Sonntag, 22. September 2013

Kapitel 9 - You're not here

Kapitel 9 - You're not here

Imogene trat in den Raum ein. Die flackernden Kerzen hüllten alles in eine gruselige Atmosphäre. Gene blickte zurück, da fiel die Tür schon ins Schloss und sie hatte das Gefühl, dass sie hier nicht wieder rauskam. Was es nicht besser machte, aber sie ließ es gleich bleiben.
Die Schatten an der Wand machten der jungen Malfoy Gänsehaut, erinnerten sie an die Monster, vor denen sie eben noch geflohen war.
“Warum bin ich hier? Und wie bin ich hergekommen?”, fragte sie mit zitternder Stimme und blickte starr nach vorne, doch erkennen konnte sie kaum etwas, nur Umrisse. Umrisse, die sehr beunruhigend waren.
“Du musst keine Angst haben, Liebes. Ich will dir nichts Böses”, meinte die Stimme wieder in lockendem Tonfall. Imogene blieb misstrauisch. Aber andererseits, eine andere Wahl hatte sie ohnehin nicht. Raus konnte sie nicht und wenn sie nur rumstand, würde sich auch nichts ändern. Oh hätte sie nur ihren Zauberstab bei sich.
Obwohl sie definitiv Angst hatte, versuchte sie sich davon nichts anmerken zu lassen, kratzte ihren Mut zusammen und schritt nach vorne.
Mit jedem Schritt wurde ihr mulmiger zumute. Das war gar nicht gut, wirklich nicht. Je weiter sie nach vorne lief, desto heißer war es in dem Raum, fast so, als würde sie sich einem Vulkan nähern, die Luft war ebenso erdrückend wie heiß.
Das Herz schlug ihr bis zum Hals und sie hatte erneut das Gefühl, dass ihr Magen sich umdrehte. Durch den Kerzenschein konnte sie nun etwas deutlicher die Gestsalt vor sich sehen, aber das war eindeutig nichts Gutes. Es war eine Frau, das war klar, doch sie war sehr verunstaltet. Ihre linke Gesichtshälfte sah aus, als wäre sie vor einigen Jahren verbrannt. Es wirkte fast so, als würden noch Hautfetzen von ihrer Wange hängen.
Ihr linkes Auge schien aus Glas zu sein, milchig, doch fast durchsichtig. Ihre rechte Gesichtshälfte war von Narben übersät, die von Flüchen stammen könnten. Langes, schwarzes Haar hing in wirren Strähnen über ihre Schultern hinab. Imogene schauderte, war jedoch gleichzeitig wie gebannt von dem Anblick, der sich ihr bot. Es war wie bei einem Autounfall- man wollte nicht hinsehen, aber wegsehen konnte man auch nicht. Unauffällig musterte die Blondine die Gesichtszüge eingehender und kam nicht umhin eine gewisse Ähnlichkeit zu einer Frau festzustellen, die sie auf einem Foto ihrer Großmutter gesehen hatte. Aber das war vollkommen unmöglich. Die Frau war tot.
Mit immer noch schnell schlagendem Herzen erhob Gene nun ihre Stimme wieder: “Wer sind sie? Und..wie bin ich hergekommen?” Obwohl die dunkelhaarige Frau ein Lächeln auf den Lippen trug - zumindest nahm die Malfoy an, dass es ein Lächeln sein sollte- wirkte ihre ganze Miene durch und durch bösartig. Eine ebenso vernarbte Hand klopfte auf den Stuhl neben sich: “Setz dich doch, dann will ich dir erzählen, was du wissen möchtest.” Imogene sah sie kritisch an, schüttelte dann aber entschieden den Kopf.
“Nein, ich bleibe lieber stehen. Danke”, fügte sie höflich hinzu, obgleich sie sich nicht sicher war, ob Höflichkeit überhaupt angebracht war. Aber ihre Erziehung blieb eben selbst in solchen Momenten vorhanden. Das Gesicht der Frau verzog sich zu einer spöttischen Grimasse, doch sie beharrte nicht weiter darauf: “Nun..sei es wie es wolle. Wer ich bin hat dich nicht zu kümmern, Kleine. Auch wie du hergekommen bist, ist unwichtig. Du bist hier, weil ich deine Hilfe benötige.” Imogene löste ihre verschränkten Arme und musterte ihr Gegenüber mit einer Mischung aus Verwirrung und Fassungslosigkeit, doch sie bekam kein Wort über ihre Lippen. Wieso sollte ausgerechnet sie ihr helfen, bei was auch immer? Sie kannte diese Frau nicht und bezweifelte, dass es umgekehrt anders war. Sie wollte hier raus und zurück nach Hogwarts, oder besser noch, aus diesem Alptraum aufwachen. Die Hitze machte ihr zu schaffen, ihr war schwindelig und sie fühlte sich, als würde sie leicht schweben. Vielleicht Nachwirkungen der Medikamente?
“Du zweifelst? Du kennst mich vielleicht nicht, aber ich weiß alles über dich, Kindchen”, unterbrach die rauhe Stimme Imogenes Gedanken, ehe es zu einem irre klingenden Lachen wurde. Die Malfoy wich zurück und stolperte, landete auf dem Boden. Dieser war ebenso heiß und hinterließ gleich Verbrennungen auf ihren Handflächen. Zischend sprang Imogene auf und besah sich ihre Hände. Dunkle Striemen des vergitterten Bodens zeichneten sich auf ihre Haut ab und schmerzten. Ihre stahlblauen Augen wandten sich wieder der Frau vor sich zu: “Ich wüsste nicht, warum ich etwas tun sollte, das ihnen zugute kommt. Sie führen sicherlich nichts Gutes im Schilde!” Es war ganz sicher keine gute Idee, sich so zu verhalten, aber sich dieser Irren gefügig zu machen noch weniger! Trotz der ansteigenden Hitze lief ihr ein eiskalter Schauer über den Rücken, als sich ein Ausdruck auf dem Gesicht der Frau zeigte, der definitiv nichts Gutes verhieß, wenn nicht sogar etwas maßlos Bösartiges.
“Du hast doch gar keine Wahl!”, rief sie aus und streckte ihre Hand aus, eine nicht vernarbte, jedoch sehr knochige Hand. In ihr lag ein Zauberstab, der einem Skelettfinger glich. Voller Furcht weiteten sich Imogenes Augen und sie machte einen Schritt rückwärts.
*~*~*
Atemlos kam Albus wieder am See an. Er hatte sich im Wald umgesehen und musste letztendlich vor einer aufgewühlten Horde Acromantulas fliehen, die ihm glücklicherweise nicht gefolgt waren. Nach Atem ringen ließ er sich auf den Boden fallen und strich sich unruhig durchs Haar. Er hatte keine Spur von Imogene gefunden und hoffte, deren Geschwister hatten mehr Erfolg zu vermelden.Was machte er sich überhaupt solche Sorgen um das Mädchen, das er kaum kannte? Es war immerhin gut möglich, dass es sich hier einfach um einen Streich von Aranea und Scorpius handelte. Andererseits hatte auch deren Sorge echt gewirkt. Im Grunde traute er nichtmal ihnen zu, sich sowas auszudenken.
Das näher kommende Knirschen von Schritten holte ihn aus seinen Überlegungen. Aranea kam auf ihn zu, doch ihre Miene sprach auch nicht grade von einem Erfolg.
“Also hast du auch nichts gefunden”, stellte er fest, ohne dass sie etwas sagen musste. Die Malfoy schüttelte den Kopf: “Sie kann doch nicht vom Erdboden verschluckt worden sein! Und einfach zu verschwinden sieht ihr überhaupt nicht ähnlich.”
Al nickte kurz und starrte schweigend auf die Wasseroberfläche, wo sich ihre Gesichter spiegelten. Wo konnten sie noch nachsehen? Im selben Moment kam ein Memo von Scorpius mit der Frage, ob sie schon was gefunden hatten.
“Wir sollten zu deinem Bruder gehen und uns zusammen überlegen, was wir noch tun sollen”, schlug der Potter vor und erhob sich. Den Zettel schob er in seine Hosentasche und ohne auf eine Antwort der Malfoy zu warten, setzte er sich in Bewegung. Aranea folgte ihm schweigend.
Sie drängten sich vorbei an lärmenden Fünftklässlern, zwei streitenden Slytherins, einem mit sich selbst diskutierendem Mädchen und am Hausmeister, der versuchte das Chaos irgendwie zu regeln. Albus überkam der Wunsch ihm zu helfen und so schickte er Aranea voraus, um dem armen überforderten Hausmeister unter die Arme zu greifen. Dabei griff er ein paar Aussagen auf, die ihn ziemlich verwirrten. Was faselten die da von einem Verschwindekabinett? Das war doch beim Brand vor dreiundzwanzig Jahren verbrannt. Er behielt das erstmal im Hinterkopf und entschied sich, später nochmal genauer nachzuforschen. Jetzt gab es weitaus wichtigere Dinge als irgendwelche Spekulationen.
Der Hausmeister bedankte sich überschwänglich, doch Albus winkte nur ab und sah zu, dass er weiterkam. Bei den Geschwistern angekommen, fand er diese schon in ein Gespräch verwickelt vor, das er dann einfach mal unterbrach: “Ich muss euch etwas erzählen. Eben habe ich gehört, dass das Verschwindekabinett wieder aufgetaucht sein soll. Vielleicht hängt das mit Imogenes Verschwinden zusammen?”
Die beiden Malfoys starrten ihn an wie Autos, ehe Scorpius schon in Gelächter ausbrach. Dann klopfte er Albus auf die Schulter: “Ich weiß ja nicht, was du geraucht hast, aber das Verschwindekabinett gibts schon lange nicht mehr!” Al sah ihn finster an und murmelte etwas von wegen, dass er das auch wüsste.
“Sollen wir nicht noch mal im Krankenflügel nachsehen? Vielleicht war sie ja auch nur kurz draußen und ist wieder zurück gekommen”, unterbrach Aranea das Gespräch, bevor es zu einem Streit eskalierte. Gegen einen solchen hätte sie eigentlich nichts, aber zuerst wollte sie ihre Schwester finden.
Schweigend stimmten ihr die Jungs zu und so gingen sie wieder runter. Dabei hielten sie alle drei Ausschau nach irgendwelchen Anzeichen, aber sinnlos. Als sie den Krankenflügel betraten, erstarrten sie zu Salzsäulen. Da lag Imogene auf dem Bett, doch sie wirkte anders. Ihre Haut hatte einen wächsernen Glanz, ihr Gesicht war auf kranke Weise blass. Aranea stürzte sofort zu ihrer Zwillingsschwester: “Imogene! Bist du okay? Wo warst du?”
Wie in Zeitlupe wandte sich das Gesicht der jüngsten Malfoy ihrer Schwester zu und Nea erschrak über die Ausdruckslosigkeit ihrer Augen. Ein puppenhaftes Lächeln legte sich auf Imogenes Lippen: “Alles okay. War nur müde.”
Scorpius und Albus wechselten einen verwunderten Blick. Irgendetwas musste passiert sein. Irgendetwas stimmte definitiv nicht.

Montag, 18. Februar 2013

Kapitel 8- Lost

Gleich mal zwei Dinge vorweg: Das Kapitel ist sehr kurz, ich hoffe, ihr nehmt mir das nicht übel >.< vielleicht überarbeite ich es irgendwann noch...und das zweite, es geht in eine gänzlich andere Richtung als bisher. Der ein oder andere wird erkennen, wovon ich gerade sehr beeinflusst werde. Es passiert leider auch nicht viel im Kapitel..aber im nächsten dann hoffentlich mehr ;)

________

Dunkelheit. Stille. Kälte. Diese Worte waren wohl die ersten, die einem einfielen, wenn man diesen Raum sah. Ein kleiner, zarter Körper regte sich in der Mitte des Raumes, am Fußboden um genau zu sein.
Imogene zwang ihre Augen sich zu öffnen, doch pochende Kopfschmerzen erschwerten ihr dieses Unterfangen ziemlich. Sie konnte sich nur noch erinnern, dass sie auf die Toilette hatten wollen und plötzlich wurde ihr schwarz vor Augen.
Selbst jetzt, wo sie sich langsam aufrichtete, konnte sie kaum etwas erkennen. Es war fast stockdunkel hier, der Boden unter ihrem Körper war kalt. Die Luft war irgendwie schwer, sie konnte kaum atmen. Ein beklemmendes Gefühl der Angst engte ihre Brust ein. Vorsichtig schob sie sich vorwärts und streckte dabei einen Arm von sich um nicht gegen irgendetwas zu rennen. Irgendwann ertastete sie einen Lichtschalter und drückte ihn. Eine einzelne, nackte Glühbirne baumelte von der Decke und spendete dem Raum flackerndes und spärliches Licht. Es reichte aus, damit Imogene sich etwas umsehen konnte. Verwitterte Wände umschlossen den Raum, teilweise splitterte die Tapete ab. Ein leeres Bettgestell stand an der linken Wand, die Matratze lag weiter hinten gegen die Wand gelehnt. Sie war ziemlich zerfetzt. Das machte der jungen Malfoy gleich noch mehr Angst.  Was war in diesem Zimmer, das so etwas anrichten konnte? Vorsichtig ging sie ein paar Schritte weiter nach vorne und bereute das fast sofort. Hinter dem Bettgestell verbarg sich eine halb verweste Leiche. Übelkeit stieg in dem Mädchen hoch und nur sehr mühsam konnte sie es vermeiden sich zu übergeben.  Hastig entfernte sich von dieser Seite des Raumes und mit rasendem Herzschlag versuchte sie nun wieder, etwas in der Dunkelheit zu erkennen. Als sie mit dem Fuß gegen etwas stieß, unterdrückte sie einen Schrei und schlug sich die Hand auf den Mund.
Sie wagte sich gar nicht so richtig nachzugucken, wogegen sie gestoßen war. Ihre freie Hand schob sie in die Tasche ihres Rockes, doch ihr Zauberstab war nicht da. Natürlich nicht, er lag in ihrem Zimmer, auf ihrem Bett. Und da lag er wirklich gut und vor allem...brauchbar!
Imogene zwang sich, nicht auf den Boden zu blicken und ging weiter. Ein leises, knacksendes Geräusch ließ sie augenblicklich herumfahren.
Doch in dem spärlichen Licht konnte sie natürlich nicht viel erkennen, auch wenn sich ihre Augen allmählich an die Dunkelheit gewöhnten. Halt, da hinten bewegte sich etwas! Direkt neben dem Bett...Imogenes Körper fing plötzlich an zu zittern und sie taumelte zurück, als die Leiche schwankend und mit unförmigen Bewegungen auf sie zuging.
Das konnte doch gar nicht wahr sein! Ein schlechter Traum? Ein Alptraum eigentlich! Sie wich zurück so weit sie konnte.
‘Mach die Augen zu und die Alpträume verschwinden’, der Rat ihrer Großmutter kam ihr wieder in den Sinn und genau diesen befolgte sie, Gene kniff die Augen zusammen und zählte ein paar Sekunden, dann öffnete sie sich wieder. Und schrie auf.
Das Monster war noch immer da. Ganz knapp vor ihr, sie konnte seinen fauligen Atem riechen, doch das war gar nicht mehr nötig dafür, dass ihr schlecht wurde. Das war ihr schon.
Sie wich noch etwas zurück und unterdrückte einen weiteren Aufschrei, als sie gegen eine Wand stieß. War das ihr Ende? Ihr Blick glitt zu beiden Seiten, doch was sie zu sehen bekam, erschreckte sie nur noch mehr. Verkümmerte Tiergestalten, die an weiteren Leichen knabberten, sich gütlich taten. Die Gestalt kam ihr immer näher und sie drückte sich eng an die Wand. Es holte aus und...die Wand gab plötzlich nach und drehte sich nach innen.
Gene blieb die Luft weg, als sie mit Händen und Knien auf dem Boden landete. Eilig warf sie einen Blick zurück, doch die Wand war fest wie zuvor und die Monster konnte sie nicht mehr sehen. Lediglich das Trommeln der Fäuste war zu hören. Wo war die Wand jetzt hin verschwunden? Egal...hauptsache das Monster war weg.
Erleichtert blickte sie nach vorne. Das andere Problem war...jetzt herrschte vollkommene Dunkelheit und sie konnte nichtmal die Hand vor Augen sehen. Was, wenn hier noch mehr solcher komischen Gestalten rumliefen? Sie wusste nicht, wo sie überhaupt war, was das Ganze noch schlimmer machte.
“Albus..Nea, Scorp...wo seid ihr?”, fragte sie flüsternd ins Dunkel hinein. Doch natürlich bekam sie keine Antwort darauf. Es nervte sie, nicht zu wissen wo sie war. Und keinen Zauberstab zu haben war natürlich auch nicht vorteilhaft.
Imogene versuchte angestrengt, etwas in der Finsternis zu erkennen, doch das klappte nicht und Lichtschalter erwartete sie diesmal keinen. Und möglicherweise war es ohne Licht ja besser. Das Monster hatte sie schließlich erst angegriffen, als das Licht an war, nicht wahr? Dann war sie im Dunkeln also erstmal in Sicherheit.
Sie lief weiter, so weit es ging ohne etwas zu sehen. Es verging einige Zeit, bis sie schließlich an eine Weggabelung kam. Das erkannte sie nur daran, dass aus beiden Richtungen ein Luftzug kam. Aber auch aus beiden Richtungen sehr unsympatische Geräusche. Aber zurück konnte sie auch nicht.
Also ging sie in den linken Gang und rannte gleich mal gegen etwas. Scheppernd fiel es zu Boden und Imogene sah sich sofort hektisch um, ob sie jemanden angelockt hatte, bis ihr klar wurde, dass sie das wohl kaum sehen wurde.
Sie ging in die Hocke und tastete ab, was sie umgeworfen hatte. Noch ein Bettgestell. Wenn das nicht seltsam war.
War das hier vielleicht das leere Krankenhaus? Sie hatte von dem verlassenen Gebäude gehört, das unweit von Hogwarts stand, aber nicht in die Hogsmeade Richtung, sondern in die Andere. Es rankten sich die wildesten Gerüchte darum, warum es leer stand. Und Imogene merkte, dass genau die suspektesten wahr waren. Monster. Bei Merlin, wer hätte das ahnen sollen?
Schwer schluckte die Malfoy. Wenn das mit den Monstern stimmte...dann kam sie hier auch nicht mehr raus? Nein, das wollte sie nicht glauben.
Ihre Schritte wurden schneller, als sie sich in den Kopf setzte, einen Ausgang zu finden. Die wenigen Räume, an denen sie vorbeikam, waren ebenfalls nur schwach erleuchtet, aber die Malfoy hatte kein Bedürfnis, diese zu durchsuchen. Ein Blick durch die Fensterscheiben genügte und ihre Vermutung bestätigte sich. Es war das Krankenhaus, es waren Krankenzimmer an denen sie vorbeilief. Und ein OP-Saal, der ihr wieder Übelkeit bereitete, da eine geöffnete Leiche auf dem Tisch lag. Irgendwann fing sie an zu rennen. Einfach nur geradeaus und ohne zurück zu blicken. So weit sie kam. Plötzlich öffnete sich vor ihr eine Tür. Was sie noch etwas zurückweichen ließ. Das war ihr nicht geheuer.
“Komm ruhig rein, liebes Kind”, erklang eine rauhe, aber doch weibliche Stimme aus dem Raum. Imogene trat nach vorne, konnte jedoch nicht viel erkennen. Ein paar Kerzen sorgten für flackerndes und schwaches Licht, doch die Person der Stimme konnte sie nicht ausmachen.

Kapitel 7- Missing

Da ist auch schon das nächste Kapitel. Leider ist es nicht sehr spannend und teilweise kommt es mir sehr verwirrend vor XD vielleicht gefällts euch ja trotzdem :)


Albus schloss die Tür hinter sich und blieb einen Moment lang stehen. Eigentlich war er wirklich verärgert darüber, dass Imogene versucht hatte, ihn und Wendy zu belauschen. Sowas tat man doch nicht und wenn sie wirklich etwas mitbekommen hätte...das wäre sehr schlecht gewesen. Über ihre Worte musste er aber immer noch schmunzeln. ‘Für einen Potter hast du erstaunlich viel mit Slytherins zu tun.’ Sowas konnte auch nur von der kleinen Malfoy kommen. Aber Lily hatte recht, sie war nicht so, wie Scorpius und Aranea. Für seine Schwester war er darüber froh. Doch ihn machte es wirklich neugierig darauf, in wiefern sie sich von ihren Geschwistern unterschied. Nur die wenigsten wussten, dass Albus und Scorpius eine Freundschaft pflegten. Obwohl, Freundschaft war so ein übertriebenes Wort. Sie hatten öfter mal was miteinander zu tun und arbeiteten zusammen. Er musste kurz lachen. Da verbot er seiner Schwester den Umgang mit der harmlosen Imogene und er selbst trieb sich mit Scorpius rum.
Wenn das mal keine Doppelmoral war. Al stieß sich von der Tür ab und machte sich auf den Weg zurück zur Bücherrei.

Diese erreichte er kurze Zeit später und direkt wurde er von Wendy aufgegabelt.
“Da bist du ja. Was hat denn so lange gedauert?”, beschwerte sie sich und zog ihn mit sich zum Tisch, an dem sie vorhin gesessen hatten. Die Bücher und Notizen hatte sie einfach mal flugs mit ihrem Umhang abgedeckt, welchen sie jetzt von den Sachen runternahm.
“Tut mir leid, der Krankenflügel ist nicht grad um die Ecke”, gab Albus ein wenig genervt zurück. Langsam bereute er es, sich mit ihr abzugeben. Warum hatte er nur gesagt, dass er ihr helfen würde? Er konnte einfach nicht nein sagen, wenn ihn ein Mädchen um etwas bat. Seufzend ließ er sich wieder auf seinen Platz fallen und zog das Buch zu sich.
“Warum hast du Malfoy überhaupt hingebracht? Sie kann ja wohl selbst laufen”, bemerkte Wendy grimmig und setzte die Feder wieder aufs Papier. Albus starrte sie einen Moment schweigend an, etwas erstaunt aber auch geschockt darüber, wie intolerant man sein konnte.
“Sie konnte kaum stehen, falls es dir nicht aufgefallen ist”, gab er gereizt zurück und überlegte, ob er nicht einfach seine Sachen nehmen und sich verziehen sollte. Gerade war ihm das nämlich wirklich zu dumm. Wieso musste er sich überhaupt ständig rechtfertigen?
“Es ist Imogene. Sie ist eine gute Schauspielerin”, bemerkte Bullstrode schlicht und beendete damit das Thema. Albus verkniff sich ein genervtes Knurren. Gut, er hatte von Imogene auch keine so gute Meinung, aber trotzdem störte es ihn, dass Wendy sich über sie lustig machte. Doch auch der Schwarzhaarige sagte nichts mehr dazu und setzte einfach seine Arbeit schweigend fort.

Eine Stunde später tauchte Scorpius ebenfalls in der Bibliothek auf und gesellte sich zu Wendy und Albus. Prüfend musterte er die beiden: “Habt ihr soweit alles vorbereitet?”
Beinahe unterwürfig nickte Wendy und schmeichelte sich an Scorp heran: “Wir stehen in der Endphase, viel fehlt nicht mehr.”
Albus kaute an seiner Unterlippe und sah die beiden Slytherins leicht zweifelnd an: “Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist. Das...wir gehen damit sicher zu weit.”
Entgeisterte Blicke trafen ihn und er hatte förmlich das Gefühl zu schrumpfen. Lag das irgendwie im Hause Slytherin mit den durchdringenden Blicken? War ja nicht auszuhalten.
“Wie, das ist keine gute Idee? Das war doch DEIN Vorschlag!”, kam es von Scorpius und er gab seinem Kumpel einen leichten Schlag auf den Hinterkopf, woraufhin dieser leicht zusammenzuckte, ehe er seine Miene mürrisch verzog.
“Ich weiß, dass es mein Vorschlag war. Aber deshalb meine ich auch, dass wir es sein lassen sollten. Mal ehrlich...damit würden wir die halbe Schule gefährden”, nuschelte Albus. Jetzt wo er näher darüber nachdachte, wurde ihm das ganze Ausmaß erst bewusst. Es war einfach viel zu gefährlich.
“Du bist eine Memme, Al”, kicherte Wendy und stand auf, “ich hab noch eine Verabredung. Wir sehen uns später.”
Die Jungs sahen ihr kurz nach und Albus wurde fast augenblicklich entspannter, als die Tür hinter ihr zufiel. Er strich sich durchs schwarze Haar und seufzte: “Warum sind die alle so anstrengend?”
Scorpius grinste: “Was, Frauen? Du musst nur wissen, wie du mit ihnen umgehen musst und alles ist easy.”
Al schnaubte und zuckte die Schultern: “Das bezweifle ich irgendwie. Ich komme einfach nicht klar mit den Weibern.” Das brachte Scorpius zum Grinsen und er lehnte sich mit leicht feixendem Blick nach vorne: “Vielleicht solltest du es ja mal mit Jungs probieren, Potter.”
Kurz herrschte Stille, in der Albus erstmal checken musste, was der Blonde eben gesagt hatte, dann schüttelte er den Kopf: “Du hast echt einen hängen...seh ich aus, als würde ich auf Kerle stehen?”
Der Malfoy schnappte sich den Block, den Wendy hatte liegen lassen und lehnte sich entspannt zurück: “Man sieht es ja nicht gleich jedem an.”
Al schnaubte nur. Offenbar war Scorp ja wirklich scharf drauf, ihn als schwul abzustempeln. Oder war das nur mal wieder eine seiner Macken, mit denen er versuchen wollte, den Potter auf die Palme zu bringen? Da musste er ihn aber enttäuschen, schließlich ließ sich Albus nicht leicht auf die Palme bringen, es sei denn, man hieß Wendy Bullstrode.
Lieber wechselte er das Thema: “Deine Schwester versucht sich anscheinend als Spionin oder so.”
Scorpius wirkte nicht sehr überrascht: “Natürlich, das ist doch Araneas Lieblingsbeschäftigung..lauschen und Gerüchte verbreiten.”
Das brachte den Ravenclaw zum Grinsen. Soso, für Nea war das also nichts Neues, dann musste er sich also vor beiden Schwestern in Acht nehmen.
“Es war aber Imogene”, klärte er sein Gegenüber auf und musterte ihn genau. Die Reaktion wollte er schließlich nicht verpassen. Denn Scorpius schien mehr als überrascht zu sein, seine Augenbrauen wanderten nach oben und einen Moment lang verschlug es ihm die Sprache.
“Das ist sehr interessant. Alte Gepflogenheiten lassen sich eben schwer ablegen”, meinte er letztendlich, als er seine Sprache wiedergefunden hatte. Schon früher hatte Imogene gern andere belauscht, aber nicht wie Aranea, um Gerüchte zu verbreiten sondern weil sie einfach schrecklich neugierig war.
“Besteht deine Familie nur aus Spionen?”, fragte Al halb im Scherz, denn auch er und Scorpius hatten sich mehr oder weniger angefreundet, als Scorp ihn ausspioniert hatte vor ein paar Jahren.
Malfoy zuckte die Schultern: “Vorsicht ist immer besser als Nachsicht. Sie hat doch hoffentlich nichts Wichtiges mitbekommen?” Al schüttelte den Kopf. Gene hätte sicher nicht nachgefragt, wenn sie Zusammenhänge erkannt hätte. Eine Weile saßen sie sich stillschweigend gegenüber, Scorpius die Notizen durchblätternd und Albus in seine Gedanken verstrickt. Lange hielt er diese Stille aber nicht aus und er stand auf: “Wollen wir nicht rausgehen und eine Runde Quidditch spielen oder so? Hier drin wird man ja ganz depressiv.”
Zunächst blickte Scorpius ein wenig irritiert auf, nickte dann aber: “Klar, wieso nicht.”
Sie sammelten die Sachen ein und verließen die Bücherrei, doch da prallten sie schon fast mit einer aufgebrachten Aranea zusammen.
“Pass auf, wo du hinrennst”, grummelte Scorpius seiner Schwester zu, doch diese scherte sich darum nicht, sondern trat mit wütendem Blick auf Albus zu.
“Du! Wegen dir verdammten Idiot ist Imogene verletzt!”, herrschte sie ihn an und tippte ihm mit dem Zeigefinger heftig gegen die Brust.
Al stolperte vor Überraschung einen Schritt rückwärts und blinzelte verdutzt: “Was, wieso wegen mir? Sie ist von selbst hingefallen.”
Scorp blickte zwischen den beiden umher, von verletzt hatte sein Freund kein Wort gesagt. Dass er so gar nicht durchblickte, schmeckte dem Malfoy ganz offensichtlich nicht.
“Ja, aber nur weil du sie erschreckt hast!”, gab Aranea zurück und funkelte ihn wütend an.
“Moooment mal! Was redest du da überhaupt? Sie hat uns belauscht und als ich sie gesehen habe, wollte sie sich verstecken und ist dabei gestolpert, ja? Hat sie das etwa gesagt? Ich war noch so nett sie zum Krankenflügel zu schleppen”, verteidigte Albus sich aufrichtig, er wollte sich doch nicht beschuldigen lassen für etwas, woran er wirklich keine Schuld hatte. Abgesehen davon war Aranea wirklich beängstigend, wenn sie wütend war.
“Das entschuldigt gar nichts”, murrte Nea und setzte zu einer weiteren Schimpftirade an, doch Scorpius unterbrach sie: “Was ist denn jetzt eigentlich das Problem? Passiert doch öfter mal, dass sich jemand wehtut.”
Sie wandte sich ihrem Bruder zu: “DAS werde ich dir sagen. Imogene ist verschwunden! Ich war kurz Sachen aus unserem Zimmer holen und als ich wiederkam, war sie weg! Und ich finde sie nirgends.”
Scorp verstand nicht, warum sie das so aufregte: “Vermutlich hat sie einfach genug von deinen Ausrastern und ist irgendwohin geflüchtet, wo sie Ruhe hat.”
Albus nickte zustimmend, das konnte er sich gut vorstellen. Aber irgendwo machte er sich trotzdem ein kleines bisschen Sorgen. Imogene wirkte irgendwie so, als könnte sie sich nicht verteidigen. Zerbrechlich, das war das Wort, das er suchte.
“Sollen wir dir helfen sie zu suchen?”, bot er Aranea also an. Diese war so perplex über das Angebot, dass sie ihn einfach nur anstarrte. Als hätte er grad angeboten, das ganze Jahr ihre Hausaufgaben zu machen!
“Ja oder nein?”, fragte er also nach, wieder langsam ungeduldig. Aranea zuckte die Schultern: “Wenn du glaubst, dass es hilft, warum nicht.”
Wow, soviel Begeisterung. Aber was erwartete er auch von einer Malfoy, die alles tat um ihrem Vater zu gefallen? Sich von einem Potter helfen zu lassen war dem wohl doch zu entgegengesetzt. Doch diesen Kommentar verkniff er sich. Auch Scorpius stimmte dem zu und so zogen sie zu dritt los.

Eine Stunde später hatten sie das komplette Schloss durchquert und jeden nach Imogene gefragt, der ihnen über den Weg lief. Erfolglos, denn die meisten hatten sie zuletzt beim Frühstück gesehen. Das war allmählich doch besorgniserregend. Niemand verschwand einfach so aus dem Blickfeld.
“Vielleicht ist sie im Raum der Wünsche”, meinte Albus irgendwann überlegend und blickte die Treppe hoch.
“Das könnte sein. Aber wenn es stimmt ist die Chance sie zu finden, noch geringer als ich dachte”, entgegnete Aranea darauf, denn es war fast unmöglich, den richtigen Raum der Wünsche zu finden. Ganz besonders, wenn man nicht gefunden werden wollte. Doch warum sollte Imogene sich derart darauf versteifen, nicht gefunden zu werden? Das ergab irgendwie keinen Sinn.
“Ich schlage vor, einer geht hoch und bezieht Stellung vor dem Raum der Wünsche und die anderen beiden suchen weiter”, meinte Scorpius dann, denn allmählich machte selbst er sich Sorgen um seine Schwester, was schon was heißen sollte, da es ihn sonst recht wenig interessierte, was sie tat.
Albus und Aranea nickten beide, doch keiner meldete sich freiwillig, sodass Scorpius seufzte: “Ich geh schon. Schickt mir ne Memo oder so, wenn ihr sie gefunden habt.” Mit diesen Worten wandte er sich ab und ging die Treppen hoch.
Albus dachte nach, wo konnte sie noch sein? Draußen irgendwo? Sie würde doch nicht in den Wald gegangen sein oder? Das war viel zu gefährlich und Imogene wusste das mit Sicherheit. Am See vielleicht? Aber da hätte man sie sicher gesehen...
“Glaubst du, ihr ist etwas passiert?”, fragte Aranea in flüsterndem Tonfall und zum ersten Mal wirkte sie nicht feindlich sondern einfach nur ehrlich besorgt um ihre Schwester.
“Ihr gehts sicher gut. Immerhin ist sie eine Malfoy, nicht wahr?”, fragte Albus in dem Versuch sie zu trösten zurück.
Daraufhin lächelte Nea wirklich etwas: “Du hast recht. Als erstes bekommt sie Ärger, weil sie sich einfach aus dem Staub gemacht hat. Lass uns weitersuchen. Am besten draußen erstmal.”
Also begaben sie sich nach draußen, wo es von Schülern wimmelte, die noch die letzten Sonnenstrahlen genießen wollten. Unter ihnen auch Wendy, Miranda Fletcher und Adrian Zabini, die am Ufer des Sees saßen und ein paar Zweitklässler ärgerten. Das machte Albus ungehalten und er schritt ohne zu zögern auf die Gruppe zu: “Was macht ihr da? Lasst doch mal die Zweitklässler in Ruhe!”
Alle drei blickten zu ihm und die zwei Jungs nutzten die Gelegenheit und flüchteten. Auf Mirandas Lippen lag ein spöttisches Grinsen: “Sieh mal einer an, Albus ‘ich misch mich in alles ein’ Potter bestattet uns mit einem Besucht.”
Al verengte die Augen und setzte zu einer Erwiderung an, welche er dann aber doch lieber runterschluckte: “Ich sollte euch allen Punkte abziehen. Aber das geht ja nicht, da Slytherin gar keine Punkte mehr hat.”
“Das holen wir schon auf”, meinte Adrian recht großspurig und widmete sich dann wieder seiner Unterhaltung mit Wendy, während Miranda immer noch Albus fixierte. Aranea fiel niemandem auf, da sie sich abseits weiter darum kümmerte, Imogene zu suchen und ein paar Schüler nach ihr fragte.
“Wenn ich das noch einmal sehe, ich schwöre euch, dann gibts so richtig Ärger”, betonte Albus und wandte sich zum Gehen.
“Sei mal locker, Potter. Vielleicht brauchst du ja mal ein bisschen Bettsport, dann bist du nicht mehr so verklemmt”, trällerte Miranda mit einem schiefen Grinsen. Albus zog skeptisch die Augenbrauen hoch, ehe er ihr spöttisch Kontra gab: “Soll das ein Angebot sein? So tief sinke ich sicher nicht.”
Miranda sah ihn entgeistert an, Adrian hingegen grinste. Das musste wohl offenbar mal gesagt werden. Albus machte sich auf eine harsche Antwort gefasst, doch als nach einer Minute noch immer nichts kam, drehte er sich um und ging wirklich.
Manchmal kam ihm doch wirklich die Überzeugung, dass Slytherins hohl waren und zwar allesamt. Obwohl, ein paar kleine Ausnahmen gab es natürlich schon.

Albus schloss wieder zu Aranea auf und warf ihr gleich einen fragenden Blick zu: “Und?”
Die Malfoy schüttelte den Kopf, auch hier hatte sie keine Antwort gefunden. Das war doch wirklich verhext.
“Hat die Krankenschwester sie denn schon behandelt? Sie konnte kaum auftreten, als ich sie hingebracht hab, sie kann also nicht weit gekommen sein, wenn nicht”, wollte Al dann wissen. Aranea nickte: “Doch, sie hat sie schon behandelt, wollte aber, dass sie zur Beobachtung bis zum Abendessen im Krankenflügel bleibt, falls die Medizin nicht so gut wirkt. Und Imogene würde sicher nie dagegen handeln. Das passt einfach nicht zu ihr.”
Albus hörte ihr aufmerksam zu. Den selben Schluss zog er auch, obwohl er Gene kaum kannte. Aber würde das nicht bedeuten, dass wirklich etwas passiert war? Der Gedanke war nicht sehr angenehm. Es war mehr als unangenehm.
“Vielleicht sollten wir zu nem Lehrer”, meinte er überlegend, doch Nea schüttelte sofort den Kopf. Das irritierte Albus. Wollte sie nicht ihre Schwester wiederfinden?
“Das wäre zu übertrieben”, erklärte sie ihre Antwort etwas lächelnd. Da würde man sie doch nur für verrückt halten. Schließlich konnte man gehen wohin man wollte.
“Na gut...dann eben nicht. Aber wenn sie bis zum Abendessen nicht auftaucht...dann gehen wir zu McGonagall”, entgegnete Albus, das war das vernünftigste, was sie tun konnten.
Aranea nickte und sodann machten sie sich wieder auf die Suche...

Sonntag, 17. Februar 2013

Kapitel 6- Neugier

Das Gespräch mit ihrer Großmutter hatte Imogene fast bis in die frühen Morgenstunden wachgehalten. Glücklicherweise war der Tag ein Samstag, also konnte sie ausschlafen. Wenn sie nur schlafen könnte. Ihr Kopf schwirrte von all den Dingen, die sie ihrer Großmutter erzählt hatte.
Die beiden hatten ein fast geschwisterliches Verhältnis zueinander, was Imogene im Laufe des Abends dazu veranlasste, ihr sogar von ihren Gefühlen für Albus zu erzählen. Narcissa war nicht gerade das, was man erfreut nannte, verstand aber auch, dass man sich seine Gefühle nicht aussuchen konnte.
Innerlich hoffte sie ein bisschen, es wäre nur eine Phase, eine Schwärmerei vielleicht. Dracos Entscheidung, Nathanael für seine Tochter auszusuchen, verwunderte sie nicht.
Aber sie fand es auch unverständlich.
Sie hatte Gene versprochen, nochmal mit ihm zu reden.

Viel Hoffnung hatte die Fünfzehnjährige nicht.
Einigermaßen lebendig, aber verdammt müde, hing Imogene am nächsten Morgen am Slytherintisch und rührte in ihrer Müslischale.
Sie war eigentlich zu müde um etwas zu essen. Ihr Blick galt fast unablässig dem Ravenclawtisch, aber Albus konnte sie nicht entdecken. Vielleicht hatte er ja ihre Aufmerksamkeit bemerkt und war genervt davon?
Der Gedanke gefiel ihr gar nicht und ließ sie sich selbst schimpfen. Sie war viel zu aufdringlich.
“Guten Morgen, Gene”, zwitscherte Aranea und setzte sich schwungvoll neben ihre Schwester, “weißt du, was ich heute gehört habe? Sie wollen einen Schulball geben! Nächsten Freitag, sogar mit Prinzenpaarwahl!”
Nea wirkte hellauf begeistert, doch Imogene konnte dem nichts abgewinnen.
“Aha”, sagte sie nur und schob sich einen Löffel Müsli in den Mund. Gene war eben mehr die Quidditchspielerin, an Beliebheitswahlen war sie nicht interessiert.
Aranea plusterte empört die Wangen auf.
“Wie kannst du nur so wenig Interesse zeigen, Schwesterherz? Du bist eine Malfoy, du musst stolz darauf sein und solche Dinge sollten dich sehr wohl interessieren”, belehrte sie ihre jüngere Schwester mahnend.
Imogene brummte: “Ach, sei doch still. Du weißt genau, dass mich das nicht interessiert.”
Aranea schüttelte den Kopf. Sie konnte ihre Schwester wirklich nicht verstehen. Dann aber wurde ihr Lächeln zu einem kleinen gemeinen Grinsen.
“Wenn du den Wettbewerb gewinnst, wird ja Albus vielleicht auf dich aufmerksam”, merkte Aranea an. Imogene musste zugeben, dass es sehr verlockend klang. Aber so schätzte sie ihn nicht ein. Das wäre ja etwas komplett neues, wenn er auch so drauf wäre, wie diese aufmerksamkeitsheischenden Teenager hier.
“Das glaube ich nicht”, sagte sie also ziemlich entschieden und stand auf, “und jetzt entschuldige mich bitte. Ich habe wichtigeres zu tun, als mir Gedanken um solch belanglose Dinge zu machen.”
Sie schenkte ihrer Schwester ein kurzes Lächeln, dann verließ sie den Slytherintisch.
Schnellen Schrittes durchquerte sie die Halle und verließ diese.

Kaum bog sie um die Ecke, als sie auch schon gegen ihren Bruder rannte. Der hatte ihr grade noch gefehlt. Heute schienen es wohl alle auf sie abgesehen zu haben, das konnte doch gar nicht wahr sein.
“Hallo, Scorpi”, begrüßte sie ihn murmelnd und wollte direkt weiterziehen, doch der Ältere griff nach ihrem Handgelenk.
“Stehen geblieben, Imogene”, meinte er etwas ruppig, “wir haben ein Hühnchen zu rupfen!”
Gene versuchte, sich seinem Griff zu entreißen und verzog das Gesicht: “Das tut weh! Lass mich los!”
Das tat er dann auch. Doch dabei hörte er nicht auf, sie finster anzusehen und Gene fragte sich, was er schon wieder für einen Spinner hatte. Denn sie hatte doch gar nichts mehr angestellt, seit ihrer Malerei in seinem Gesicht. Oder ging es um seinen Freund, mit dem sie auf der Feier geknutscht hatte? Ja, das konnte sie sich schon vorstellen.
“Was zum Henker hast du dir dabei gedacht, dich bei der Zeremonie mit Rose und Lily sehen zu lassen? Wie oft muss man dir noch sagen, dass du dich von ihnen fernzuhalten hast?”, zischte Scorpius wütend und funkelte sie aufgebracht an. Imogene seufzte nur über seine veraltete Art. Dass er die selbe Einstellung hatte, wie ihr Großvater und teilweise auch ihr Vater, war doch wirklich traurig. Doch einschüchtern ließ sie sich davon schon ziemlich lange nicht mehr.
“Was ist dein Problem? Sie sind meine Freundinnen...kann dir doch egal sein”, erwiderte die Blondine also nur recht trocken und wollte sich an ihm vorbeidrängen. Warum glaubten alle, sie kontrollieren zu müssen? Es war ihr Leben. Ihre Entscheidungen. Und bei Merlin, es ging niemanden etwas an.
“Es geht um unsere Familie! Du ziehst unseren Namen in den Schmutz! Bedeutet er dir gar nichts mehr?”, fragte er nach, klang aber nicht weniger aggressiv. Doch Imogene wurde jetzt wirklich sauer, sie hasste es, wenn jemand ihre Freudinnen beleidigte. Nur weil sie ihre Freundschaft nicht verstanden, musste sie nicht runtergemacht werden.
“Oh bitte! Was habt ihr alle nur immer mit euren Vorurteilen? Rose und Lily sind zufälligerweise sehr kluge und freundliche Mädchen und auch Albus und James sind schwer in Ordnung! Wühl doch in deinem eigenen Dreck, immerhin läufst du mit der Schulhure durch die Gegend und mit einem Volltrottel!”, fuhr sie ihren Bruder aufgebracht an. Selten gebrauchte die Malfoy solche Ausdrücke, war sie doch eigentlich sehr wohlerzogen. Doch damit brachte er sie wirklich zur Weißglut.
Seine Miene wurde kalt wie Eis, sein Blick drückte Verachtung aus: “Manchmal frage ich mich doch wirklich, warum du dich meine Schwester schreist.”
Imogene schnaubte: “Ich habe darum ja auch gar nicht gebeten. Und jetzt geh mir aus dem Weg, ich habe noch zu tun.” Schlecht gelaunt schob sie Scorpius beiseite und eilte an ihm vorbei. Sie wollte sich nicht anmerken lassen, wie verletztend sie seine Worte empfand. Obwohl sie diese jetzt schon zwei Jahre über sich ergehen ließ änderte sich daran nichts. Die Slytherin konnte auch nicht begreifen, was so tragisch daran war, dass sie toleranter geworden war. Und eben andere Freunde hatte. An Rose und Lily war nichts schlechtes.

Wenig später kam Imogene an der Bücherrei an, was schon verwirrend genug war. Ihre Beine hatten sich wohl selbstständig gemacht, aber so schlimm war das nicht. Hier war es zumindest ruhig. Mit einem Nicken begrüßte sie die Bibliothekarin und ging dann weiter ins Innere. Am besten verkroch sie sich irgendwo in einer Ecke und widmete sich ihren Büchern, bis es Zeit zum Abendessen war oder so. Mit diesem Vorhaben im Kopf wollte sie gerade nach links abbiegen, als sie ein leises Geflüster hörte. Eine der Stimmen gehörte eindeutig Albus, die andere hingegen kannte sie nicht. Eigentlich gehörte es sich zwar nicht, aber neugierig war Imogene schon immer gewesen und immerhin ging es hier um ihren Schwarm. Auf leisen Sohlen schlich sie sich näher an die Stimmen heran und verschwand in der Reihe direkt dahinter. Ebenso lautlos nahm sie ein Buch aus dem Regal, sodass sich ihr ein Blick auf den Tisch dahinter bot. Albus saß einem schwarzhaarigen Mädchen aus Slytherin gegenüber, beide hatten die Köpfe über ein Buch in der Mitte des Tisches gebeugt. Da konnte man ja direkt eifersüchtig werden. Und Gene merkte, dass sie es war, schob es aber nach hinten. Angestrengt versuchte sie, etwas vom Gespräch zu erhaschen, doch mehr als ein paar Fetzen fing sie davon nicht auf.
Unterirdischer Tunnel? Aufträge und Versammlung? Wovon redeten sie da nur? Das ergab doch gar keinen Sinn. Grüblerisch lehnte sie sich etwas zurück, stolperte dabei und landete mit einem lauten Krachen auf dem Boden, nachdem sie sich erstmal an der Holzbank angestoßen hatte. Scharf sog Imogene die Luft ein, der Schmerz war bombastisch, trieb ihr geradezu Tränen in die Augen. Verdammt, warum passte sie nicht einmal auf? Schon kam Albus um die Ecke mit grimmiger Miene, die sich nur ein kleines bisschen erhellte, als er Imogene erkannte.
“Hast du uns etwa belauscht?”, fragte er in recht ruppigem Tonfall und zog das verlegene Mädchen grob auf die Beine. Daraufhin errötete sie noch etwas mehr.
“N..nein, ich hab nur..tut mir leid”, murmelte sie und verzog das Gesicht, als sie auftrat und sich ein ziehender Schmerz über ihr Bein zog, was noch nicht so schlimm war, wie der Schmerz, der in ihrer Hüfte pochte. Da hatte sie sich aber wirklich blöd verletzt.
“Für eine Malfoy hast du verdammt schlechte Manieren. Man lauscht nicht”, wies er sie zurecht, doch Gene meinte, seine Mundwinkel leicht zucken zu sehen. Fand er das Ganze hier etwa lustig? Sie jedenfalls tat es nicht. Aber daran war sie auch selbst schuld.
“Für einen Potter hast du erstaunlich viel mit Slytherins zu schaffen”, gab sie murrend zurück und griff nach ihren Sachen. Heute schien wirklich ein verfluchter Tag zu sein. Ob sie sich besser einfach in ihr Zimmer verziehen sollte?
Albus Blick wanderte zurück zu der Schwarzhaarigen, die Imogene nun als Wendy Bullstrode erkannte, welche mit verschränkten Armen und ungeduldigem Blick neben dem Regal stand.
“Wir sind in einer Klasse, warum sollte ich nichts mit ihr zu tun haben?”, fragte er dann wieder an Imogene gewandt und zuckte die Schultern. Für ihn war da wirklich nichts dahinter. Er wusste auch gar nicht, warum er sich überhaupt vor ihr rechtfertigte.
Gene sagte darauf nichts. Ganz bestimmt wollte sie nicht auch noch mit einer dritten Person streiten, ganz besonders dann nicht, wenn sie eigentlich schuld an der Situation war.
“Schon gut..ich wollte euch nicht belauschen. Ich gehe jetzt besser”, winkte die Blondine ab und setzte auch wirklich dazu an, doch kaum hatte sie einen Schritt gemacht, ging sie wimmernd in die Hocke. Bei Merlin, was hatte sie bitte gemacht, dass ihre Hüfte so wehtat? So stark war sie doch gar nicht gegen die Bank geprallt.
So würde sie ewig brauchen, bis sie in ihrem Zimmer war. Es war zum Haare raufen. Sie hörte ein Seufzen und im nächsten Moment stand Albus vor ihr und ging mit dem Rücken zu ihr in die Hocke: “Na los, steig auf. Ich bringe dich zum Krankenflügel.”
Imogene blinzelte verdutzt und errötete erneut: “W-was? Das..das ist nicht nötig, ich schaff das schon alleine.”
Sie würde sich doch wohl nicht von ihm durch die Gegend tragen lassen?! Wie sah das denn aus? Al warf ihr einen mürrischen Blick zu: “Das will ich sehen.”
Die Malfoy presste die Lippen zusammen und rappelte sich auf, um ihren Weg fortzusetzen, doch auch dieses Mal kam sie nicht weit. Innerlich fluchte sie, während sie versuchte, keinen Ton von sich zu geben.
“Legst du jetzt deinen Stolz ab und lässt dir von mir helfen?”, fragte der Junge ungeduldig, während Wendy sich ein Lachen verkniff.
Das war so demütigend. Aber nicht, weil sie Hilfe brauchte, sondern weil es ausgerechnet Albus war, der sie ganz offenbar Huckepack nehmen wollte.
“Ich bin viel zu schwer”, nuschelte Imogene, trat aber unsicher einen Schritt auf ihn zu. Der Potter musste lachen: “Seh ich etwa so schwach aus? Außerdem bist du bestimmt nicht zu schwer. Jetzt mach schon oder willst du hier Wurzeln schlagen?”
Imogene schüttelte den Kopf und kletterte schließlich auf seinen Rücken, hielt sich zaghaft an seinen Schultern fest. Himmel, er roch so gut. Ihr Herz schlug so schnell, dass ihr davon fast schwindelig wurde, so nah war sie ihm noch nie gewesen! Seltsame Umstände hin oder her, das war es doch wirklich wert.
Albus richtete sich auf und sagte Wendy, dass er dann nochmal zurück kommen würde, ehe er sich auf den Weg zum Krankenflügel machte.
Die meiste Zeit schwiegen sie, aber das war Imogene recht, konzentrieren konnte sie sich eh nicht. Aber es interessierte sie, was in Albus Kopf vorging, er wirkte sehr gedankenverloren. Eigentlich kannte sie ihn kaum, fiel ihr auf, als sie sich diese Frage stellte. Sie würde ihn so gern besser kennen...allein, dass er sich um sie sorgte, obwohl er sauer sein sollte zeigte doch, was für eine tolle Person er war, oder?
“Worüber haben Wendy und du geredet, wenn ich fragen darf?”, fragte die Malfoy ein wenig schüchtern, schließlich wusste er sowieso schon, dass sie gelauscht hatte. Da konnte sie gleich auch nachfragen.
Albus zuckte leicht die Schultern: “Nichts wichtiges.”
Also etwas sehr wichtiges. Und geheimes. Das machte sie gleich noch viel neugieriger! Sie wünschte, sie hätte ein Langziehohr dabei gehabt. Aber nein, sowas schleppte sie selten mit sich rum.
“Verstehe”, gab sie also wenig überzeugt zurück. Aber er hatte ja recht, es ging sie überhaupt nichts an. Sie waren nichtmal befreundet. Vielleicht konnte man das aber ändern? War doch eine gute Möglichkeit dafür jetzt.
Doch viel zu schnell waren sie im Krankenflügel, der bis auf die Krankenschwester leer war. Behutsam ließ Albus das Mädchen auf einem der Betten hinab und legte ihre Tasche neben sie.
“Danke fürs Bringen”, sagte Gene sofort und meinte es auch wirklich ernst. Trotz ihres dummen Verhaltens, ihn davon abhalten zu wollen.
“Kein Problem, alleine wärst du ja morgen noch nicht da gewesen”, gab er zurück und schmunzelte etwas. Sie errötete nur wieder ein wenig, besann sich dann aber nochmal auf ihre Manieren: “Und es tut mir wirklich leid, dass ich gelauscht habe. Ich bin viel zu neugierig.”
Zustimmend nickte Albus: “Das bist du wirklich, aber du hast dich ja gleich selbst dafür gestraft. Pass nur auf, dass dir deine Neugier nicht irgendwann zum Verhängnis wird, kleine Malfoy.”
Mit diesen Worten verließ er das Krankenzimmer und Imogene konnte ihm nur verblüfft hinterherstarren. Was fiel ihm ein? Nannte sie einfach kleine Malfoy..pah!
Trotzdem bekam sie ihr Lächeln nicht aus dem Gesicht. Er hatte mit ihr gesprochen...und sie sogar getragen. Das war mehr als sie je gedacht hatte.

Freitag, 20. Juli 2012

Kapitel 5- Surprise, Surprise


Dieses Kapitel widme ich "MissCissy", die mir in kurzer Zeit eine tolle Freundin und Inspiration geworden ist und mich dazu antreibt, die Story weiterzuschreiben und mir mit Ideen auf die Sprünge hilft...hab dich lieb :*

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Die Halle war schon ziemlich voll, als die Malfoys diese betraten. Scorp war natürlich schon da, ganz in Vertrauensschülermanier.
Er genoss die Macht, die dieser Titel mit sich brachte. Deshalb achtete er stets darauf, sich in Gegenwart der Lehrer zu benehmen.
Miranda und Adrian waren an seiner Seite wie Wachhunde. Alle drei hatten ihre ganz eigene Macht, die andere Schüler einschüchterte.
Imogene schüttelte darüber nur den Kopf.
Scorpius war doch nur in der Gruppe so stark. allein war er sogar ziemlich feige.
“Aranea! Hier sind wir!”, drang die schrille Stimme von Lucy Weasley zu den Zwillingen durch. Ja, die schwarzhaarige Weasley war in Araneas Clique- und in Slytherin.
Ebenso wie die anderen vier Mädchen, die neben ihr saßen.
“Meine Süßen”, begrüßte Nea die Mädels überschwänglich. Küsschen links, Küsschen rechts, eine Umarmung, bei der man sich kaum berührt.
Noch etwas, worüber Gene nur den Kopf schüttelte. Dieses grauenvolle Schicki-Micki Getue ging ihr auf die Nerven.
Obwohl sie gegen die Clique ansich nichts hatte, also lächelte sie einfach zur Begrüßung.
Auch hier gehörte sie nicht richtig dazu, aber ausgeschlossen wurde sie auch nicht.
Sie war einfach nur...da.
Mit halbem Ohr hörte sie zu, wie alle von ihren Ferien redeten.
In denen hatte Gene außer der Party nicht viel erlebt. Sie war zwar selbst schuld, aber so hatte sie eben nichts zu erzählen. Umso angestrengter lauschte sie, ob ein Wort von der Party fiel.
Dabei hielt sie Ausschau nach Albus, der sich offenbar angeregt mit Lily unterhielt.
Ein wenig neidisch war sie schon auf Lily. Diese konnte immer mit Albus zusammen sein.
“Also, was sagst du dazu, Gene?”, richtete sich Lucy an die Malfoy.
Verdutzt sah diese die Schwarzhaarige an:”Bitte? ich hab nicht zugehört, sorry.”
Lucy folgte ihrem Blick und grinste: “Soso, mein Cousin hat es dir also angetan..”
“So ein Unsinn!”, entgegnete Gene unwirsch und fast schon panisch.
Das durfte auf keinen Fall zu Scorp durchdringen!
“Ich hab nur durch die Halle geblickt auf der Suche nach...ähm..”
Lucy und auch Aranea lachten: “Du bist so eine miese Lügnerin, Gene!”
Imogene errötete und starrte auf den Tisch: “Denkt doch, was ihr wollt.”
“Tun wir sowieso”, meinte die Weasley vergnügt und sah wieder zu ihrem Cousin. Das würde ein interessantes Jahr werden.
Die restliche Unterhaltung drehte sich dann wieder um irgendwelchen Klatsch & Tratsch.

“Das hätte ich nie gedacht. Eine Malfoy, die nett sein kann”, murmelte Albus immer noch verdutzt.
“Siehst du mal. Man sollte nicht immer nur nach dem Namen gehen. Das sind Vorurteile”, gab Lily belehrend zurück.
Al verzog kurz das Gesicht und linste zum Slytherintisch, wo besagtes Mädchen neben Aranea saß.
“Sieht aber nicht so aus, als würde man sie deshalb gemein behandeln”, sagte der Ravenclaw und sah wieder zu seiner Schwester.
“Aranea ist immer recht nett zu ihr. Sie sind immerhin Zwillinge, ich schätze da hat man einfach ein engeres Band zueinander”, zuckte die Rothaarige die Schultern, “als du sie im Zug getroffen hast, war sie vorher bestimmt grad bei ihrem Bruder. Er bringt sie ständig zum Heulen. Und obwohl sie das schon gewohnt ist, ist sie zu sensibel, um es auf die leichte Schulter zu nehmen.”
Albus runzelte die Stirn. Klar, er stritt sich auch ab und zu mit James und Lily, aber schlecht machen?
“Ich will trotzdem, dass du dich nicht zu sehr mit ihr anfreundest”, sagte er schließlich ernst und sah seine Schwester durchdringend an.
“Zu spät, Al. sie ist bereits eine meiner besten Freundinnen”, entgegnete die Jüngere unschuldig grinsend.
Albus setzte zu einer Antwort an, doch da erhob Direktorin McGonagall das Wort.
“Einen guten Abend ihnen allen und herzlich Willkommen in Hogwarts! Der sprechende Hut steht gleich für die Erstklässler bereit.
Zuerst möchte ich ihnen mitteilen, dass der verbotene Wald ABSOLUTE Tabu für sie alle ist! Außerdem ist Professor Flitwick nun in Pension. Die Leitung des Chores obliegt von nun an Professer Winchester. Zudem begrüßen wir eine neue Kollegin in unserer Runde. Sie wird Professor Flitwick vertreten. Willkommen Professor Malfoy!”
McGonagall trat beiseite und gab den Blick auf Narcissa Malfoy frei.
Erstauntes, aber auch missmutiges Gemurmel erhob sich unter den Schülern. Überraschung bei den Malfoy Geschwistern.
Leises Klatschen wurde hörbar, angefangen von Imogene und Aranea, ehe es sich über den ganzen Slytherintisch zog.
Die anderen Haustische blieben vollkommen still.
Professor McGonagall räusperte sich und fuhr fort: “Allen Fünft- und Siebtklässlern möchte ich nahe legen, fleißig für die Prüfungen zu lernen. Sie sind anspruchsvoller als in den Vorjahren. Kommen wir nun zur Häuserwahl!”
Der Rest war uninteressant für die Geswchwister.
“Was macht Narcissa Malfoy bitte hier? Ich meine..ist McGonagall bewusst, dass sie eine Todesserin ist?”, fragte Albus fassungslos.
Lily sah nachdenklich zum Lehrertisch und zuckte schließlich die Schultern: “Sie war einer. Voldemort gibt es schließlich nicht mehr.”
“Na und? Das heißt ja nicht, dass es Todesser auch nicht mehr gibt. Und die Malfoys standen doch ziemlich weit oben in der Liste seiner Anhänger. Ich fasse es nicht, dass McGonagall sie als Lehrerin angestellt hat!”, regte sich Al weiter auf.
Wäer James noch an der Schule, hätte er bestimmt Randale gemacht.
“Al! Vielleicht hat sie sich ja geändert! Es soll beizeiten mal vorkommen.”
Der Schwarzhaarige sah seine Schwester kopfschüttelnd an: “Du bist so naiv!”
Erbost schnaubte Lily. “Von wegen naiv! Menschen ändern sich nunmal!”
“Klar, aber sie ist schon uralt, wie soll sie sich da noch groß geändert haben?”, brummte Albus rechthaberisch.
“Das Alter spielt doch gar keine Rolle..”
“Einem alten Hund bringt man nichts Neues mehr bei!”
“Albus, also wirklich! Miss Malfoy ist doch kein Hund!”, schimpfte Lily grummelig. Albus war sonst immer nett und verständnisvoll, aber diese Vorurteile ließen sich wohl nicht austreiben.

“Unglaublich, Omi wird unsere Lehrerin...wusstest du das, Nea?”, fragte Imogene verdutzt, aber vorallem erfreut. Sie würde ihre geliebte Grandma jeden Tag sehen können!
Aranea schüttelte den Kopf: “Sie hat kein Wort gesagt. Aber irgendwie..ich weiß nicht, ob ich das so gut finden soll. du siehst doch, wie Longbottom immer kontrolliert wird.”
Imogene schüttelte den Kopf: “Aber Grandma ist vieeeeeel cooler. Außerdem sind wir Malfoys. Wir führen kein niederes Leben.”
Perplex sah Nea ihre Schwester an. Das war doch eine total malfoy’sche Aussage, durch und durch. Und das von Gene? Was tat sie nicht alles, wenn es um Narcissa ging.
“Ja, da hast du recht”, stimmte sie ihr zu und lächelte. Vielleicht war es ganz gut, sie hier zu haben.
Aus dem Augenwinkel bemerkte Gene Scorpius’ unzufriedene Miene. Natürlich, jetzt war die Gefahr größer, dass seine Kapriolen entdeckt wurden. Was die Fünfzehnjährige grinsen lie. Das war sehr gut.
Sie konnte es kaum erwarten, bis die blöde Feier vorbei war. Als sie auf die nicht kürzer werdende Schlange von Neuankömmlingen blickte, seufzte sie frustriert. Das würde wohl noch eine Weile dauern. Undgeduldig fing sie an, mit dem Fuß zu wippen.
“Also ich finde das ja schon ganz lustig”, meinte Lucy amüsiert, “ ob eure Großmutter einen Grund hat, hier zu unterrichten? Eure Familie ist doch sicher höhere Posten gewöhnt.”
“Natürlich sind wir das”, meinte Scorp in arrogantem Tonfall, “vielleicht ist sie ja hier, um allen Manieren beizubringen. Oder vielleicht will sie die Schule ja von den Schlammblütern säubern.”
“Scorpius! Nicht dieses Wort!”, fuhr Imogene ihn an, doch damit erreichte sie nur einen verächtlichen Blick.
“Was denn, setzt du dich nicht nur für Blutsverräter ein, sondern auch für schlimmeren Abschaum?”
“Was?”, stammelte Imogene verdutzt.
Scorp schnaubte, während Miranda ein hohes Kichern hören ließ.
“Bitte! Denkst du, wir wissen nicht, dass du mit Potter und Weasley rumhängst?”, fragte Scorpius herablassend, “wirklich, du widerst mich zunehmend an. Und sowas schimpft sich meine Schwester!”
Imogene umklammerte ihre Gabel so fest, dass es ihr wehtat, doch viel mehr musste sie sich abhalten, diese nicht in Scorp’s Oberschenkel zu rammen.
Die Blonde war sehr gutmütg, doch wenn man sie soweit brachte, dass sie wütend war, erweckte man damit einen bösen Drachen.
“DU bist verabscheuungswürdig, Scorpius! Menschen auf den Stand ihres Blutes zu schmälern ist das Letzte! Es gibt kaum noch Reinblüter und ohne Halbblüter und Muggel, würde die Zauberwelt rasch aussterben”, stieß Imogene zischend hervor und sah ihren Bruder zornig an.
Dieser zuckte nur unbeeindruckt die Schultern: “Na wenn schon. WIR sind eine der letzten Reinblüterfamilien und darauf sollten wir stolz sein!”
“Ohja, es ist super wenn der Cousin mit der Cousine verheiratet wird! Nur, um die Blutlinie rein zu halten. Ich finde nicht, dass man darauf stolz sein sollte, das ist widerlich. Ich lasse das sicher nicht mit mir machen. vorher heirate ich einen Muggel”, redete sie sich immer weiter in Rage.
Entsetzes Schweigen im näheren Umkreis.
Ja, wie kommt eine Malfoy dazu, so etwas zu sagen? Ein Skandal!
Gäbe es Internet in Hogwarts wäre dies vermutlich Thema Nummer eins für die nächsten wochen. Würde es aber wohl auch so sein.
“Imogene”, murmelte Aranea zaghaft, “krieg dich wieder ein.”
Ihre Zwillingsschwester sah grimmig zu ihr: “Ist ja wohl wahr!”
“Tja, meine liebe Schwester”, das letzte Wort spie Scorpius aus, als wäre es ein Schimpfwort, “dann wird es dich freuen zu hören, dass Vater bereits entschieden hat, dass du Nathaneal heiraten sollst. Den Sohn von Mutters Schwester.”
“WAS?!”
Imogene war aufgesprungen und starrte ihn fassungslos an. Auch Aranea schien aboslut perplex.
Genugtuung lag in Scorp’s Gesicht, als er nickte. “Allerdings. Und Nate ist..wie hat er gesagt...entzückt über diese Verbindung. Diese Hackfresse.”
Fast die gesamte Halle sah zu den Malfoys, inklusive der Lehrer.
Als Imogene Cissys Blick begegnete, die ungläubig das Verhalten ihrer Enkel beobachtete, wurde Gene knallrot, aber auch ruhiger.
Kraftlos sank sie auf die Bank. “Das ist nicht wahr!”
Scorpius grinste: “Und wie es das ist. An Weihnachten will er dir den Verlobungsring schicken. Er ist ‘untröstlich’, weil er nicht bei dir sein kann.”
Das konnte doch nicht wahr sein!
Wie konnten ihre Eltern ihr das nur antun? Das war ungerecht! So..verdammt ungerecht.
Sie war sicher, ihre Geschwister wurden davon verschont.
Ihre Eltern wollten bestimmt sicher gehen, dass sie nicht noch mehr Schande über ihre Familie brachte.
Nate war zwar in Ordnung, aber...Himmel nochmal, er war ihr Cousin und außerdem liebte sie Albus.
Ungeduldig blickte sie zu den Erstklässlern. Sie musste noch dringender mit ihrer Großmutter sprechen, soviel stand fest.

Schließlich war das Essen beendet und die Vertrauensschüler wurden dazu angehalten, die Erstklässler zu ihren Gemeinschaftsräumen zu bringen.
Als eine der letzten stand Imogene auf und als sie Narcissa erblickte, umarmte sie diese so stürmisch, dass die Ältere fast von den Füßen gerissen wurde.
“Grandma! Was machst du denn hier?”, fragte sie mit einer Mischung aus Freude und Verwirrung.
Cissy schmunzelte leicht: “Was denkst du denn? Ein bisschen auf meine Enkel aufpassen.”
Behutsam strich sie Imogene übers Haar: “Ich habe dich vermisst, Kleine.”
“Ich dich auch..es tut mir leid, dass ich nicht mit Nea gekommen bin”, sagte die Slytherin sofort und sah ihre Grandma entschuldigend an.
“Nicht so tragisch, dafür bin ich ja jetzt hier”, erwiderte sie und sah ihrer Lieblingsenkelin in die Augen.
“Und jetzt erzähl mir, wie es dir geht.”
Was wirklich in Narcissa Malfoy vorging, wusste nur sie selbst und niemand würde es so schnell erahnen können...

Mittwoch, 18. Juli 2012

Kapitel 4- Hass oder Liebe? Hassliebe?

Der Zug hatte sich gerade erst in Bewegung gesetzt, als auch schon die Tür zum Abteil der Malfoykinder aufging und sowohl Zabini als auch Miranda auftauchten.
“Gefunden”, flötete die Schönheit und setzte sich direkt neben Scorpius. Imogene musterte sie ein wenig abschätzig. Es lag normalerweise nicht in ihrer Natur, sich Urteile über andere zu bilden. Aber wenn eine Siebzehnjährige Schülerin ihren Ausschnitt bis zum Bauchnabel trug- und das schaffte sie mit der Schulbluse- dann konnte sie nicht anders.
Das war doch einfach widerlich oder?
Imogene warf einen blick zu ihrer Schwerster, die Miranda ebenfalls leicht abschätzig musterte.
Anders als Gene war Aranea am Leben anderer brennend interessiert und stand selbst gern im Mittelpunkt.
Und lästern gehörte auch ganz groß dazu.
“Deine Party war mal wieder sagenhaft, Scorpius”, flötete Miranda und schmiss sich förmlich an Scorp ran. Angewidert verzog Imogene das Gesicht und sah zu Nea: “Wie war’s eigentlich bei Oma und Opa?”
“Wunderschön! Grandma war enttäuscht, weil du nicht mitgekommen bist”, erklärte die Ältere der Zwillinge spitz.
Schuldbewusst starrte Gene auf ihre Hände: “Ich konnte nicht. Ich musste mich auf das neue Schuljahr vorbereiten.”
Aranea verdrehte die Augen: “Oh bitte! Ich hab mich auch nicht vorbereitet und du lernst viel leichter als ich!”
“Deine Schwester hat recht, Kätzchen”, kam es von Zabini und er legte Gene einen Arm um ihre Schultern, “noch bist du jung, also genieße dein Leben!”
“Kätzchen?”, nuschelte Imogene irritiert.
“Vergiss es, Zabini. Meine Schwester hat nen Besen im Hintern”, winkte Scorpius ab.
Imogene errötete: “ist doch gar nicht wahr!”
“Lasst sie doch!”, ging Aranea dazwischen und schüttelte den Kopf. Nur sie durfte auf Imogene herumhacken!
Miranda lachte: “So unschuldig, wie sie tut, ist sie doch gar nicht!”
Die Zwillinge sahen erstaunt zu ihr: “Was soll das denn heißen?”
Scorpius grummelte, während die Slytherin antwortete: “Auf der Party hat das Engelchen mit mindestens drei Typen geknutscht, bevor sie mit Adrian gekuschelt hat.”
Dieser grinste: “Deshalb das >>Kätzchen<<.” “Aber...”, stammelte Gene fassungslos, ehe Aranea ihr ins Wort fiel: “Schwesterherz...ich bin entsetzt! Wirst du schon wie unser Bruder?” “Ich weiß das gar nicht mehr!”, widersprach Gene aufgelöst. “Natürlich nicht, du warst ja auch total betrunken”, frohlockte Miranda schadenfroh. “Eine Schande für die Familie”, hängte Scorpius dran. Tränen traten Imogene in die Augen, gegen welche sie versuchte anzukämpfen: “Sollten wir deshalb zusammen bleiben? Damit ihr mich wieder runtermachen könnt?” “Gene-”, fing Nea besänftigend an, doch mit einem finsteren Blick brachte ihre Schwester sie zum Schweigen. “Nichts da mit >>Gene, nimm es nicht so ernst< Aranea sprang auf und wollte ihr folgen, doch Scorpius hielt sie fest. “Lass sie doch spinnen! Ist sie ja selbst schuld!”
“Selbst schuld?”, echote Nea, “ihr habt sie doch geärgert! Und du weißt, dass sie sensibel ist!”
“Deshalb macht es ja soviel Spaß!”, grinste Scorp hämisch.
“Du bist so ein Arsch”, erwiderte Aranea trocken und verschränkte die Arme vor der Brust.
“So ist das Leben”, warf Miranda spöttisch ein.
“Das war aber doch etwas zu hart oder? Sie ist doch deine Schwester”, murmelte Adrian etwas zögernd.
Nea nickte zustimmend, doch Scorpius sah Zabini abschätzig an: “Vom Namen her, ja. Aber vom charakter kann sie unmöglich eine Malfoy sein. Diese jämmerliche Heulsuse!”
“Sie ist halt anders. Ist ja nicht ihre Schuld”, gab der andere Junge zurück. Zwar teilte er auch die Meinung, dass sie nicht in diese Familie passte - nichtmal nach Slytherin- aber sie deswegen so herablassend wie einen Schlammblüter zu behandeln?
“Mein Gott, Zabini! Du stehst auf sie, oder?”, kam es belustigt von Miranda und Nea hob skeptisch die Augenbraue und sah, ebenso wie ihr Bruder, zu Zabini.
Dessen Miene war gelassen wie immer: “So ein Blödsinn! Ich besitze nur noch so etwas wie Menschlichkeit!”
“Ach, wir nicht?”, grummelte Miranda und Adrian runzelte die Stirn: “Meinst du das ernst?”
“Du Vollidiot!”, zischte Miss Fletcher und Aranea schmunzelte nur.
Es war ja irgendwie doch ziemlich unterhaltsam.

Immer noch gegen Tränen ankämpfend, lief Imogene in Richtung der Toiletten. sie war in ihrer Familie schon immer das schwarze Schaf gewesen und das ließ man sie auch spüren. Vorallem eben Scorpius. Nea ärgerte sie zwar auch, aber nie wirklich gemein.
Meistens kam die fünfzehnjährige Schülerin damit klar, aber nachdem ihr Nea auch noch Schuldgefühle wegen Grandma eingeredet hatte, war das etwas zuviel.
Sie wischte sich über die Augen und knallte im selben Moment mit jemandem zusammen.
“Hast du keine Augen im Kopf?”, zischte sie, wurde aber sofort verlegen, als sie aufblickte.
“Oh...Albus..sorry, ich hab nicht aufgepasst”, nuschelte die Malfoy und wich seinem Blick verlegen aus.
Albus zog eine Augenbraue hoch und schob sich das letzte Stück seiner Lakritzstange in den Mund.
Wie peinlich!
Albus mochte sie sowieso nicht, weil er glaubte, sie war wie der Rest ihrer Familie.
Und jetzt erwischte er sie heulend.
Das fiel ihm anscheinend auch auf, denn der herablassende Blick wurde weicher.
“Ist etwas passiert?”, fragte er sie ziemlich sanft, was Imogene gar nicht fassen konnte.
Aber auch das war eher im Hintergrund, denn allein der Klang seiner Stimme sorgte dafür, das Imogene hin und weg war.
Ein wenig war es ja wie ein Fluch, es beeinträchtigte ihre Aufmerksamkeit. Sehr.
Also wiederholte Albus seine Frage. Leicht ungeduldig.
“Nein...schon gut. Alles bestens..”, antwortete Imogene abwehrend.
Einige drehten sich nach ihnen um. Natürlich, es war schon eine Sensation- ein Potter und eine Malfoy unterhielten sich, ohne aufeinander loszugehen.
Obwohl es bestimmt Leute geben würde, die behaupteten, Albus hätte sie zum Weinen gebracht.
“Und deshalb weinst du?”, hakte er nach und ließ sie nicht aus den Augen.
Irgendwie war die Kleine ja schon fast süß. Al konnte kaum glauben, dass sie nur ein Jahr jünger war als er. Sie sah aus wie zwölf oder dreizehn.
“ich weine nicht!”, entgegnete Imogene trotzig. Albus musste grinsen. Auch ihr Verhalten erinnerte ihn gerade an ein jüngeres Kind.
“Verstehe”, gab der Schwarzhaarige zurück, “dann ist das also Deko.”
Gene musste schwach lächeln und nickte: “Genau.”
Seine nächsten Worte konnte der Potter selbst kaum fassen, dennoch sprach er sie aus: “Na geht doch. Ein Lächeln steht dir viel besser.”
Die Slytherin blinzelte verdutzt, ehe Röte ihre Wange färbte.
Sie wusste nicht, was sie darauf sagen sollte, doch ihr Herz raste wie verrückt.
Wie einfach gestrickt sie doch war.
Verlegen wandte sie den Blick ab und starrte aus dem Fenster.
Betretende Stille trat ein, bis Albus schließlich seine Sprache wiederfand: “Nun..ich muss dann mal weiter..ciao.”
Er drängte sich an ihr vorbei und sie sah ihm nach, bis er außer Sichtweite war.
Schließlich ärgerte sie sich über ihr eigenes Verhalten.
“Ich bin so dumm! Dumm, dumm, dumm, dumm, dumm! Jetzt hält er sicher noch viel weniger von mir!”, stieß sie verärgert hervor. Wieder drehten sich einige zu ihr um.
“Was?”, blaffte sie grimmig und flcühtete nun endgültig zu den Toiletten.

Albus ließ sich auf seinen Platz zwischen Rose und Hugo fallen und seufzte.
Dieser Vertrauensschülermist war so nervig. Er verstand nciht, wie seine Cousine Rose so versessen darauf sein konnte, diesen Posten inne zu haben.
Al machte lieber Unsinn, als ihn zu verbieten. Nun, man konnte wohl nicht alles haben.
“Ich habe gehört, dass wir einen neuen Lehrer für Zauberkunst bekommen. Professor Flitwick ist wohl endlich in Pension gegangen”, erzählte Lily grinsend.
“Wurde ja auch Zeit. Wie alt ist er, vierhundert?”, fragte Hugo schmunzelnd.
Die anderen zuckten die Schultern. Das würde wohl ein Geheimnis für die Ewigkeit bleiben.
“Weißt du auch den Namen des neuen Lehrers?”, wollte Rose wissen, doch Lily schüttelte den Kopf.
“Alice sagt, dass Neville auch noch nichts weiß”, antwortete sie und biss den Kopf ihres Schokofrosches ab.
“Schade, dann wirds wohl ne Überraschung”, meinte Albus und zuckte die Schultern.
Überraschungen war man in Hogwarts gewohnt.
“Wo ist Alice überhapt? Wollte sie nicht mit uns fahren?”, fiel es Hugo ein.
“Ja, wollte sie”, stimmte Lily zu, “aber sie hat wohl irgendwas in die Luft gejagt und muss jetzt bei Neville sitzen.”
“Im Lehrerabteil? Oh Gott, die Ärmste!”, bekundete Albus sein Mitleid. Das musste schrecklich sein.
Von den Weasleys/Potters war wohl jedes Kind froh, keinen Elternteil als Lehrer zu haben. Vor zwei Jahren hatte Hermine zwei Monate Verwandlungen vertreten und das hatte allen gereicht.
“Es war ja nicht mal mit Absicht! Sie hat zwei Zutaten verwechselt beim Zaubertränke üben”, erklärte Lily seufzend und zog den Umhang an.
“Ganz schön unfair. Tut man nichts für die Schule, ist es falsch und andersrum auch”, lamentierte Hugo kopfschüttelnd.
Eltern eben.
Zustimmendes Gemurmel erfolgte.
Eine Weile herrschte Schweigen, in dem Albus mit sich selbst rang.
Er hatte sich nie nähere Gedanken um die Malfoys gemacht. Der Name sagte schließlich alles. Doch Imogenes Anblick vorhin ließ ihn nicht wirklich los. Gab es vielleicht etwas, das er nicht wusste, oder auch nicht nur ansatzweise ahnte?
Sein Blick wanderte zu den beiden rothaarigen Mädchen, von denen er wusste, dass sie gut mit Imogene auskamen.
Er hatte sich schon öfter gefragt, wie es dazu gekommen war.
“Sagt mal”, fing er an und sprach erst weiter, als die Mädchen ihn ansahen, “ich hab vorhin Imogene getroffen.”
Er erklärte ihnen, was passiert war und wurde ziemlcih überrascht von dem, was ihm erzählt wurde.

Imogene hatte vollkommen das Zeitgefühl verloren. Sie ärgerte sich immer noch tierisch darüber, wie sie sich verhalten hatte, war aber höchst erfreut, dass Albus mit ihr gesprochen hatte. Und sie war immer noch bedrückt wegen Scorpius.
Abgesehen davon glaubte sie Mirandas Worten nicht.Mit wem sollte sie denn bitte geknutscht haben? Für sie gab es nur Albus, sonst niemanden. Und das seit drei Jahren. Vielleicht war sie naiv, denn er würde sich doch nie für sie interessieren. Aber sie konnte nicht aus ihrer Haut.
Als er sie damals gerettet hatte- nicht wissend, wer sie war- hatte sie sich in ihn verliebt.
Aranea hatte gemeint, es wäre Dankbarkeit oder Schwärmerei, da sie zu dem Zeitpunkt erst 12 Jahre alt gewesen waren.
Imogene hatte von da an, ihre Gefühle nie mehr erwähnt. Doch deshalb waren sie nicht verschwunden, im Gegenteil. sie wurden inniger, während sie ihn einfach still beobachtete. Und er sie vergaß.
Seufzend strich sie ihre blonden Haare glatt und schnitt ihrem Spiegelbild eine Grimasse.
Zeit, wieder aufzustehen und die Krone zu richten. Lächeln und weiterkämpfen!
Nocheinmal atmete sie durch, dann verließ sie die Toilette und trat auf den Gang.
Dabei rannte sie fast gegen Nea.
“Da bist du ja! Ich hab mir schon Sorgen gemacht! Wir sind gleich da, Herrgott nochmal. Hier ist dein Umhang, zieh ihn an! Und trödel nicht rum”, schimpfte Aranea, lächelte aber leicht.
“Tut mir leid”, kam es von Gene, die sich hastig den Umhang anzog, als der Zug langsamer wurde.

Sonntag, 3. Juni 2012

Kapitel 3- Auf nach Hogwarts!

Albus saß am nächsten Morgen bereits hellwach in der Küche, als seine Geschwister und Eltern erst betraten.
“Nanu, du bist aber früh auf, Brüderchen!”, stellte Lily schmunzelnd fest und rutschte neben ihrem Bruder auf die Bank. Ihr rotes Haar hatte sie heute mit zwei geflochtenen Zöpfen gebändigt, in ihren Augen tanzte Vorfreude.
Schließlich sollte es heute nach Hogwarts gehen!
Aber eigentlich war nur die Jüngste der Potters wirklich aufgeregt. Obwohl sie jetzt auch schon ins vierte Jahr kam, fand sie es immer wieder total interessant.
Albus hoffte, dass sie sich diese unschuldige Kindlichkeit immer bewahren würde. Das machte sie einfach besonders.
Ginny fing an, in der Küchenzeile herumzuhantieren: “Wir fahren pünktlich um neun Uhr los. Die Straßen werden wieder voll gestopft sein. Ich will kein Gezicke, keinen Streit und kein Gejammer hören.”
“Warum fahrt ihr mit dem Auto? Ihr könnt doch Flohpulver verwenden”, mischte sich James ein und lehnte sich gelassen an die Anrichte, während der Kaffeeduft die Luft erfüllte.
“Auja, Flohpulver! Mama, das wäre doch viel lustiger! Biiiiiitte!”, bettelte Lily und sprang auf, “dann müssten wir nicht im Stau stehen!”
Ginny warf ihrem Sohn einen funkelnden Blick zu, der soviel hieß wie ‘Danke, James!’ - und das nicht nett gemeint.
Ihr ältester Sohn zuckte die Schultern und grinste unschuldig.
Doch es war Albus, der das Wort ergriff: “Das wäre ziemlicher Blödsinn, Lily! Das würde den Tieren nicht gut bekommen. Außerdem ist es umständlich mit dem Gepäck.”
Das Mädchen zog eine Schmollmiene und verschränkte die Arme vor der Brust.
Ihr vorwurfsvoller Blick traf James: “ Warum schlägst du etwas vor, das wir nicht machen können? Das war gemein!”
James grinste frech und stieß sich von der Anrichte ab: “Tja, Schwesterchen. Blöd gelaufen.”
Der Schwarzhaarige schnappte sich einen Apfel und ging zur Küchentür.
“Passt auf euch auf, Zwerge. Sonst muss euer großer Bruder kommen und euch retten”, fügte James noch hinzu und lachte, dann verschwand er aus der Tür.
Lily kaute auf ihrer Unterlippe herum und sah dann zu ihrer Mutter: “Kommt James denn gar nicht mit nach King’s Cross, Mom?”
Ginny ließ die Teller mit Omletts auf den Tisch schweben und schüttelte den Kopf: “Heute ist auch der Beginn der Aurorenausbildung. Also kann er nicht mitkommen.”
“Das ist so schade”, nuschelte Lily und spießte seufzend ein Stückchen Omlett auf ihre Gabel.

Das restliche Essen verlief ohne Ereignisse und schließlich wurde es doch etwas hektisch.
“Habt ihr alles? Lily, dein Mantel hängt noch im Flur. Albus, jetzt beeil dich doch”, hörte man Ginnys Stimme ununterbrochen, während die Kids ihre Koffer bereits zum Auto brachten.
Harry wartete schon beim Fahrzeug und öffnete den Kofferraum, damit Lily und Albus ihre Sachen im magisch vergrößerten Stauraum unterbringen konnten.
“Ich kann euch heute leider nur zum Bahnhof bringen und muss gleich weiter”, gestand nun auch er seinen Kindern.
“Ist das dein Ernst, Vater?”, fragte Albus mit zusammengezogenen Augenbrauen und wechselte einen enttäuschten Blick mit seiner Schwester.
In all den Jahren war es nicht einmal vorgekommen, dass nicht beide Elternteile sie verabschiedeten.
“Tut mir leid. Aurorenlehrlinge schulen sich nicht von selbst ein”, meinte Harry mit einem schwachen Grinsen.
“Also ist daran nur James schuld”, beschwerte Lily sich kichernd und kletterte auf den Rücksitz des Autos.
Albus rutschte nach und legte den Sicherheitsgurt an: “Er ist mit Sicherheit nicht der einzige Aurorenschüler, der jetzt anfängt, Lils.”
Seine Schwester streckte ihm die Zunge raus und die beiden beobachteten, wie ihre Eltern noch ein paar kurze Worte wechselten und ernste Blicke tauschten.
“Was sie wohl zu besprechen haben?”, fragte Albus halblaut und runzelte nachdenklich die Stirn.
Es kam nicht häufig vor, dass ihre Eltern sich so geheimniskrämerisch verhielten. Und wenn sie es doch taten, war es ziemlich ernst.
“Wahrscheinlich geht es um Jamsie”, meinte Lily, “die beiden beraten sich zurzeit ständig und andauernd wegen ihm. Mom ist nicht so glücklich damit, dass er dasselbe machen will wie Dad.
Sie macht sich Sorgen.”
Albus war ein wenig überrascht, dass seine jüngere Schwester so gut bescheid wusste. Allerdings war sie auch der Liebling in der Familie. Hatte das Nesthäkchen nunmal so an sich.
“Verstehe”, schaffte er es noch zu sagen, als seine Eltern schließlich einstiegen und mit Schweigen losfuhren.


Imogene blinzelte müde, als das Sonnenlicht sich ihre Bahnen durch den Vorhang brach. Ihr Kopf tat weh und sie fühlte sich ziemlich neben der Spur.
Im nächsten Moment fuhr sie hoch.
“Verdammt!”, fluchte sie vor sich hin. Sie konnte nicht glauben, dass die Party ihres Bruders für sie damit geendet hatte, dass ihre Schwester sie betrunken ins Zimmer gebracht hatte.
Sie war stinkwütend auf ihren Bruder. Schließlich war es seine Schuld! Scorpius hatte ihr immerhin den Feuerwhiskey gegeben.
Brummig schälte sich die Malfoy aus dem Bett und eher im Halbschlaf, taumelte sie zu ihrem Kleiderschrank, wo sie wahllos irgendwelche Klamotten rausholte.
Vermutlich saß ihre Familie bereits beim Frühstück und ihre Abwesenheit war noch niemandem aufgefallen. Außer Nea vielleicht.
Nea!
Hastig streifte sich Imogene die Klamotten über und machte sich im Badezimmer zurecht. Sie liebte ihre Schwester und konnte ihr meistens auch vertrauen. Doch Aranea kroch Draco zu gern in den Hintern und Imogenes Zustand war dafür ein ziemlich gefundenes Fressen.
Abgesehen davon war ja am heutigen Tag die Abreise nach Hogwarts.
Kurz schweiften die Gedanken der Blonden ab. Möglicherweise würde sie heute ihren Schwarm wiedersehen. Spätestens im Hogwarts Express würde sie ihm über den Weg laufen. Denn genauso wie ihr Bruder, war auch Albus Potter ein Vertrauensschüler. Die beiden hassten sich aufs Blut, doch die Umstände zwangen sie, in gewissem Maß zusammenzuarbeiten. Und das wiederum war gut für Imogene.
Sie wischte ihre Gedanken beiseite und ging nach unten.

Wie nicht anders erwartet, befand sich der Rest der Malfoys bereits am Tisch. Alle vier sahen auf Imogene, als sie den Speisesaal betrat und sie blickte etwas kühl zurück- jetzt war schauspielern wieder angesagt.
“Guten Morgen, Vater und Mutter. Geschwister”, begrüßte sie ruhig und setzte sich an ihren Tisch. Scorpius sah erstaunlich fit aus, stellte sie beiläufig fest.
“Imogene Genevive, wir haben etwas zu besprechen”, hallte Dracos Stimme von den Wänden, bevor Imogene überhaupt nach einem Brötchen greifen konnte.
Schnell sah sie zu ihrer Zwillingsschwester, die ein unschuldiges Lächeln zeigte.
Oh...Aranea, das wirst du büßen!, dachte sich Imogene grimmig und richtete ihre Aufmerksamkeit mit gelassener Miene auf ihren Vater: “Ja, Vater?”
“Mir ist zu Ohren gekommen, dass du bei der Geburtstagsfeier deines Bruders ziemlich viel getrunken hast”, fing Draco mit gefährlicher Ruhe an.
Aus dem Augenwinkel sah Gene, wie Nea immer weiter in den Sitz sank.
Sollte sie ruhig! Später würde sie noch ein ernstes Wörtchen mit ihrer Schwester reden müssen.
“Mag sein. Warum?”, fragte Imogene ungerührt und sah ihren Vater ausdruckslos an, auch wenn sie sich innerlich nicht ganz furchtlos auf ein Donnerwetter vorbereitete.
“Warum? WARUM?!”, donnerte Draco schließlich wirklich los und starrte seine Tochter wütend an, “du bist fünfzehn! Was hast du dir dabei gedacht?”
Imogene schrumpfte auf ihrem Stuhl zusammen und stocherte in ihrer Müslischale herum.
“Es war Scorpius Schuld! Er hat mir den Feuerwhiskey untergejubelt und außerdem war doch die Gesellschaft dieser Hohlbirnen gar nicht anders zu ertragen”, kommentierte Imogene den Wutausbruch ihres Vaters, obgleich sie ihn auch verstand. Sie war ohnehin keine von diesen Partyteenies.
Hätte das nicht dafür sorgen sollen, dass alles gut ausging?
“Aber es war deine eigene Entscheidung, den Whiskey zu trinken. Schwesterherz”, meinte Scorpius gehässig, “und ich habe dir auch nur ein Glas angedreht. Die anderen fünf hast du selbst gekippt.”
“Du hast mich aber gezwungen, an deiner bescheuerten Party teilzunehmen, obwohl ich gar nicht wollte!”, verteidigte sich Gene wütend und funkelte ihren älteren Bruder an, ihre Hand umfasste den Griff des Löffels so fest, dass er sich leicht bog.
Nun mischte sich auch Astoria ein: “Beruhigt euch alle drei. Es ist doch schön, dass dein Bruder dich dabei haben wollte, Imogene. Und Scorpius, war es wirklich nötig, ihr den Whiskey anzudrehen?”
Draco richtete sich zu seiner vollen Größe auf: “Wenn das noch einmal vorkommt, dann gibt es richtig Ärger, für euch alle beide! Damit das klar ist!”
“Das wird auch nicht mehr vorkommen. Ich geh zu keiner bescheuerten Scorpius-Party mehr”, motzte Imogene und warf allen Anwesenden einen vernichtenden Blick zu.
Der Appetitt war ihr vergangen und sie schob die Schale von sich.
Das war mal ein guter Morgen.

Harry hatte sich von seinen Kindern verabschiedet und war dann direkt disappariert.
Ginny brachte ihre Kinder zum Gleis 9 ¾, auch wenn das in Albus’ Ansichten völlig überflüssig war. Er war sechzehn und somit alt genug, auf sich und seine Schwester aufzupassen. Aber er wusste, dass er seine Mutter nicht davon abbringen können würde, also legte er sich gar nicht erst mit ihr an.
“Und wenn irgendjemand Probleme macht, dann haltet euch da raus, okay? Mischt euch um Himmels Willen nicht ein! Es hat bei Gott schon gereicht, dass James lettes Jahr fast geflogen wäre, ich will nicht, dass einer von euch wirklich fliegt”, ermahnte Ginny ihre Kinder bestimmt.
“Das ist aber nicht fair! Du und Dad ward auch nicht gerade Musterschüler an Vorbildlichkeit”, beschwerte sich Lily schmunzelnd, nickte aber brav.
Lily war definitiv die artigste der Potter-Kinder und hatte bisher nie etwas angestellt.
“Das heißt nicht, dass ihr uns nachmachen müsst”, entgegnete ihre Mutter streng, aber ihre Mundwinkel zuckten, sie verbarg ein Lächeln.
“Passt einfach auf euch auf”, meinte sie und drückte Lily einen Kuss aufs Haar, ehe sie ihren Sohn an sich zog, “pass auf deine Schwester auf.”
Albus nickte leicht: “Natürlich, Mom. Und mach dir nicht soviele Gedanken um James. Er schafft die Ausbildung mit links.”
Ein wenig überrascht sah die rothaarige Potter ihren Sohn an: “Woher weißt du das?”
Nur ein unbestimmtes Lächeln war seine Antwort darauf, ehe er die Hände auf seinen Gepäckswagen legte und ihn anschob.
Lily folgte ihm auf den Fuß und hob dann ihre Sachen hoch, damit er sie reintrug.
“Ausnahmsweise”, kommentierte Albus und nahm ihr die Koffer schmunzelnd ab.
Dann ging er mit seiner Schwester geradeaus, bis sie ein freies Abteil fanden und sich in dieses setzten.
Lily öffnete das Fenster um noch ein paar Worte mit ihrer Mutter zu wechseln.

Der Abschied zwischen den Malfoys fiel etwas kühler aus. Vorallem von Imogenes Seite aus. Eine steife Umarmung war alles, was sie ihren Eltern zugute kommen ließ. Wobei sie ihre Mutter schon etwas inniger umarmte.
Aranea hingegen machte ihrem Vater allerhand Versprechen und versicherte ihm brav zu sein und nichts anzustellen.
Scorpius versprach das selbe seiner Mutter.
Imogene hingegen lief einfach schonmal mit ihren Sachen los und es dauerte nicht lange, bis Areana zu ihr aufschloss.
“Bist du mir böse, Gene?”, fragte sie in einschmeichlerischem Tonfall.
Ihre Schwester sah sie grimmig an: “Der Ton hilft bei Vater, aber nicht bei mir, Aranea. Wie konntest du mir das antun? Ich dachte, du bist meine beste Freundin!”
Kurzes Schweigen breitete sich aus, während dem die beiden nebeneinander zum Waggon liefen.
“Es tut mir leid, Gene”, murmelte Aranea schließlich kleinlaut und in versöhnlichem Tonfall, “aber du weißt doch, wie ich bei Papa bin. Ich kann einfach nicht anders..”
“Ja, das ist wirklich armselig”, grummelte Imogene und beschleunigte ihre Schritte, war aber schon ein wenig milder gestimmt.
Beide Mädchen kletterten in den Zug und Scorpius kam direkt nach seinen Schwestern und bugsierte sie ins Abteil: “Wir bleiben zusammen.”
Imogene grummelte vor sich hin, sie hasste es bevormundet zu werden, überhaupt von ihrem Bruder.
Nea hingegen setzte sich direkt ans Fenster und winkte ihrem Vater noch fröhlichst zu.
Scorpius warf sich direkt seinen Umhang über und steckte das Vertrauensschülerabzeichen an die Brust.
“Ich verstehe nicht, wie du Vertrauensschüler werden konntest, Scorpius. Du bist doch alles andere als ein Vorzeigeschüler”, meinte Imogene etwas trocken und knabberte an einem Schokofrosch.
Da sie beim Frühstück nicht viel runterbekommen hatte, war sie eigentlich wahnsinnig hungrig.
Ihr Blick wanderte dabei zur Abteiltür, sie hatte die kleine Hoffnung, vielleicht Albus zu sehen zu bekommen.
Stattdessen lief ein rothaariges Mädchen vorbei, welches ebenfalls ihre Aufmerksamkeit weckte.
Zögernd hob sie die Hand zum Gruß und Rose winkte lächelnd zurück.
Ehe ihr Blick grimmig Scorpius streifte.
Dass die beiden sich überhaupt nicht leiden konnten, war ein offenes Geheimnis und schnell huschte die Weasley weiter.
Gene fand es ehrlich gesagt ziemlich nervig, dass diese blöde Familienfehde immer noch bestand.
Lily und Rose waren zwei ihrer engsten Freunde und es störte sie zutiefst, dass sie diese nur treffen konnte, wenn ihre Geschwister nicht in der Nähe waren.
Wobei sie jedoch zugeben musste, dass Aranea noch um einiges toleranter war als Scorpius. Ihre Zwillingsschwester nannte die Weasleys wenigstens nicht Blutsverräter. Und das Wort Schlammblut befand sich auch nicht in ihrem Vokabular, in ihrem übertragenen Sinne.
Scorpius hingegen war zum Großteil wirklich wie Draco.
Eine richtige Kopie. Ein Clon!
Sie schob ihre Gedanken beiseite und kam blinzelnd wieder in die Realität.
“Na, wieder unter uns?”, fragte Nea schmunzelnd und das Aufblitzen in ihren Augen verriet imogene, dass ihre Schwester wohl schon öfter versucht hatte, zu ihr durchzuringen.
“Ehm..ja. Auf gehts nach Hogwarts”, murmelte Gene, als der Zug sich in Bewegung setzte. Ihre Vorfreude war groß und sie war gespannt, was das neue Jahr für sie alle bereithielt.