die Luft war irgendwie schwer, sie konnte kaum atmen. Ein beklemmendes Gefühl der Angst engte ihre Brust ein. Vorsichtig schob sie sich vorwärts und streckte dabei einen Arm von sich um nicht gegen irgendetwas zu rennen. Irgendwann ertastete sie einen Lichtschalter und drückte ihn. Eine einzelne, nackte Glühbirne baumelte von der Decke und spendete dem Raum flackerndes und spärliches Licht. Es reichte aus, damit Imogene sich etwas umsehen konnte. Verwitterte Wände umschlossen den Raum, teilweise splitterte die Tapete ab. Ein leeres Bettgestell stand an der linken Wand, die Matratze lag weiter hinten gegen die Wand gelehnt. Sie war ziemlich zerfetzt. Das machte der jungen Malfoy gleich noch mehr Angst.  Was war in diesem Zimmer, das so etwas anrichten konnte? Vorsichtig ging sie ein paar Schritte weiter nach vorne und bereute das fast sofort. Hinter dem Bettgestell verbarg sich eine halb verweste Leiche. Übelkeit stieg in dem Mädchen hoch und nur sehr mühsam konnte sie es vermeiden sich zu übergeben.  Hastig entfernte sich von dieser Seite des Raumes und mit rasendem Herzschlag versuchte sie nun wieder, etwas in der Dunkelheit zu erkennen. Als sie mit dem Fuß gegen etwas stieß, unterdrückte sie einen Schrei und schlug sich die Hand auf den Mund.
Sie wagte sich gar nicht so richtig nachzugucken, wogegen sie gestoßen war. Ihre freie Hand schob sie in die Tasche ihres Rockes, doch ihr Zauberstab war nicht da. Natürlich nicht, er lag in ihrem Zimmer, auf ihrem Bett. Und da lag er wirklich gut und vor allem...brauchbar!
Imogene zwang sich, nicht auf den Boden zu blicken und ging weiter. Ein leises, knacksendes Geräusch ließ sie augenblicklich herumfahren.
Doch in dem spärlichen Licht konnte sie natürlich nicht viel erkennen, auch wenn sich ihre Augen allmählich an die Dunkelheit gewöhnten. Halt, da hinten bewegte sich etwas! Direkt neben dem Bett...Imogenes Körper fing plötzlich an zu zittern und sie taumelte zurück, als die Leiche schwankend und mit unförmigen Bewegungen auf sie zuging.
Das konnte doch gar nicht wahr sein! Ein schlechter Traum? Ein Alptraum eigentlich! Sie wich zurück so weit sie konnte.
‘Mach die Augen zu und die Alpträume verschwinden’, der Rat ihrer Großmutter kam ihr wieder in den Sinn und genau diesen befolgte sie, Gene kniff die Augen zusammen und zählte ein paar Sekunden, dann öffnete sie sich wieder. Und schrie auf.
Das Monster war noch immer da. Ganz knapp vor ihr, sie konnte seinen fauligen Atem riechen, doch das war gar nicht mehr nötig dafür, dass ihr schlecht wurde. Das war ihr schon.
Sie wich noch etwas zurück und unterdrückte einen weiteren Aufschrei, als sie gegen eine Wand stieß. War das ihr Ende? Ihr Blick glitt zu beiden Seiten, doch was sie zu sehen bekam, erschreckte sie nur noch mehr. Verkümmerte Tiergestalten, die an weiteren Leichen knabberten, sich gütlich taten. Die Gestalt kam ihr immer näher und sie drückte sich eng an die Wand. Es holte aus und...die Wand gab plötzlich nach und drehte sich nach innen.
Gene blieb die Luft weg, als sie mit Händen und Knien auf dem Boden landete. Eilig warf sie einen Blick zurück, doch die Wand war fest wie zuvor und die Monster konnte sie nicht mehr sehen. Lediglich das Trommeln der Fäuste war zu hören. Wo war die Wand jetzt hin verschwunden? Egal...hauptsache das Monster war weg.
Erleichtert blickte sie nach vorne. Das andere Problem war...jetzt herrschte vollkommene Dunkelheit und sie konnte nichtmal die Hand vor Augen sehen. Was, wenn hier noch mehr solcher komischen Gestalten rumliefen? Sie wusste nicht, wo sie überhaupt war, was das Ganze noch schlimmer machte.
“Albus..Nea, Scorp...wo seid ihr?”, fragte sie flüsternd ins Dunkel hinein. Doch natürlich bekam sie keine Antwort darauf. Es nervte sie, nicht zu wissen wo sie war. Und keinen Zauberstab zu haben war natürlich auch nicht vorteilhaft.
Imogene versuchte angestrengt, etwas in der Finsternis zu erkennen, doch das klappte nicht und Lichtschalter erwartete sie diesmal keinen. Und möglicherweise war es ohne Licht ja besser. Das Monster hatte sie schließlich erst angegriffen, als das Licht an war, nicht wahr? Dann war sie im Dunkeln also erstmal in Sicherheit.
Sie lief weiter, so weit es ging ohne etwas zu sehen. Es verging einige Zeit, bis sie schließlich an eine Weggabelung kam. Das erkannte sie nur daran, dass aus beiden Richtungen ein Luftzug kam. Aber auch aus beiden Richtungen sehr unsympatische Geräusche. Aber zurück konnte sie auch nicht.
Also ging sie in den linken Gang und rannte gleich mal gegen etwas. Scheppernd fiel es zu Boden und Imogene sah sich sofort hektisch um, ob sie jemanden angelockt hatte, bis ihr klar wurde, dass sie das wohl kaum sehen wurde.
Sie ging in die Hocke und tastete ab, was sie umgeworfen hatte. Noch ein Bettgestell. Wenn das nicht seltsam war.
War das hier vielleicht das leere Krankenhaus? Sie hatte von dem verlassenen Gebäude gehört, das unweit von Hogwarts stand, aber nicht in die Hogsmeade Richtung, sondern in die Andere. Es rankten sich die wildesten Gerüchte darum, warum es leer stand. Und Imogene merkte, dass genau die suspektesten wahr waren. Monster. Bei Merlin, wer hätte das ahnen sollen?
Schwer schluckte die Malfoy. Wenn das mit den Monstern stimmte...dann kam sie hier auch nicht mehr raus? Nein, das wollte sie nicht glauben.
Ihre Schritte wurden schneller, als sie sich in den Kopf setzte, einen Ausgang zu finden. Die wenigen Räume, an denen sie vorbeikam, waren ebenfalls nur schwach erleuchtet, aber die Malfoy hatte kein Bedürfnis, diese zu durchsuchen. Ein Blick durch die Fensterscheiben genügte und ihre Vermutung bestätigte sich. Es war das Krankenhaus, es waren Krankenzimmer an denen sie vorbeilief. Und ein OP-Saal, der ihr wieder Übelkeit bereitete, da eine geöffnete Leiche auf dem Tisch lag. Irgendwann fing sie an zu rennen. Einfach nur geradeaus und ohne zurück zu blicken. So weit sie kam. Plötzlich öffnete sich vor ihr eine Tür. Was sie noch etwas zurückweichen ließ. Das war ihr nicht geheuer.
“Komm ruhig rein, liebes Kind”, erklang eine rauhe, aber doch weibliche Stimme aus dem Raum. Imogene trat nach vorne, konnte jedoch nicht viel erkennen. Ein paar Kerzen sorgten für flackerndes und schwaches Licht, doch die Person der Stimme konnte sie nicht ausmachen.

Kapitel 7- Missing

Da ist auch schon das nächste Kapitel. Leider ist es nicht sehr spannend und teilweise kommt es mir sehr verwirrend vor XD vielleicht gefällts euch ja trotzdem :)


Albus schloss die Tür hinter sich und blieb einen Moment lang stehen. Eigentlich war er wirklich verärgert darüber, dass Imogene versucht hatte, ihn und Wendy zu belauschen. Sowas tat man doch nicht und wenn sie wirklich etwas mitbekommen hätte...das wäre sehr schlecht gewesen. Über ihre Worte musste er aber immer noch schmunzeln. ‘Für einen Potter hast du erstaunlich viel mit Slytherins zu tun.’ Sowas konnte auch nur von der kleinen Malfoy kommen. Aber Lily hatte recht, sie war nicht so, wie Scorpius und Aranea. Für seine Schwester war er darüber froh. Doch ihn machte es wirklich neugierig darauf, in wiefern sie sich von ihren Geschwistern unterschied. Nur die wenigsten wussten, dass Albus und Scorpius eine Freundschaft pflegten. Obwohl, Freundschaft war so ein übertriebenes Wort. Sie hatten öfter mal was miteinander zu tun und arbeiteten zusammen. Er musste kurz lachen. Da verbot er seiner Schwester den Umgang mit der harmlosen Imogene und er selbst trieb sich mit Scorpius rum.
Wenn das mal keine Doppelmoral war. Al stieß sich von der Tür ab und machte sich auf den Weg zurück zur Bücherrei.

Diese erreichte er kurze Zeit später und direkt wurde er von Wendy aufgegabelt.
“Da bist du ja. Was hat denn so lange gedauert?”, beschwerte sie sich und zog ihn mit sich zum Tisch, an dem sie vorhin gesessen hatten. Die Bücher und Notizen hatte sie einfach mal flugs mit ihrem Umhang abgedeckt, welchen sie jetzt von den Sachen runternahm.
“Tut mir leid, der Krankenflügel ist nicht grad um die Ecke”, gab Albus ein wenig genervt zurück. Langsam bereute er es, sich mit ihr abzugeben. Warum hatte er nur gesagt, dass er ihr helfen würde? Er konnte einfach nicht nein sagen, wenn ihn ein Mädchen um etwas bat. Seufzend ließ er sich wieder auf seinen Platz fallen und zog das Buch zu sich.
“Warum hast du Malfoy überhaupt hingebracht? Sie kann ja wohl selbst laufen”, bemerkte Wendy grimmig und setzte die Feder wieder aufs Papier. Albus starrte sie einen Moment schweigend an, etwas erstaunt aber auch geschockt darüber, wie intolerant man sein konnte.
“Sie konnte kaum stehen, falls es dir nicht aufgefallen ist”, gab er gereizt zurück und überlegte, ob er nicht einfach seine Sachen nehmen und sich verziehen sollte. Gerade war ihm das nämlich wirklich zu dumm. Wieso musste er sich überhaupt ständig rechtfertigen?
“Es ist Imogene. Sie ist eine gute Schauspielerin”, bemerkte Bullstrode schlicht und beendete damit das Thema. Albus verkniff sich ein genervtes Knurren. Gut, er hatte von Imogene auch keine so gute Meinung, aber trotzdem störte es ihn, dass Wendy sich über sie lustig machte. Doch auch der Schwarzhaarige sagte nichts mehr dazu und setzte einfach seine Arbeit schweigend fort.

Eine Stunde später tauchte Scorpius ebenfalls in der Bibliothek auf und gesellte sich zu Wendy und Albus. Prüfend musterte er die beiden: “Habt ihr soweit alles vorbereitet?”
Beinahe unterwürfig nickte Wendy und schmeichelte sich an Scorp heran: “Wir stehen in der Endphase, viel fehlt nicht mehr.”
Albus kaute an seiner Unterlippe und sah die beiden Slytherins leicht zweifelnd an: “Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist. Das...wir gehen damit sicher zu weit.”
Entgeisterte Blicke trafen ihn und er hatte förmlich das Gefühl zu schrumpfen. Lag das irgendwie im Hause Slytherin mit den durchdringenden Blicken? War ja nicht auszuhalten.
“Wie, das ist keine gute Idee? Das war doch DEIN Vorschlag!”, kam es von Scorpius und er gab seinem Kumpel einen leichten Schlag auf den Hinterkopf, woraufhin dieser leicht zusammenzuckte, ehe er seine Miene mürrisch verzog.
“Ich weiß, dass es mein Vorschlag war. Aber deshalb meine ich auch, dass wir es sein lassen sollten. Mal ehrlich...damit würden wir die halbe Schule gefährden”, nuschelte Albus. Jetzt wo er näher darüber nachdachte, wurde ihm das ganze Ausmaß erst bewusst. Es war einfach viel zu gefährlich.
“Du bist eine Memme, Al”, kicherte Wendy und stand auf, “ich hab noch eine Verabredung. Wir sehen uns später.”
Die Jungs sahen ihr kurz nach und Albus wurde fast augenblicklich entspannter, als die Tür hinter ihr zufiel. Er strich sich durchs schwarze Haar und seufzte: “Warum sind die alle so anstrengend?”
Scorpius grinste: “Was, Frauen? Du musst nur wissen, wie du mit ihnen umgehen musst und alles ist easy.”
Al schnaubte und zuckte die Schultern: “Das bezweifle ich irgendwie. Ich komme einfach nicht klar mit den Weibern.” Das brachte Scorpius zum Grinsen und er lehnte sich mit leicht feixendem Blick nach vorne: “Vielleicht solltest du es ja mal mit Jungs probieren, Potter.”
Kurz herrschte Stille, in der Albus erstmal checken musste, was der Blonde eben gesagt hatte, dann schüttelte er den Kopf: “Du hast echt einen hängen...seh ich aus, als würde ich auf Kerle stehen?”
Der Malfoy schnappte sich den Block, den Wendy hatte liegen lassen und lehnte sich entspannt zurück: “Man sieht es ja nicht gleich jedem an.”
Al schnaubte nur. Offenbar war Scorp ja wirklich scharf drauf, ihn als schwul abzustempeln. Oder war das nur mal wieder eine seiner Macken, mit denen er versuchen wollte, den Potter auf die Palme zu bringen? Da musste er ihn aber enttäuschen, schließlich ließ sich Albus nicht leicht auf die Palme bringen, es sei denn, man hieß Wendy Bullstrode.
Lieber wechselte er das Thema: “Deine Schwester versucht sich anscheinend als Spionin oder so.”
Scorpius wirkte nicht sehr überrascht: “Natürlich, das ist doch Araneas Lieblingsbeschäftigung..lauschen und Gerüchte verbreiten.”
Das brachte den Ravenclaw zum Grinsen. Soso, für Nea war das also nichts Neues, dann musste er sich also vor beiden Schwestern in Acht nehmen.
“Es war aber Imogene”, klärte er sein Gegenüber auf und musterte ihn genau. Die Reaktion wollte er schließlich nicht verpassen. Denn Scorpius schien mehr als überrascht zu sein, seine Augenbrauen wanderten nach oben und einen Moment lang verschlug es ihm die Sprache.
“Das ist sehr interessant. Alte Gepflogenheiten lassen sich eben schwer ablegen”, meinte er letztendlich, als er seine Sprache wiedergefunden hatte. Schon früher hatte Imogene gern andere belauscht, aber nicht wie Aranea, um Gerüchte zu verbreiten sondern weil sie einfach schrecklich neugierig war.
“Besteht deine Familie nur aus Spionen?”, fragte Al halb im Scherz, denn auch er und Scorpius hatten sich mehr oder weniger angefreundet, als Scorp ihn ausspioniert hatte vor ein paar Jahren.
Malfoy zuckte die Schultern: “Vorsicht ist immer besser als Nachsicht. Sie hat doch hoffentlich nichts Wichtiges mitbekommen?” Al schüttelte den Kopf. Gene hätte sicher nicht nachgefragt, wenn sie Zusammenhänge erkannt hätte. Eine Weile saßen sie sich stillschweigend gegenüber, Scorpius die Notizen durchblätternd und Albus in seine Gedanken verstrickt. Lange hielt er diese Stille aber nicht aus und er stand auf: “Wollen wir nicht rausgehen und eine Runde Quidditch spielen oder so? Hier drin wird man ja ganz depressiv.”
Zunächst blickte Scorpius ein wenig irritiert auf, nickte dann aber: “Klar, wieso nicht.”
Sie sammelten die Sachen ein und verließen die Bücherrei, doch da prallten sie schon fast mit einer aufgebrachten Aranea zusammen.
“Pass auf, wo du hinrennst”, grummelte Scorpius seiner Schwester zu, doch diese scherte sich darum nicht, sondern trat mit wütendem Blick auf Albus zu.
“Du! Wegen dir verdammten Idiot ist Imogene verletzt!”, herrschte sie ihn an und tippte ihm mit dem Zeigefinger heftig gegen die Brust.
Al stolperte vor Überraschung einen Schritt rückwärts und blinzelte verdutzt: “Was, wieso wegen mir? Sie ist von selbst hingefallen.”
Scorp blickte zwischen den beiden umher, von verletzt hatte sein Freund kein Wort gesagt. Dass er so gar nicht durchblickte, schmeckte dem Malfoy ganz offensichtlich nicht.
“Ja, aber nur weil du sie erschreckt hast!”, gab Aranea zurück und funkelte ihn wütend an.
“Moooment mal! Was redest du da überhaupt? Sie hat uns belauscht und als ich sie gesehen habe, wollte sie sich verstecken und ist dabei gestolpert, ja? Hat sie das etwa gesagt? Ich war noch so nett sie zum Krankenflügel zu schleppen”, verteidigte Albus sich aufrichtig, er wollte sich doch nicht beschuldigen lassen für etwas, woran er wirklich keine Schuld hatte. Abgesehen davon war Aranea wirklich beängstigend, wenn sie wütend war.
“Das entschuldigt gar nichts”, murrte Nea und setzte zu einer weiteren Schimpftirade an, doch Scorpius unterbrach sie: “Was ist denn jetzt eigentlich das Problem? Passiert doch öfter mal, dass sich jemand wehtut.”
Sie wandte sich ihrem Bruder zu: “DAS werde ich dir sagen. Imogene ist verschwunden! Ich war kurz Sachen aus unserem Zimmer holen und als ich wiederkam, war sie weg! Und ich finde sie nirgends.”
Scorp verstand nicht, warum sie das so aufregte: “Vermutlich hat sie einfach genug von deinen Ausrastern und ist irgendwohin geflüchtet, wo sie Ruhe hat.”
Albus nickte zustimmend, das konnte er sich gut vorstellen. Aber irgendwo machte er sich trotzdem ein kleines bisschen Sorgen. Imogene wirkte irgendwie so, als könnte sie sich nicht verteidigen. Zerbrechlich, das war das Wort, das er suchte.
“Sollen wir dir helfen sie zu suchen?”, bot er Aranea also an. Diese war so perplex über das Angebot, dass sie ihn einfach nur anstarrte. Als hätte er grad angeboten, das ganze Jahr ihre Hausaufgaben zu machen!
“Ja oder nein?”, fragte er also nach, wieder langsam ungeduldig. Aranea zuckte die Schultern: “Wenn du glaubst, dass es hilft, warum nicht.”
Wow, soviel Begeisterung. Aber was erwartete er auch von einer Malfoy, die alles tat um ihrem Vater zu gefallen? Sich von einem Potter helfen zu lassen war dem wohl doch zu entgegengesetzt. Doch diesen Kommentar verkniff er sich. Auch Scorpius stimmte dem zu und so zogen sie zu dritt los.

Eine Stunde später hatten sie das komplette Schloss durchquert und jeden nach Imogene gefragt, der ihnen über den Weg lief. Erfolglos, denn die meisten hatten sie zuletzt beim Frühstück gesehen. Das war allmählich doch besorgniserregend. Niemand verschwand einfach so aus dem Blickfeld.
“Vielleicht ist sie im Raum der Wünsche”, meinte Albus irgendwann überlegend und blickte die Treppe hoch.
“Das könnte sein. Aber wenn es stimmt ist die Chance sie zu finden, noch geringer als ich dachte”, entgegnete Aranea darauf, denn es war fast unmöglich, den richtigen Raum der Wünsche zu finden. Ganz besonders, wenn man nicht gefunden werden wollte. Doch warum sollte Imogene sich derart darauf versteifen, nicht gefunden zu werden? Das ergab irgendwie keinen Sinn.
“Ich schlage vor, einer geht hoch und bezieht Stellung vor dem Raum der Wünsche und die anderen beiden suchen weiter”, meinte Scorpius dann, denn allmählich machte selbst er sich Sorgen um seine Schwester, was schon was heißen sollte, da es ihn sonst recht wenig interessierte, was sie tat.
Albus und Aranea nickten beide, doch keiner meldete sich freiwillig, sodass Scorpius seufzte: “Ich geh schon. Schickt mir ne Memo oder so, wenn ihr sie gefunden habt.” Mit diesen Worten wandte er sich ab und ging die Treppen hoch.
Albus dachte nach, wo konnte sie noch sein? Draußen irgendwo? Sie würde doch nicht in den Wald gegangen sein oder? Das war viel zu gefährlich und Imogene wusste das mit Sicherheit. Am See vielleicht? Aber da hätte man sie sicher gesehen...
“Glaubst du, ihr ist etwas passiert?”, fragte Aranea in flüsterndem Tonfall und zum ersten Mal wirkte sie nicht feindlich sondern einfach nur ehrlich besorgt um ihre Schwester.
“Ihr gehts sicher gut. Immerhin ist sie eine Malfoy, nicht wahr?”, fragte Albus in dem Versuch sie zu trösten zurück.
Daraufhin lächelte Nea wirklich etwas: “Du hast recht. Als erstes bekommt sie Ärger, weil sie sich einfach aus dem Staub gemacht hat. Lass uns weitersuchen. Am besten draußen erstmal.”
Also begaben sie sich nach draußen, wo es von Schülern wimmelte, die noch die letzten Sonnenstrahlen genießen wollten. Unter ihnen auch Wendy, Miranda Fletcher und Adrian Zabini, die am Ufer des Sees saßen und ein paar Zweitklässler ärgerten. Das machte Albus ungehalten und er schritt ohne zu zögern auf die Gruppe zu: “Was macht ihr da? Lasst doch mal die Zweitklässler in Ruhe!”
Alle drei blickten zu ihm und die zwei Jungs nutzten die Gelegenheit und flüchteten. Auf Mirandas Lippen lag ein spöttisches Grinsen: “Sieh mal einer an, Albus ‘ich misch mich in alles ein’ Potter bestattet uns mit einem Besucht.”
Al verengte die Augen und setzte zu einer Erwiderung an, welche er dann aber doch lieber runterschluckte: “Ich sollte euch allen Punkte abziehen. Aber das geht ja nicht, da Slytherin gar keine Punkte mehr hat.”
“Das holen wir schon auf”, meinte Adrian recht großspurig und widmete sich dann wieder seiner Unterhaltung mit Wendy, während Miranda immer noch Albus fixierte. Aranea fiel niemandem auf, da sie sich abseits weiter darum kümmerte, Imogene zu suchen und ein paar Schüler nach ihr fragte.
“Wenn ich das noch einmal sehe, ich schwöre euch, dann gibts so richtig Ärger”, betonte Albus und wandte sich zum Gehen.
“Sei mal locker, Potter. Vielleicht brauchst du ja mal ein bisschen Bettsport, dann bist du nicht mehr so verklemmt”, trällerte Miranda mit einem schiefen Grinsen. Albus zog skeptisch die Augenbrauen hoch, ehe er ihr spöttisch Kontra gab: “Soll das ein Angebot sein? So tief sinke ich sicher nicht.”
Miranda sah ihn entgeistert an, Adrian hingegen grinste. Das musste wohl offenbar mal gesagt werden. Albus machte sich auf eine harsche Antwort gefasst, doch als nach einer Minute noch immer nichts kam, drehte er sich um und ging wirklich.
Manchmal kam ihm doch wirklich die Überzeugung, dass Slytherins hohl waren und zwar allesamt. Obwohl, ein paar kleine Ausnahmen gab es natürlich schon.

Albus schloss wieder zu Aranea auf und warf ihr gleich einen fragenden Blick zu: “Und?”
Die Malfoy schüttelte den Kopf, auch hier hatte sie keine Antwort gefunden. Das war doch wirklich verhext.
“Hat die Krankenschwester sie denn schon behandelt? Sie konnte kaum auftreten, als ich sie hingebracht hab, sie kann also nicht weit gekommen sein, wenn nicht”, wollte Al dann wissen. Aranea nickte: “Doch, sie hat sie schon behandelt, wollte aber, dass sie zur Beobachtung bis zum Abendessen im Krankenflügel bleibt, falls die Medizin nicht so gut wirkt. Und Imogene würde sicher nie dagegen handeln. Das passt einfach nicht zu ihr.”
Albus hörte ihr aufmerksam zu. Den selben Schluss zog er auch, obwohl er Gene kaum kannte. Aber würde das nicht bedeuten, dass wirklich etwas passiert war? Der Gedanke war nicht sehr angenehm. Es war mehr als unangenehm.
“Vielleicht sollten wir zu nem Lehrer”, meinte er überlegend, doch Nea schüttelte sofort den Kopf. Das irritierte Albus. Wollte sie nicht ihre Schwester wiederfinden?
“Das wäre zu übertrieben”, erklärte sie ihre Antwort etwas lächelnd. Da würde man sie doch nur für verrückt halten. Schließlich konnte man gehen wohin man wollte.
“Na gut...dann eben nicht. Aber wenn sie bis zum Abendessen nicht auftaucht...dann gehen wir zu McGonagall”, entgegnete Albus, das war das vernünftigste, was sie tun konnten.
Aranea nickte und sodann machten sie sich wieder auf die Suche...

Sonntag, 17. Februar 2013

Kapitel 6- Neugier

Das Gespräch mit ihrer Großmutter hatte Imogene fast bis in die frühen Morgenstunden wachgehalten. Glücklicherweise war der Tag ein Samstag, also konnte sie ausschlafen. Wenn sie nur schlafen könnte. Ihr Kopf schwirrte von all den Dingen, die sie ihrer Großmutter erzählt hatte.
Die beiden hatten ein fast geschwisterliches Verhältnis zueinander, was Imogene im Laufe des Abends dazu veranlasste, ihr sogar von ihren Gefühlen für Albus zu erzählen. Narcissa war nicht gerade das, was man erfreut nannte, verstand aber auch, dass man sich seine Gefühle nicht aussuchen konnte.
Innerlich hoffte sie ein bisschen, es wäre nur eine Phase, eine Schwärmerei vielleicht. Dracos Entscheidung, Nathanael für seine Tochter auszusuchen, verwunderte sie nicht.
Aber sie fand es auch unverständlich.
Sie hatte Gene versprochen, nochmal mit ihm zu reden.

Viel Hoffnung hatte die Fünfzehnjährige nicht.
Einigermaßen lebendig, aber verdammt müde, hing Imogene am nächsten Morgen am Slytherintisch und rührte in ihrer Müslischale.
Sie war eigentlich zu müde um etwas zu essen. Ihr Blick galt fast unablässig dem Ravenclawtisch, aber Albus konnte sie nicht entdecken. Vielleicht hatte er ja ihre Aufmerksamkeit bemerkt und war genervt davon?
Der Gedanke gefiel ihr gar nicht und ließ sie sich selbst schimpfen. Sie war viel zu aufdringlich.
“Guten Morgen, Gene”, zwitscherte Aranea und setzte sich schwungvoll neben ihre Schwester, “weißt du, was ich heute gehört habe? Sie wollen einen Schulball geben! Nächsten Freitag, sogar mit Prinzenpaarwahl!”
Nea wirkte hellauf begeistert, doch Imogene konnte dem nichts abgewinnen.
“Aha”, sagte sie nur und schob sich einen Löffel Müsli in den Mund. Gene war eben mehr die Quidditchspielerin, an Beliebheitswahlen war sie nicht interessiert.
Aranea plusterte empört die Wangen auf.
“Wie kannst du nur so wenig Interesse zeigen, Schwesterherz? Du bist eine Malfoy, du musst stolz darauf sein und solche Dinge sollten dich sehr wohl interessieren”, belehrte sie ihre jüngere Schwester mahnend.
Imogene brummte: “Ach, sei doch still. Du weißt genau, dass mich das nicht interessiert.”
Aranea schüttelte den Kopf. Sie konnte ihre Schwester wirklich nicht verstehen. Dann aber wurde ihr Lächeln zu einem kleinen gemeinen Grinsen.
“Wenn du den Wettbewerb gewinnst, wird ja Albus vielleicht auf dich aufmerksam”, merkte Aranea an. Imogene musste zugeben, dass es sehr verlockend klang. Aber so schätzte sie ihn nicht ein. Das wäre ja etwas komplett neues, wenn er auch so drauf wäre, wie diese aufmerksamkeitsheischenden Teenager hier.
“Das glaube ich nicht”, sagte sie also ziemlich entschieden und stand auf, “und jetzt entschuldige mich bitte. Ich habe wichtigeres zu tun, als mir Gedanken um solch belanglose Dinge zu machen.”
Sie schenkte ihrer Schwester ein kurzes Lächeln, dann verließ sie den Slytherintisch.
Schnellen Schrittes durchquerte sie die Halle und verließ diese.

Kaum bog sie um die Ecke, als sie auch schon gegen ihren Bruder rannte. Der hatte ihr grade noch gefehlt. Heute schienen es wohl alle auf sie abgesehen zu haben, das konnte doch gar nicht wahr sein.
“Hallo, Scorpi”, begrüßte sie ihn murmelnd und wollte direkt weiterziehen, doch der Ältere griff nach ihrem Handgelenk.
“Stehen geblieben, Imogene”, meinte er etwas ruppig, “wir haben ein Hühnchen zu rupfen!”
Gene versuchte, sich seinem Griff zu entreißen und verzog das Gesicht: “Das tut weh! Lass mich los!”
Das tat er dann auch. Doch dabei hörte er nicht auf, sie finster anzusehen und Gene fragte sich, was er schon wieder für einen Spinner hatte. Denn sie hatte doch gar nichts mehr angestellt, seit ihrer Malerei in seinem Gesicht. Oder ging es um seinen Freund, mit dem sie auf der Feier geknutscht hatte? Ja, das konnte sie sich schon vorstellen.
“Was zum Henker hast du dir dabei gedacht, dich bei der Zeremonie mit Rose und Lily sehen zu lassen? Wie oft muss man dir noch sagen, dass du dich von ihnen fernzuhalten hast?”, zischte Scorpius wütend und funkelte sie aufgebracht an. Imogene seufzte nur über seine veraltete Art. Dass er die selbe Einstellung hatte, wie ihr Großvater und teilweise auch ihr Vater, war doch wirklich traurig. Doch einschüchtern ließ sie sich davon schon ziemlich lange nicht mehr.
“Was ist dein Problem? Sie sind meine Freundinnen...kann dir doch egal sein”, erwiderte die Blondine also nur recht trocken und wollte sich an ihm vorbeidrängen. Warum glaubten alle, sie kontrollieren zu müssen? Es war ihr Leben. Ihre Entscheidungen. Und bei Merlin, es ging niemanden etwas an.
“Es geht um unsere Familie! Du ziehst unseren Namen in den Schmutz! Bedeutet er dir gar nichts mehr?”, fragte er nach, klang aber nicht weniger aggressiv. Doch Imogene wurde jetzt wirklich sauer, sie hasste es, wenn jemand ihre Freudinnen beleidigte. Nur weil sie ihre Freundschaft nicht verstanden, musste sie nicht runtergemacht werden.
“Oh bitte! Was habt ihr alle nur immer mit euren Vorurteilen? Rose und Lily sind zufälligerweise sehr kluge und freundliche Mädchen und auch Albus und James sind schwer in Ordnung! Wühl doch in deinem eigenen Dreck, immerhin läufst du mit der Schulhure durch die Gegend und mit einem Volltrottel!”, fuhr sie ihren Bruder aufgebracht an. Selten gebrauchte die Malfoy solche Ausdrücke, war sie doch eigentlich sehr wohlerzogen. Doch damit brachte er sie wirklich zur Weißglut.
Seine Miene wurde kalt wie Eis, sein Blick drückte Verachtung aus: “Manchmal frage ich mich doch wirklich, warum du dich meine Schwester schreist.”
Imogene schnaubte: “Ich habe darum ja auch gar nicht gebeten. Und jetzt geh mir aus dem Weg, ich habe noch zu tun.” Schlecht gelaunt schob sie Scorpius beiseite und eilte an ihm vorbei. Sie wollte sich nicht anmerken lassen, wie verletztend sie seine Worte empfand. Obwohl sie diese jetzt schon zwei Jahre über sich ergehen ließ änderte sich daran nichts. Die Slytherin konnte auch nicht begreifen, was so tragisch daran war, dass sie toleranter geworden war. Und eben andere Freunde hatte. An Rose und Lily war nichts schlechtes.

Wenig später kam Imogene an der Bücherrei an, was schon verwirrend genug war. Ihre Beine hatten sich wohl selbstständig gemacht, aber so schlimm war das nicht. Hier war es zumindest ruhig. Mit einem Nicken begrüßte sie die Bibliothekarin und ging dann weiter ins Innere. Am besten verkroch sie sich irgendwo in einer Ecke und widmete sich ihren Büchern, bis es Zeit zum Abendessen war oder so. Mit diesem Vorhaben im Kopf wollte sie gerade nach links abbiegen, als sie ein leises Geflüster hörte. Eine der Stimmen gehörte eindeutig Albus, die andere hingegen kannte sie nicht. Eigentlich gehörte es sich zwar nicht, aber neugierig war Imogene schon immer gewesen und immerhin ging es hier um ihren Schwarm. Auf leisen Sohlen schlich sie sich näher an die Stimmen heran und verschwand in der Reihe direkt dahinter. Ebenso lautlos nahm sie ein Buch aus dem Regal, sodass sich ihr ein Blick auf den Tisch dahinter bot. Albus saß einem schwarzhaarigen Mädchen aus Slytherin gegenüber, beide hatten die Köpfe über ein Buch in der Mitte des Tisches gebeugt. Da konnte man ja direkt eifersüchtig werden. Und Gene merkte, dass sie es war, schob es aber nach hinten. Angestrengt versuchte sie, etwas vom Gespräch zu erhaschen, doch mehr als ein paar Fetzen fing sie davon nicht auf.
Unterirdischer Tunnel? Aufträge und Versammlung? Wovon redeten sie da nur? Das ergab doch gar keinen Sinn. Grüblerisch lehnte sie sich etwas zurück, stolperte dabei und landete mit einem lauten Krachen auf dem Boden, nachdem sie sich erstmal an der Holzbank angestoßen hatte. Scharf sog Imogene die Luft ein, der Schmerz war bombastisch, trieb ihr geradezu Tränen in die Augen. Verdammt, warum passte sie nicht einmal auf? Schon kam Albus um die Ecke mit grimmiger Miene, die sich nur ein kleines bisschen erhellte, als er Imogene erkannte.
“Hast du uns etwa belauscht?”, fragte er in recht ruppigem Tonfall und zog das verlegene Mädchen grob auf die Beine. Daraufhin errötete sie noch etwas mehr.
“N..nein, ich hab nur..tut mir leid”, murmelte sie und verzog das Gesicht, als sie auftrat und sich ein ziehender Schmerz über ihr Bein zog, was noch nicht so schlimm war, wie der Schmerz, der in ihrer Hüfte pochte. Da hatte sie sich aber wirklich blöd verletzt.
“Für eine Malfoy hast du verdammt schlechte Manieren. Man lauscht nicht”, wies er sie zurecht, doch Gene meinte, seine Mundwinkel leicht zucken zu sehen. Fand er das Ganze hier etwa lustig? Sie jedenfalls tat es nicht. Aber daran war sie auch selbst schuld.
“Für einen Potter hast du erstaunlich viel mit Slytherins zu schaffen”, gab sie murrend zurück und griff nach ihren Sachen. Heute schien wirklich ein verfluchter Tag zu sein. Ob sie sich besser einfach in ihr Zimmer verziehen sollte?
Albus Blick wanderte zurück zu der Schwarzhaarigen, die Imogene nun als Wendy Bullstrode erkannte, welche mit verschränkten Armen und ungeduldigem Blick neben dem Regal stand.
“Wir sind in einer Klasse, warum sollte ich nichts mit ihr zu tun haben?”, fragte er dann wieder an Imogene gewandt und zuckte die Schultern. Für ihn war da wirklich nichts dahinter. Er wusste auch gar nicht, warum er sich überhaupt vor ihr rechtfertigte.
Gene sagte darauf nichts. Ganz bestimmt wollte sie nicht auch noch mit einer dritten Person streiten, ganz besonders dann nicht, wenn sie eigentlich schuld an der Situation war.
“Schon gut..ich wollte euch nicht belauschen. Ich gehe jetzt besser”, winkte die Blondine ab und setzte auch wirklich dazu an, doch kaum hatte sie einen Schritt gemacht, ging sie wimmernd in die Hocke. Bei Merlin, was hatte sie bitte gemacht, dass ihre Hüfte so wehtat? So stark war sie doch gar nicht gegen die Bank geprallt.
So würde sie ewig brauchen, bis sie in ihrem Zimmer war. Es war zum Haare raufen. Sie hörte ein Seufzen und im nächsten Moment stand Albus vor ihr und ging mit dem Rücken zu ihr in die Hocke: “Na los, steig auf. Ich bringe dich zum Krankenflügel.”
Imogene blinzelte verdutzt und errötete erneut: “W-was? Das..das ist nicht nötig, ich schaff das schon alleine.”
Sie würde sich doch wohl nicht von ihm durch die Gegend tragen lassen?! Wie sah das denn aus? Al warf ihr einen mürrischen Blick zu: “Das will ich sehen.”
Die Malfoy presste die Lippen zusammen und rappelte sich auf, um ihren Weg fortzusetzen, doch auch dieses Mal kam sie nicht weit. Innerlich fluchte sie, während sie versuchte, keinen Ton von sich zu geben.
“Legst du jetzt deinen Stolz ab und lässt dir von mir helfen?”, fragte der Junge ungeduldig, während Wendy sich ein Lachen verkniff.
Das war so demütigend. Aber nicht, weil sie Hilfe brauchte, sondern weil es ausgerechnet Albus war, der sie ganz offenbar Huckepack nehmen wollte.
“Ich bin viel zu schwer”, nuschelte Imogene, trat aber unsicher einen Schritt auf ihn zu. Der Potter musste lachen: “Seh ich etwa so schwach aus? Außerdem bist du bestimmt nicht zu schwer. Jetzt mach schon oder willst du hier Wurzeln schlagen?”
Imogene schüttelte den Kopf und kletterte schließlich auf seinen Rücken, hielt sich zaghaft an seinen Schultern fest. Himmel, er roch so gut. Ihr Herz schlug so schnell, dass ihr davon fast schwindelig wurde, so nah war sie ihm noch nie gewesen! Seltsame Umstände hin oder her, das war es doch wirklich wert.
Albus richtete sich auf und sagte Wendy, dass er dann nochmal zurück kommen würde, ehe er sich auf den Weg zum Krankenflügel machte.
Die meiste Zeit schwiegen sie, aber das war Imogene recht, konzentrieren konnte sie sich eh nicht. Aber es interessierte sie, was in Albus Kopf vorging, er wirkte sehr gedankenverloren. Eigentlich kannte sie ihn kaum, fiel ihr auf, als sie sich diese Frage stellte. Sie würde ihn so gern besser kennen...allein, dass er sich um sie sorgte, obwohl er sauer sein sollte zeigte doch, was für eine tolle Person er war, oder?
“Worüber haben Wendy und du geredet, wenn ich fragen darf?”, fragte die Malfoy ein wenig schüchtern, schließlich wusste er sowieso schon, dass sie gelauscht hatte. Da konnte sie gleich auch nachfragen.
Albus zuckte leicht die Schultern: “Nichts wichtiges.”
Also etwas sehr wichtiges. Und geheimes. Das machte sie gleich noch viel neugieriger! Sie wünschte, sie hätte ein Langziehohr dabei gehabt. Aber nein, sowas schleppte sie selten mit sich rum.
“Verstehe”, gab sie also wenig überzeugt zurück. Aber er hatte ja recht, es ging sie überhaupt nichts an. Sie waren nichtmal befreundet. Vielleicht konnte man das aber ändern? War doch eine gute Möglichkeit dafür jetzt.
Doch viel zu schnell waren sie im Krankenflügel, der bis auf die Krankenschwester leer war. Behutsam ließ Albus das Mädchen auf einem der Betten hinab und legte ihre Tasche neben sie.
“Danke fürs Bringen”, sagte Gene sofort und meinte es auch wirklich ernst. Trotz ihres dummen Verhaltens, ihn davon abhalten zu wollen.
“Kein Problem, alleine wärst du ja morgen noch nicht da gewesen”, gab er zurück und schmunzelte etwas. Sie errötete nur wieder ein wenig, besann sich dann aber nochmal auf ihre Manieren: “Und es tut mir wirklich leid, dass ich gelauscht habe. Ich bin viel zu neugierig.”
Zustimmend nickte Albus: “Das bist du wirklich, aber du hast dich ja gleich selbst dafür gestraft. Pass nur auf, dass dir deine Neugier nicht irgendwann zum Verhängnis wird, kleine Malfoy.”
Mit diesen Worten verließ er das Krankenzimmer und Imogene konnte ihm nur verblüfft hinterherstarren. Was fiel ihm ein? Nannte sie einfach kleine Malfoy..pah!
Trotzdem bekam sie ihr Lächeln nicht aus dem Gesicht. Er hatte mit ihr gesprochen...und sie sogar getragen. Das war mehr als sie je gedacht hatte.